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Das jüdische Echo · 1922-06-02 · 22 (2.6.1922) · p. Seite 284

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
22 (2.6.1922)
Date
1922-06-02
Page
Seite 284 (sequence 8)
Language
German
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284 Das Jüdische Echo Nr. 22 Obwohl derselbe das Verhalten des p. Stöcker in einem milderen Uchte Klaubt beurteilen zu können als wir darzulegen die Ehre gehabt haben, so hält auch er ein Einschreiten für geboten, spricht sich indessen gegen die Einleitung des Disziplinarverfahrens aus. Er ist vielmehr der Meinung, daß auch in Rücksicht auf die Persönlichkeit des Stöcker nichts von gleich heilsamer Wirkung sein werde, als eine ihm von allerhöchster Stelle erteilte Mahnung. Dieser letzteren Auffassung vermögen wir uns nur alleruntertänigst anzuschließen. Sollte diese Mahnung nicht den ausreichenden Erfolg haben, so würde eine später einzuleitende Disziplinär Untersuchung auch die bisherigen Vorgänge noch in Betracht ziehen können. Im Interesse des Hofpredigers Stöcker selbst und um wenn möglich. weiterem Vorschreiten desselben auf der verhängnisvollen Bahn, die er betreten, vorzubeugen, müssen wir aber auf die Erteilung einer ernsten Mahnung an den p. Stöcker um so entscheidenderes Gewicht legen, als als die letzten Versammlungen, die die christlichsoziale Arbeiterpartei hier gehalten hat gegenüber einer ruhigeren Haltung im Laufe des Sommers wiederum den Charakter erregter Leidenschaftlichkeit und tumultarischer Bewegung gezeigt haben. (Hier folgt ein Hinweis auf Versammlungen, an denen Stöcker nicht beteiligt war.) Eure Kaiserliche und Königliche Majestät bitten wir hiernach alleruntertänigst dem Hof- und Domprediger Stöcker im Sinne unseres eh rfurchtsvollen Berichts die Allierhöchste Mißbilligung der in seiner bisherigen Tätigkeit nach Form und Maß vorgekommenen Ausschreitungen und eine ernste Mahnung vor Erregung und Ärgernis und Zwietracht erteilen lassen zu wollen. v. Bismark. v. Puttkammer. Die Stellung Bismarcks, auf den sich die Antisemiten so gern berufen, zum Radauantisemitismus kommt in diesem Briefe freilich deutlich genug zum Ausdruck. Gemeindenu.Vereins-kho München. Vor wenigen Wochen beging die München-Loge im U.O.B.B. das 25. Stiftungsfest, welches von Logenmitgliedern von Nah und Fern sehr gut besucht war. Die Festrede wurde von Herrn Kommerzienrat Sigmund Fraenkel gehalten und hatte als Motto: „Neue Wege und Ziele unserer Lagenarbeit.“ An der Hand von Beer - Hofmanns Drama „Jaakobs Traum“ (dem sich, wie Redner treffend bemerkte, bis heute die Bühne des hiesigen Nationaltheaters noch nicht erschlossen hat) entwickelte der Redner den Festgruß, welcher so richtig als Führer und Wegweiser dienen kann. In formvollendeter Weise führte er die einzelnen Phasen des Dramas den Anwesenden zu Gehör, um die Nutzanwendungen für neue Wege und Ziele der Logenarbeit daraus zu ziehen. Ganz besonders mahnt der Redner seine Zuhörer, den sozialen Pflichten gerecht zu werden und empfahl im Anschluß hieran die Errichtung eines Erholungsheims für jüdische Frauen und Mädchen in Reichenhall. Es würde uns zu weit führen, auf den ganzen Inhalt der Rede näher einzugehen und möchten wir nur zwei Gedanken des Redners näher ausführen. Er sagt an einer Stelle: „Wenn in Beer- Hofmanns Dichtung Edoms fremde Frauen, Basmath, des Fürsten von Chitti, und Oholibamah, des Fürsten von Chori Tochter, ihre Schwiegermutter Rebeka ob ihrer bürgerlichen Herkunft, und Jizchaks Haus ob seiner Zugehörigkeit zu einem Hirtenvolke verspotten und schmähen, dann erwidert Rebeka mit edler Geste: ,Dem Sohn Abraham’s gab ich mich zu eigen, AbrahanVs, der — mit Fürsten einst im Bunde — Vier Ostlandskönige zu Lajisch schlug, Bei dem. im Hain von Mamres Terebinten, Mit seinen Engeln — Gott zu Gaste saß!“' Wahrlich, wenn bei unserem heutilgen Feste der Genius unseres Ordens mit seinen Engeln, dem Wohltun, der Bruderliebe und der Eintracht zu Gaste weilen, dann sollten diese Gäste und vor allem die Gastgeschenke, die sie uns hinterlassen, wenn morgen unser Fest verrauscht und verklungen ist — sie sollten uns vor Augen führen, daß wir keinem Fürsten von Chitti nachzulaufen, daß wilr uns keinem Fürsten von Chori aufzudrängen bräuchten, daß wir keine W e ilitt a c h t s -, Sylvester- und Faschingsfeste in fashionablen Gebirgssporthotels mitzufeiern nötig hätten, wenn uns Chanuka- oder Purim-Feiern und vor allem die früher mit solcher Begeisterung von uns begrüßten, alljährlich von neuem bei uns einkehrendfen Stiftungsfeste zu jüdischer Geselligkeit zusammenführen könnten.“ An einer anderen Stelle mahnt er zu sozialen Betätigungen. Er sagt hier: „Als dem Stammvater, dessen Jugendzeit unsere Dichtung besingt, an seinem Lebensabend von seinen aus Ägypten zurückkehrenden Söhnen die Freudenbotschaft zukommt, daß sein längst totgeglaubter Lieblingssohn Josef dort noch am Leben sei. und er in der ersten Überraschung eine Täuschung befürchtet, da bezeichnen ihm Josefs Brüder in dessen Aufträge als untrügliches Erkennungszeichen jenen Abschnitt der heiligen Schrift, den Vater und Sohn vor mehr als 50 Jahren an jenem Tage zusammen lernten, an dem ein grausames Schicksal sie für so lange Zeit auseinander gerissen hatte. Und wissen Sie, wovon jener Abschnitt der heiligen Schrift handelt? Er spricht von den sozialen Pflichten, die jedwedem jüdischen Gemeinwesen obliegen, er spricht von der Blutschuld, die eine jüdische Gemeinde auf sich ladet, wenn sie nicht die Zugangsstraßen zu ihr freigibt und von Hinder- KRELL-UCKO DAS HAU S|%TO&hirV%l%^PTHEATINERSTR 16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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