Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 21 (26.5.1922)
- Date
- 1922-05-26
- Page
- Seite 272 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Das Jüdische Echo Nr. 21 Ein solcher ist der Däne Henrik Pontoppiden, zugleich die kaltblütige Neugier, ja Schadenfreude, dessen itn letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts mit der diese Heimatlosen angestarrt, o"der wie geschriebener Roman „Hans im Glücke“ mir zu- Pestkranke gemieden wurden. Die dabei stehenfällig in die Hände fiel. Er gibt ein Bild der Zeit, den breitschulterigen Polizeileutnants mit ihren in der Dänemark begann, unter dem alles beherrkalten, übermütigen Gesichtern erschienen ihr wie sehenden Einfluß eines hervorragenden jüdischen die Verkörperung des heuchlerischen christlichen Kritikers, im europäischen Geistes- und Wirt- Staats. Dieser Menschheitstyp erregte ihren schaftsleben sich eine~ Platz zu erobern. Da nun Widerwillen, wo sie ihn antraf. Und, vielleicht ein redlicher Mensch, ein scharfer Beobachter zu nur nach Roman-Psychologie, gerade einem soluns spricht, ist in der lokalen und Zeitschilderung chen Manne, unserem Hans, gelingt es, ihre Liebe genug allgemein menschliches enthalten, um seinen zu erwerben. Wie diese beiden so von Grund Roman auch noch heut sogar zweimal lesenswert aus verschiedenen Menschen sich nähern und wiezu machen. der voneinander entfernen, ist fein und poetisch Das oben gekennzeichnete Schema ist beibedargestellt. Er verläßt die Frau, die sich ihm mit halten; aber das Streben, die Menschen und Verreinster, aufopferungsvoller Liebe gegeben hat, und hältnisse zu sehen und zu schildern, wie sie wirkwendet sich zur angestammten Religion und — lieh sind, läßt ein ganz anderes Bild entstehen, zur blonden Pfarrerstochter. Aber auch dies ist Der arme Sohn eines pietistischen Pfarrhauses, nur eine Station auf seinem Entwicklungswege, der schon als Kind sich aus der dumpfen Enge der ihn in die Einsamkeit, in den Glauben an die seines Vaterhauses herausgesehnt hat, der durch Weisheit und Barmherzigkeit der Natur führt, sein geniales Ingenieurtalent die Welt umgestalten In der Geschichte dieses Nordländers ist die und erobern will, geht in das Haus des jüdischen Berührung mit den jüdischen Kreisen nur ein Großkaufmanns, um mit einer der Töchter die Mil- Durchgangspunkt. Mir will es scheinen, daß dies lionen und die Stellung zu erobern, die er zur der bestgelungenste Teil des Buches ist. Neben Durchsetzung seiner Pläne braucht. Es kommt dem Haus des Großkaufmanns, neben dem genialen nun etwas anders. Die Stimmung in dieser Familie, Kritiker und geistigen Führer steht der gefürchdas warme, fast kameradschaftliche Verhältnis tete, den Geldmarkt beherrschende Unternehmer zwischen Eltern und Kindern, das in so scharfem und Gründer, der Sohn eines Trödeljuden, Rechts- Gegensatz zu seinen Kindheitseriunerungen steht, anwalt geworden, weil man ihm, dem hochbeübt eine mächtige Anziehungskraft auf ihn aus, gabten Juristen, jede Richterstellung verweigert läßt ihn zuweilen seinen Plan vergessen, zuweilen hat, steht der jüdische, bescheiden sich zurücksich dessen schämen. Und nun fängt die Geistigziehende Gelehrte, von einer seltenen Uneigenkeit der ältesten- Tochter an, auf ihn zu wirken, nützigkeit. einer Selbstlosigkeit von eigener erzuerst indem sie seine wissenschaftliche und kulhabener Art, wie man sie namentlich bei Juden turelle Bildung fördert, bis es dann seinen Ehrgeiz antrifft. — Neben der ganz geistigen, später soziaerregt, die allgemein Anerkannte zu gewinnen, lern Wirken hingegebenen Jakobe steht ihre schöne, Diese Jakobe ist, neben dem Helden, dem „Hans gütige Mutter, die ihr gesundes Gleichgewicht nie im Glück“, die lebendigste Gestalt des Buches, verliert und für die Vorurteile der Gebildeten, die mit liebevoller Beobachtung in ihrer ganzen Ent- Roheit des Pöbels nur ein stolzes, nachsichtiges Wicklung durchgeführt. Schon das sensitive Kind Lächeln hat. Steht aber auch eine berückend begann an seiner Zugehörigkeit zum jüdischen schöne Schwester, kokett bis zur Dirnenhaftigkeit. Volke zu leiden, auf der Straße und in der Schule. Diese Juden haben nichts traditionell jüdisches Einen ganz entscheidenden Einfluß auf ihre Entan sich. Von dem Gründer wird nebenbei erwähnt, Wicklung, ihre Art zu denken und zu fühlen, hatte daß er eine Anzahl jüdischer Familien aushält, und ein kurzer Aufenthalt auf einem Berliner Bahnhof, von Aron Israel, dem edlen Gelehrten, ist zu verwo sie einen der vielen Züge vertriebener russimuten, daß er seine Weisheit aus der Religion scher Juden traf, die über Deutschland nach Ameseiner Väter geschöpft hat, und wohl auch sein rika geführt wurden; sie hatte davon gelesen, aber äußeres Leben nach ihren Vorschriften regelt, sich darüber hinweggebracht durch die Reflexion, Dies sind aber nur nebensächliche Züge. Für ihre daß eine solche Unmenschlichkeit, an einem flei- Umwelt repräsentieren sie den modernen Geist, ßigen und friedlichen Volke begangen, in unserer das Europäertum gegenüber der dumpfen Klein- Zeit eine Unmöglichkeit wäre. Nun sah sie mit Staatlichkeit und Kleinstädtlichkeit. Vielleicht Augen, was sie nicht hatte glauben wollen, sah könnte man mit modernem Schlagwort sagen, den "RiuThallmcuer München ThßoünevÜrAS. CfixrmsllanjQ.