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Das jüdische Echo · 1922-05-12 · 19 (12.5.1922) · p. Seite 245

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
19 (12.5.1922)
Date
1922-05-12
Page
Seite 245 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 245 derwertigkeit der jüdischen Schichten, die nach Amerika auswandern wollen, operiert wird, schreibt der bekannte amerikanische Arzt Dr. John Censtas. der im Aufträge der amerikanischen Regierung die Lage der europäischen Emigrationsländer untersucht hat, in seinem offiziellen Bericht an die Regierung wie folgt: „In Deutschland machte auf mich einen besonderen Eindruck der lebhafte Wunsch vieler junger Männer, nach Amerika auszuwandern. Der größte Teil derselben stellt einen sehr guten Typ dar, insbesondere gilt das von den dort wohnenden deutschen und russischen Juden, von denen angenommen wrerden muß, daß sie eine Bereicherung für das Land bedeuten würden. Ein Buch der amerikanischen Regierung über Palästina Washington. Wie das J.C.B. erfährt, bereitet das Handelsministerium der Vereinigten Staaten für die nächste Zeit die Herausgabe eines hundertseitigen Berichtes des Konsuls in Jerusalem, Herrn Edison M. Southard, über die ökonomische Lage und die ökonomischen Möglichkeiten Palästinas in Buchform vor. Italien Die jüdischen Pogromschäden vor der Genua- Konferenz. Das Memorandum der russischen Delegation Genua. (J.C.B.) Der Sonderberichterstatter des J.C.B. in Genua erfährt aus zuverlässiger Quelle manche interessante Daten aus dem Memorandum der russischen Delegation an die Konferenz, welches sich mit den infolge der zahlreichen konterrevolutionären militärischen Interventionen entstandenen Schäden, besonders der jüdischen Pogromschäden, befaßt. Wie bekannt, verlangt die russische Regierung von den Ententemächten die Wiedergutmachung dieser Schäden. Der dem Memorandum angeschlossene Bericht gibt die folgende Schilderung der Pogrome in Südrußland. „Im Gouvernement Kiew sind in 300 Städten, Städtchen und Dörfern Pogrome vorgekommen. Die unmittelbaren Opfer der Pogrome betragen 200 000 Menschen, meist alte AAänner, Frauen und Kinder. In einigen Städten kamen bis zu 20 Pogrome vor, in keinem dieser Orte weniger als 3. Die Gesamtziffer der Pogromopfer erreicht eine Höhe von über 1000. ln zahlreichen Orten wurden ausnahmslos alle Frauen geschändet. Tausende von Juden wurden lebendig begraben, viele dem Flammentod überliefert. Man fand Leichen, denen Köpfe, Hände und Füße abgeschinitten waren. Zahlreiche Städte sind gänzlich von der Erdoberfläche verschwunden. Es existieren 30—40 000 Kinder, die Vater und Mutter in den Pogromen verloren haben. Die Anzahl derjenigen Kinder, die nur halb verwaist blieben, ist beträchtlich größer. Weit zahlreicher als die unmittelbaren Pogromopfer sind diejenigen Todesopfer, die eine Folge der in den unhygienisclien Flüchtlingslagern ausgebrochnenen Epidemien waren. Die Grausamkeiten und Scheußlichkeiten der verschiedenen konterrevolutionären Armeen sind der Reihe nach katalogisiert worden und für jede Armee ist eine genaue Ausrechnung der Opfer erfolgt, die auf das Konto ihrer Tätigkeit fallen. Sogar für jeden einzelnen Kommandanten der Armeeabteilungen Denikins. Wrangels und Petljuras sind spezielle Konten ihrer Verbrechen ausgestellt. Die grauenvollste Rechnung fällt zu Lasten der Armee Petljuras. die besonders in Wolhynien furchtbar gewütet hat. Die Petljurabanden haben laut den Ziffern der russischen Delegation während ihrer ersten Pogrome im Kreise Proskurow 15 000 Personen ermordet und viele außerdem gefoltert. In der Stadt Proskurow allein wurden 4000 Juden von Pogrombanden ermordet. Insgesamt erreicht die Zahl der im Gouvernement Wolhynien getöteten Juden die unglaubliche Ziffer von 500 000. Zwischen 300—400 000 Pogromflüchtlinge sind den Cholera- und Typhusepidemien erlegen.“ Rußland „Iswestia“ über die Ritualmordlegende in Moskau Moskau. (J.C.B.) Die hiesige „Iswestia“ schreibt in einem Leitartikel über die unlängst in Moskau vorgekommene Ritualmordihetze u. a, folgendes: „Eine starke Schicht religiöser Finsternis ist auch jetzt noch in unserem Lande verblieben. Es ist unmöglich, in bloß 4 Jahren alle Schlechtigkeiten in der historischen Volksnatur auszumerzen. Aber daß es möglich wurde, daß gerade in dem Herzpunkt der sozialistischen Sowjetrepublik, in dem roten Moskau selbst, sich eine verwirrte Menschenmasse auf Grund eines Gerüchtes über einen angeblich verübten Ritualmord zusammengerottet hat. ist eine skandalöse Tatsache.“ Die „Iswestia“ bringt die Wiederkehr der Blutverdächtigungen mit der Requisition der Kirchen- und Synagogenschätze seitens der Sowjetrepublik in Zusammenhang und schiebt der Geistlichkeit und den Konterrevolutionären die Schuld zu. Sie protestiert auch gegen die Befreiung der Anführer der Masse auf Grund ihrer angeblichen Unwissenheit und fordert die Regierung auf, die verantwortlichen Urheber ausfindig zu machen zu bestrafen. Dubnow kommt nach Berlin Riga. (J.C.B.) Der bekannte jüdische Historiker Simon Dubnow' ist am vergangenen Freitag hier eingetroffen. Dem Berichterstatter des J.C.B. gegenüber erklärte Dubnow, er reise nach Kowno, wo er zum Professor der jüdischen Geschichte an der litauischen staatlichen Universität ernannt sei. Demnächst reist er na‘ch Berlin, um die Herausgabe einer neu redigierten, bis zuin Jahre 1914 erweiterten zteihnbändigen jüdischen Geschichte, zu beaufsichtigen. Im Verlaufe des Gespräches äußerte sich Simon Dubnow: „Nicht Hunger oder Kälte, sondern meine Isolierung vom jüdischen Volk haben mich gezwungen, Rußland zu verlassen. Die Zukunfts- Perspektiven des russischen Judentums sind traurig.“ DAS HAUS KRELI-IKKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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