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Das jüdische Echo · 1922-05-19 · 20 (19.5.1922) · p. Seite 258

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
20 (19.5.1922)
Date
1922-05-19
Page
Seite 258 (sequence 10)
Language
German
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258 Das Jüdische Echo Nr. 20 tretenen Landesteilen dienen und die einzige Sicherheit für diese bieten. So setzt sieh der antisemitische Verlag für polnische Gewaltbestrebungen ein, die sich in erster Linie gerade gegen das Deutschtum richten würden. Antisemitische Praktiken der preußischen Justiz Berlin (J. C. B.) Im Hauptausschuß des preußischen Landtages wurde in den letzten Tagen der Justizetat in Behandlung gezogen. In der aus diesem Anlaß stattgefundenen Debatte übten demokratische und sozialistische Abgeordnete scharfe Kritik an der Rechtspflege in Preußen und führten zahlreiche Fälle an, wo Ausschreitungen gegen Juden nicht geahndet wurden. Es wurden unter anderem die Fälle zur Sprache gebracht, wo eine Bande, die vor einem jüdischen Friedhof ausgespuckt hat, straffrei ausging, und daß ferner die Staatsanwaltschaft in Glatz die Verfolgung einer Bande abgelehnt hat, die ein Lied mit dem Kehrreim „Schlagt die Judenbande tot“ öffentlich gesungen hat. Auf eine von jüdischer Seite eingebrachte Anzeige gegen die „Aryser Zeitung“, die fortwährend die dort wohnenden Juden als Wucherer und revolutionäre Demagogen beschimpft, lehnte der Staatsanwalt ein Einschreiten ab. Der Vertreter des preußischen Justizministers gab zu, daß viele dieser Fälle dem Ministerium bekannt sind und mißbilligt werden. Jüdische Kunst auf der Kunstausstellung in Düsseldorf Berlin. (J.C.B.) Die Veranstalter der „Internationalen Kunstausstellung“ in Düsseldorf, die in der Zeit vom 28. Mai bis 3. Juli stattfindet, haben, wie •wir erfahren, an mehrere namhafte jüdische Künstler in verschiedenen Ländern die Bitte gerichtet. ihre Werke der Ausstellung zur Verfügung zu stellen, wo sie in einer besonderen jüdischen Abteilung vereinigt sein werden. In einigen großen Kunstzentren, so vor allem in London, findet in jüdischen Künstlerkreisen der Gedanke Sympathie, daß durch Vereinigung von Werken jüdischer Künstler in eine eigene Abteilung ein Überblick über jüdisches Kunstschaffen geboten wird. Diese Künstlerkreise sind entschlossen, ihre Werke nicht in der allgemeinen, sondern in der besonderen jüdischen Abteilung auszustellen. Polen Exzesse gegen Juden Warschau. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung“.) Im Sekretariat des Sejmklubs des Jüdischen Nationalrates langen täglich neue beunruhigende Meldungen über unausgesetzte, auf Juden verübte Exzesse im Lande ein. Gleich nach der ersten Meldung wandte sich das Sekretariat an das Kriegsministerium mit der Forderung, diesen Willkürakten endlich einmal energisch ein Ende zu setzen. Der Präsidialchef des Kriegsministeriums, Hauptmann Spakowski, gab die Versicherung, daß er unverzüglich die erforderlichen Befehle wegen Abstellung der Ausschreitungen von Militärpersonen gegen die Juden erlassen werde. Trotzdem dauern die judenfeindlichen Ausschreitungen immer fort, wodurch sich der jüdischen Bevölkerung große Unruhe bemächtigte. Der polnische Ministerpräsident über die Juden Wilnas Wilna. (J.C.B.) Während seines letzten Aufenthaltes in Wilna äußerte sich der polnische Premierminister Professor Ponikowski über das Verhältnis der polnischen Regierung zu den Juden Wilnas u. a. wie folgt: Die seitens der polnischen Regierung mit den Vertretern der Wilnaer Judenschaft gepflogenen Verhandlungen (sie wurden Anfang Januar mit Dr. Wsigodsky, Dr. Schabad und Rabbiner Rubinstein geführt) waren keine Diskussionen mit polnischen Bürgern, sondern mit Bürgern eines anderen Landes: Mittel-Litauens. Diese Diskussionen haben jetzt keinen bindenden Wert mehr. Polen besitzt eine liberale Verfassung und in seinem neuen Gebiet (Wilna) wird sich alles dieser Verfassung anpassen. Der neue Gouverneur Wilnas, M. Roman, wird1 von der ganzen Bevölkerung, die Juden einbegriffen, sehr geschätzt. Er wird es verstehen, sich mit den Juden in Verbindung zu setzen. Die Juden ihrerseits aber müssen Polen gegenüber Loyalität beweisen. Auf die Frage des Zeitungsvertreters, ob der Ministerpräsident an der Loyalität der Juden etwas auszusetzen habe, erwiderte Professor Ponikowski: „Nein, ich habe hier nur eine allgemeine Bemerkung gemacht.“ Ein polnischer Orden für Professor Aschkenasi Warschau. (J.C.B.) Wie wir erfahren, soll dem Vertreter Polens im Völkerbund, Professor Simon Aschkenasi der höchste polnische Orden „Polonia restituta“ verliehen werden und zwar in Anerkennung seiner Verdienste um den polnischen Staat in dem Verhandlungen über Oberschlesien und Wilna. Die rechtsstehenden Parteien und die reaktionären Preßorgane, die schon lange den Rücktritt Professor Aschkenasis fordern, zeigen sich über die bevorstehende große Ehrung des polnischen Völkerbundvertreters sehr aufgebracht. Litauen Konflikte im litauischen Sejm Um die Rechte der nationalen Minderheiten Aus Kowno wird uns gemeldet: Der litauische Sejm lehnte in der zweiten Lesung des Verfassungsentwurfes die §§80 und 83 ab, die die Einrichtung von Ministerien für nationale Minderheiten und die Anerkennung der Minoritätensprachen betreffen. Zum Zeichen des Protestes verließen die jüdischen Deputierten den Sitzungssaal. Da die Ablehnung der beiden Paragraphen sich im schroffen Widerspruch mit den den Juden in der „Pariser Deklaration“ zugesicherten Rechten befindet, hat der Minister für jüdische Angelegenheiten, Dr. Soloweitschik, sofort seine Demission eingereicht. Sein Entschluß wurde von der Repräsentanz der litauischen Judenheit gutgeheißen. Diese Vorgänge im litauischen Sejm haben bereits außenpolitische Wirkungen gezeigt. Die amerikanischen Juden, die sich in den letzten Monaten mit starkem Eifer für die de jure Anerkennung Litauens durch Amerika betätigt haben, beginnen jetzt an der litauischen Aufrichtigkeit gegenüber den nationalen Minderheiten zu zweifeln. Bemerkenswert ist ferner, daß auf der letzten Tagung der Spitzenorganisation der englischen Juden (Board of Deputies) von hervorragender Seite erklärt wurde, daß Litauen im Falle einer Nichterfüllung seiner Versprechungen zum Austritt aus dem Völkerbund gezwungen wäre. Sowjetrußland Die Verfolgung der hebräischen Sprache in Sowjetrußland Das Organ der jüdischen Kommunisten in Moskau „Emes“ enthält in seiner Nummer v. 12. April den Bericht über eine vor kurzem in Kamenetz- Podolsk stattgefundene Strafverhandlung gegen eine Gruppe jüdischer Lehrer, welche beschuldigt waren, auf illegalem Wege hebräische Sprachkurse ab gehalten und ihren Schülern religiösen Unterricht erteilt zu haben. Diese Kurse waren organisiert, indem regelrechter Journaldienst und Kataloge geführt wurden. Der Belastungszeuge Landau betonte in seiner Aussage, daß die hebräi-

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