Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 28 (14.7.1922)
- Date
- 1922-07-14
- Page
- Seite 361 (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 28 Das .Jüdische Echo 361 Unzweifelhaft hat die außerordentliche Kraftentfaltung: der Iren viel dazu beigetragen. England zu dem Ausgleichsantrag zu bewegen. Aber darin lag nicht die Entscheidung. Die enormen Machtmittel des britischen Reiches sind i'm Verlauf des Krieges zur Genüge sichtbar geworden und man darf wohl sagen, daß physische Gewalt allein keinen Sieg über England gewinnen kann. Irland hat wiederum bewiesen, daß die Feder mächtiger als das Schwert ist, und diie öffentliche Meinung hat viel mehr zur Erlangung der irischen Freiheit beigetragen als die irisch-republikanische Armee. Hieraus können die wütenden antizionistischen und antibritischen Agitatoren eine Moral ziehen. Die Anwendung von Gewalt ist keineswegs geeignet, die Ungerechtigkeit irgend einer Forderung zu sanktionieren. England hat sich dafür verbürgt, daß den gegenwärtigen Bewohnern Palästinas bei der Durchführung der Balfour-Deklaration keine Ungerechtigkeit widerfahre, und die Antiziionisten täten gut daran, wenn sie ihre Forderungen auf die Einhaltung dieser Sicherung beschränkten. Unter solchen Voraussetzungen kann ein friedliches Zusammenarbeiten zwischen ihnen und den Juden gemäß der feierlichen Erklärung des Karlsbader Kongresses leicht erzielt werden. Die Verhandlungen im irischen Landtag, die mit dem dramatischen Exodus die Valeras und seiner 50 Anhänger endeten, ergeben eine weitere nützliche Lehre. Viele Irland-Freunde empfinden es als eine arge Enttäuschung, daß es im diesem historischen Moment keine einheitliche Front zeigte. Eine Erklärung ergibt sich aber aus einem Vergleich des Sturzes de Valeras mit dem noch dramatischeren Zusammenbruch des Präsidenten Wilson. In beiden Fällen waren die vertretenen Prinzipien und Lehren höchst vortrefflich und unantastbar, aber nicht praktisch durchführbar. Beide Männer vertraten Ideen, die sich erst im Laufe der Zeit verwirklichen'können;. Später einmal werden die Historiker Wilsons ungeheure Bedeutung dafür, daß die Welt für den Friedensgedanken überhaupt empfänglich.wurde,-ins rechte Licht rücken. Ohne dieses Zwischenstadium würde der Krieg vielleicht noch heute wüten und dile Menschheit nach Atem ringen. Die Anwendung seiner Prinzipien aber auf die komplizierten Probleme Europas und Asiens bedurfte einer Kraft, die weniger extrem, weniger doktrinär — weniger prophetisch, dürfte man wehl sagen — war als Präsident Wilson. In Irland erwies sich in dem Augenblick der praktischen Notwendigkeit die olympische Abgeschlossenheit de Valeras als ein Hindernis, und es gereicht dein gesunden Verstände des irischen Volkes zur Ehre, daß es — wenn auch mit einer sehr geringen Majorität — Führer erwählt hat, die sich für die bevorstehende Arbeit besser eignen. Die Anwendung dieses Beispiels auf die zionistische Bewegung ist ziemlich naheliegend. Es hat Leute gegeben, die die Erziehung des jüdischen Volkes zum nationalen Bewußtsein für überflüssig, ja sogar für schädlich hielten. Sie verwarfen die erzieherische Arbeit, die sie als Golus-Nationalismus bezeichneten, als ob die geistige Knechtschaft, der die Juden im Verlauf von zwanzig Jahrhunderten verfallen waren, durch die Balfour-Deklaratiom in einem einzigen Tage abgeschüttelt werden könne. Diesen Zustand haben wir aber leider noch nicht erreicht. Es ist der Enthusiasmus der Juden für Palästina-Probleme und Palästinas Bedeutung für die Zukunft des jüdischen Volkes nicht so tief, wie er sein sollte. Es steht uns eine lange Zeit der nationalpolitischen Erziehung und des Kampfes bevor, ehe der nötige Grad des Verständnisses erreicht sein wird. In dem, Maße nun, als die britische Verwaltung in Palästina, die mit der Durchführung des Mandats betraut worden ist, den Zionismus aus dem Stadium der Forderung in die Wirklichkeit verwandelt hat, ist auch das Bedürfnis nach tatkräftigen des praktischen Wirtschaftslebens fühlbarer geworden. Dieses Bedürfnis wird allgemein empfunden, und langsam aber sicher wird man auch den richtigen Mann finden. Wie in allen Dingen, so ist auch hier der goldene Mittelweg der richtige. Es muß eine Synthese geschaffen werden, um die äußerst schwierige Doppelaufgabe, der Vorbereitung des jüdischen Volkes für Palästina, und Palästinas für das jüdische Volk, durchzuführen. Gemeindenu.Vereins-Echo Gesamtausschuß der Ostjuden. Spenden und Gratulationen mögen wöchentlich bis spätestens Dienstag nachmittags . schriftlich,. Reichenbachstr. 27, oder telephonisch, Nr. 28080, ■ aufgegeben werden, damit diese noch zum Ausweise kommen können. Spendenausweis Münchner Spendenausweis Nationalfonds: Gustel Feuchtwanger grat. Anny Kober nachträglich zur Vermählung 10.—, Jakob Blum desgl. 10.—. Gold. Buch Frau Ester Rieser: Kurt Bensinger grat. Dr. Gutmann zur Verlobung 10.—. B 1 a u - W e i ß München: Justin und Kläre Lichtenaiier grat. zur Verlobung Friedei Krell 20.—, Kathrin Riieser grat. Dora Fraenkel z. best. Examen 10.—, Anny Blum desgl. 10.—, K. R. dankt Familie Ullmann-Nürnberg 250.—. Münchner Ölbaum-Hain: Geschwister Gellermann an!, der Silberhochzeit ihrer Eltern und Barmizwah ihres Bruders Josef 2 B. 100.—. Aus dem Münchner Spendenbuch Gold. Buch Frau Ester Rieser: Sidney Rieser anl. der Verlob, seiner Schwester Kathrin mit seinem lieben Freund Dr. M. J. Gutmann 100.—. Jüd. Arbeitsgemeinschaft. Nächster Abend) Sonntag, 16. Juli, präzis 8 Uhr Peterhof, Marienplatz. Gesamtausschuß der Ostjuden. Bei der Hochzeit Myschliborsky-Lindheimer gesammelt 1500.—. Bei Verlob. Notowicz-Zoller wurden gesammelt durch J. Rosner 500.—. bei Vermähl. Koch-Bekes für versteigertes Benschen 600.—, Familie Koronczyk grat. zur Vermählung Myschliborsky-Lindheimer und Koch-Bekes 20.—, Familie Hojda grat. zur Vermählung Bekes-Kodh 10.—, bei Vermählg. Koch-Bekes versteigertes Benschen für Talmud Thora 400.—, für Bikur Cholim 300.—, für Frauenverein 300.—. r "> FRIEDL KRELL Dr. med. FRITZ HftPP Verlobte MÜNCHEN FREIENWÄLDE a.d. Oder Juli 1922