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Das jüdische Echo · 1922-08-25 · 34 (25.8.1922) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
34 (25.8.1922)
Date
1922-08-25
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 54 25. Äugust 1922 9. Jahrgang Aufgaben der jüdischen Jugendbewegung Die Ratifizierung des Palästinamandats stellt das Judentum vor Aufgaben, deren ganze Tragweite erst im Laufe der Zeit voll erfaßt werden dürfte. Sie münden alle in die Verpflichtung ein, mit allen uns zur Verfügung' stehenden Mitteln das Aufbauwerk zu fundieren und zu erweitern, damit die politischen Erfolge ihr entsprechendes wirtschaftliches und kulturelles Äquivalent erhalten. Über Wesen und Bedeutung des Keren Hajessod ist in diesem Zusammenhang schon viel gesagt worden und wird auch weiterhin noch viel zu sagen sein. Uns soll hier aber zunächst etwas anderes beschäftigen: die jüdische Jugend. Die Frage der jüdischen Jugendbewegung erheischt angesichts dieser Aufgaben unsere besondere Aufmerksamkeit; gilt es doch, eine Generation heranzubilden, die Judentum und Palästina zu ih^em Programm und Ziel gemacht haben, gilt es, die jüdischen Palästinabestrebungen und Ideale hier zu verankern und so den Jungbronnen zu errichten, der Palästina neu belebt. Die jüdische Jugend ist der Boden, aus dem die neue ertragreiche Saat hervorgehen soll. Sie ist das Element, das die Entwicklung Palästinas kontinuierlich fortzusetzen hat und so dem Lande seinen Aufstieg sichert, es zu dem Heim und der Stätte gestaltet, das unsern Vätern und Vorkämpfern von jeher als das jüdische Land vorgeschwebt hat. Es ergeben sich hieraus eindeutig die Aufgaben der jüdischen Jugendbewegung. Sie hat die gesamte jüdische Jugend zu erfassen und zusammenzufassen, ihr Ziel und Richtung zu geben», sie zur Verwirklichung unserer Ideale zu führen und ihr gleichzeitig deren praktische Umsetzung in die Wirklichkeit zu erleichtern und zu ermöglichen. Wirtschaftlich wird diese palästinozCntrische Einstellung zur Berufsumschichtung in weitestem Ausmaß führen müssen. Denn da unsere jungen Menschen nach Palästina gehen, müssen sie naturnotwendig ihren Beruf demgemäß einstellen. Die Entwicklung in Erez Israel hat nun gezeigt, daß hierfür in erster Linie landwirtschaftliche, gärtnerische und handwerkliche Berufe in Betracht kommen, womit natürlich nicht gesagt werden soll, daß Kaufleute, Industrielle und Akademiker in Palästina nicht etwa gebraucht werden. Die Berufsumschichtung der jüdischen Jugend muß jedoch von der Erkenntnis geleitet sein, daß junge Menschen elastisch und in hohem Maße akklimatisationsfähig sind, und daß gerade sie deshalb in erster Linie diese schweren „körperlichen“ Berufe ergreifen müssen. Bedenken wir noch ein Moment. Dadurch, daß der Berufswahl diese Bahnen vorgezeichnet werden, geht man jener seelischen Verweichlichung und lauen zionistischen Einstellung aus dem Wege, die durch eine Verbreiterung der Berufsbasis und einer Gleichgültigkeit der Berufswahl mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eintreten würde. So, im Banne des Berufs, der streng auf Palästina eingestellt ist, erwächst eine jüdische Jugend, die fest palästinensisch gesinnt, stets den Blick für das Aufbauwerk offenhalten und es selber stützen wird, Es kommt noch ein drittes hinzu: Landwirtschaft und Gärtnerei erfordern eine starke Verbindung mit der Natur. Gerade die Jugend ist besonders geeignet — und infolgedessen hierzu verpflichtet — diese notwendigen seelischen Beziehungen zu den Dingen der Natur zu gewinnen. Auch unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte wird man die Erziehungsarbeit zu leisten haben. Schwieriger und komplizierter sind die kulturellen Fragen. Palästina bedeutet ja nicht allein ein wirtschaftliches, sondern in genau demselben Ausmaß auch ein kulturelles Programm, das man in den Satz fassen kann: Es gilt aus Palästina Erez Israel zu machen, ein jüdisches Land mit jüdischem Leben, hebräischer Sprache und hebräischer Kultur. Die Arbeit hat auch hier von Anfang an einzusetzen. Die Jugend muß jüdisch intensiviert werden, sodaß sie in Palästina und im Galuth wertvolle Positionen bildet. Vielen wird es nicht möglich sein, nach Erez Israel zu gehen; sie aber müssen deshalb in erhöhtem Maße jüdische Kulturfaktoren werden. Es ist klar, daß jüdischer Aufbau Aufbau und Gestaltung der jüdischen Volkseinheit bedeutet. Die Gesamteinstellung dieser jüdischen Jugend wird also hiervon diktiert sein müssen. Ganz besonders in den materiellen, wirtschaftlichen Fragen müssen wir unbedingtes Zusammengehen mit den zionistischen Instanzen fordern; jede auf eigene Faust geleistete Arbeit kann der Sache mehr schaden als nützen, denn sie bedroht die Lebensfrage des jüdischen Volkes: das autonome Gemeinwesen des geeinten jüdischen Volkes in Palästina! Die Jugend soll jederzeit wissen, daß Aufgabe dieser Forderung eine Verengerung des Gesichtskreises bedeutet, daß das Heraustreten aus der Volkseinheit: die Gefahr in sich birgt, vom Weg der gerechten und guten Sache Palästinas abzuirren, daß diese Einstellung auch wahrscheinlich hierzu führen wird. Das lehrt uns zu deutlich unsere Geschichte. Die Jugend soll sich ferner der nationalen Verantwortung bewußt sein. Sie muß wissen, was es heißt, den eigenen, gesonderten Weg zu gehen. Hat sie dies begriffen, so wird für sie Unterordnung unter die zionsitisehen Instanzen und Forderungen Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit bedeuten. Uns allen schwebt doch ein Ideal vor: Palästina, Erez Israel! Wir müssen gemeinsam die Wirklichkeit gestalten! L—. Ein Michtzionist über den Aufbau Palästinas Herr Justizrat Moritz Marxheimer aus Wiesbaden, der Präsident der Nassau-Loge, ist vor kurzem von einer Palästinareise zurückgekehrt. Da es uns wichtig erschienen ist, das Urteil eines angesehenen deutschen NiChtzioniisten über die heutige Lage in Palästina zu hören, haben wir die Anwesenheit des Herrn Justizrats Marxheimer bei der preußischen: Gemeindetagung in Berlin benutzt um» ihm einige Fragen vorzulegen und ihn um Wiedergabe seiner Eindrücke zu bitten. Herr Justizrat Mairxheimer ist dieser Bitte in freundlichster Weise nachgekommen.

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