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Das jüdische Echo · 1922-05-05 · 18 (5.5.1922) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
18 (5.5.1922)
Date
1922-05-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 18_ 5. Mal 1922 9. Jahrgang Die Süddeutsche Keren Hajessod-Konferenz In Nürnberg (Vorläufiger Bericht.) Am Sonntag, den 30. April fand im großen Saal des Luitpoldhauses die Keren Hajessod- Konferenz statt, die ja auch in unserm Blatte angezeigt war. Aus Berlin waren die Herren Direktor Oskar Wassermann und Kurt Blumenfeld erschienen. Aus etwa 30 bayerischen Gemeinden waren führende Persönlichkeiten, zumeist die Vorsitzenden, anwesend. Vor Eintritt in die Verhandlungen wurden auf Vorschlag des Herrn Dr. Nußbaum-Nürnberg in das Büro der Keren Hajessod- Konferenz die Herren Direktor Ferdinand Kohn-Nürnberg, Geh. Justizrat Werner-Bamberg, Justizrat Epstein-Augsburg, Rabbiner Dr. Baerwald-München und Bankdirektor Fließ-Würzburg gewählt. Nachdem Herr Dr. Freudenthal, der Nürnberger Rabbiner, mit warmen Worten die Versammlung begrüßt hatte und für den Keren Hajessod und den Aufbau Palästinas eingetreten war, nahm Herr Direktor Wassermann das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er vom Standpunkt des Nichtzionisten aus auf die Notwendigkeit der Aktion hinwies und ihre Förderung von allen Juden, die diesen Namen verdienen, verlangt. Herr Blumenfeld sprach eingehend über wesentliche Fragen des Aufbaus und der Stellungnahme der Juden zu ihm. Seine Rede war eine bündige Antwort und eine überzeugende Widerlegung der Einwände, die am häufigsten von uninteressierten oder gegnerischen Kreisen gegen den Keren Hajessod erhoben werden. Nach den Referaten fand eine Diskussion statt, aus der hervorging, wie groß heute in aßen Kreisen das Interesse am Keren Hajessod ist. Die Herren Rabbiner Dr. Eckstein-Bamberg und Ludwig Rosenzweig-Nürnberg legten als Nichtzionisten dar, warum sie sich an der Keren Hajessod-Sache beteiligt hatten und warum sie die Beteiligung der deutschen Juden an dieser großen Sache für richtig und nötig hielten. Die Keren Hajessod-Konferenz hat sicherlich einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Sie hat den Keren Hajessod-Gedanken in Kreise getragen, denen er bisher ganz fern lag. Sie hat zweifellos Menschen, die bisher den Palästinaaufbau kaum zu fördern geneigt waren, überzeugt. Ihr ganzer Wert wird erst deutlich werden, wenn die Aktion jetzt im Lande überall mit großer Energie aufgenommen werden wird und wenn die dem Keren Hajessod gewonnenen Sympathien in Zeichnungen zum Ausdruck kommen werden. Nach der Konferenz fand im Hause des Herrn Direktor Ferdinand Kohn-Nürnberg ein Empfang statt, an dein eine große Anzahl führender Persönlichkeiten des bayerischen Judentums teilnahrnen. Hier war Gelegenheit gegeben, in persönlicher Aussprache sich über die Frage des Keren Hajessod und seine Organisation zu orientieren. Es zeigte sich, daß der Gedanke des Palästinaaufbaus einen Sieg errungen hat. Man verlangte Aufklärungen über Einzelheiten, erhob Einwände in dieser oder jener Frage, alle aber waren für die Aufnahme der Keren Hajessodarbeit im ganzen Lande. Eine große Anzahl von Vereinbarungen über die Keren Hajessodaktion in den verschiedensten Städten wurde getroffen, so daß wir bald1 erhebliche Resultate erwarten dürfen. Die sofort nach der Konferenz einsetzende Werbetätigkeit in Nürnberg zeitigte bisher schon recht gute Ergebnisse. Ein ausführlicher Bericht über die Keren Hajessod- Konferenz wird demnächst in unserem Blatte erscheinen. Tatsachen Von Vladimir Jabotinsky (Ziko.) Man hat sich schon daran gewöhnt, die Zionisten als schlechte Geschäftsmänner und schlechte Kolonisatoren darzustellen und zu behaupten, sie hätten es ih den vier Jahren seit der Eroberung Palästinas durch Allenby nicht vermocht, etwas Wertvolles innerhalb des Landes zu leisten. Manche der Kritiker fügen noch hinzu: „Nicht einmal Berichte über die Ausgaben sind je erstattet worden.“ Was die letzte Behauptung anbelangt, so gibt es ein blau-graues Buch, herausgegeben im Jahre 1921, unter dem Titel „Finanzieller Bericht der Zionistischen Kommission in Palästina für die Zeit vom 1. April 1918 bis 31. Mai 1921“. Dieser Bericht enthält 150 Seiten an Tabellen und Erläuterungen, aus denen genau hervorgeht, was mit jedem Penny, der durch die Hände der Zionistischen Kommission, vom ersten Tage ihrer Ankunft in Palästina bis zum Vorabend des letzten Kongresses, geschehen ist. Zurückblickend auf die Periode, für welche dieser Bericht gilt, muß ich zwar gestehen, daß die Resultate auch mich ziemlich unbefriedigt lassen. Gleichzeitig jedoch muß ich mir sowie meinen Mitkritikern die Frage stellen: „Könnt Ihr mir nur ein Land in der Welt nennen, dessen Volk mit den wirtschaftlichen Errungenschaften seiner Regierung für die Zeit von April 1918 bis Mai 1921 wirklich zufrieden ist?“ Ein solches Volk, glaube ich, existiert nicht. Wenn aber den verschiedenen Regierungen von der Presse oder dem Parlament ihres Landes der Vorwurf gemacht wird, daß sie der Aufgabe der wirtschaftlichen Rekonstruktion nicht gewachsen waren, so wird von den Regierungen gewöhnlich erwidert, daß eine Kritik, welche die objektiven Verhältnisse, unter denen während dieser drei Jahre gearbeitet werden mußte, außer Acht läßt, ungerecht ist. Wir Zionisten sind eher als irgend eine andere Finanzverwaltung der Welt berechtigt, uns dieser Argumentation zu bedienen: denn nicht wir haben die Verhältnisse geschaffen, unter denen wir in Palästina arbeiten müssen. Jeder Freund und jeder Gegner der Bewegung dürfte eine Klarstellung dieser Verhältnisse als nützlich und instruktiv begrüßen.

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