Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 13 (31.3.1922)
- Date
- 1922-03-31
- Page
- Seite 172 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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*72 Das Jüdische Echo Nr. 13 nen Einmütigkeit ihren Willen kundgegeben hat, sich zu einer Gesarntorganisation zusammenzuschließen, deren höchstes Ziel die Erhaltung des Judentums in seiner Lebensfülle sein sollte. Es war ein Erlebnis von unauslöschlicher Prägung, die 325 Vertreter von 669 Gemeinden und Gemeindeverbänden. die im einzelnen den verschiedensten Anschauungen huldigen mochten, einig zu sehen in der Begeisterung für die Schaffung eines Werkes, das seit Jahrzehnten ersehnt, oftmals versucht worden, aber bis dahin niemals gelungen war. Die Not der Zeit kam dem Verlangen zu Hilfe. Mehr oder weniger deutlich hatte wohl jeder das Gefühl, daß es Sein oder Nichtsein des deutschen Judentums gelte. Eben weil dieses Gefühl lebendig war, darum konnte das Werk, trotzdem im Augenblick nicht alle Wünsche durch die Verfassung befriedigt werden konnten, vollbracht werden. Eine Verfassung kann geändert, verbessert werden und darum war man bereit, der Größe des Ganzen Opfer zu bringen. Die Not der Zeit gestattete keinen Aufschub, denn die Erhaltung des Judentums ist wesentlich bedingt von der Erhaltung der kleinen und kleineren Gemeinden. Diese können aber nur durch die Gesamtheit erhalten werden. Dies schließt die Sorge für ein würdiges Lebensniveau der Rabbiner, Lehrer und Kantoren ein. „Ganz Israel“, sagt ein altes Wort unserer Weisen, „ist Bürge einer für den andern.“ Das bedeutet im tiefsten Grunde, daß jeder an seiner Stelle dafür zu sorgen habe, daß er auch Bürge sein könne für den andern. Das kann nur durch eine Gesamtorganisation geleistet werden. Ein Jahr ist seit jenem denkwürdigen Tage dahingegangen, und die Regierung hat leider, trotz aller Bemühung von unserer Seite, jede auftauchende Schwierigkeit zu beseitigen, noch nicht den Weg gefunden, die mit ganz überwältigender Mehrheit vom Gemeindetag angenommene Verfassung zu genehmigen und ihr Gesetzeskraft zu verleihen. Aber trotz der Verzögerung, die hierdurch das Inkraftreten der Gesamtorganisation erleidet, wird, so dürfen wir zuversichtlich hoffen, die Begeisterung für die Sache nichts von ihrer Wärme eingebüßt haben, denn die Überzeugung lebt sicherlich in uns allen fort, daß die Schöpfungen des Judentums auf religiösem, sozialem und wissenschaftlichem Gebiete nur durch die Gesamtheit erhalten, nur durch sie neue Schöpfungen Ins Leben gerufen werden können, nur durch die Gesamtorganisation der unerschöpfliche kulturelle Reichtum aus dem Schacht seines Schrifttums gehoben, nur durch sie ihm die Weltbedeutung gegeben werden kann, die die Propheten verheißen haben. Darum, selbst wenn der unwahrscheinliche Fall einträte, daß die Regierung die Verfassung nicht genehmigte, würde nicht ungeschehen werden, was am 23. Jan. 1921 geschehen ist, vielmehr würde es für uns nur der Ansporn zu größerer Kraftentfaltung sein, um die Ziele der Gesamtorganisation auf dem Wege voller Freiwilligkeit zu erreichen. Aber dieser Fail kann nicht eintreten. Denn die Regierung hat wiederholt ihre gute Absicht bekundet, Staatszuschüsse, die für die leistungsschwachen Gemeinden zu ver- De^fist ANTON KOBLER München, Baadersfr. 23/1 wenden wären, zu bewilligen, aber die Absicht nicht Verwirklicht, weil kein Organ in der Judenheit vorhanden sei. mit dem über die Angelegenheit verhandelt werden könnte, und sie hat selbst den Wunsch ausgesprochen, daß ein solches Organ geschaffen werde. Das hat eben der Gemeindetag an dem vorjährigen 23. Januar vollbracht, und die Nichtanerkennung dieser imposanten Willenskundgebung des ganz überwiegenden Teiles der deutschen Juden muß daher als ausgeschlossen gelten. So bleiben wir voller Zuversicht, daß bald der Schlußstein an das große Werk gelegt werden wird und hegen zugleich die Hoffnung, daß auch die kleine Gruppe, die noch abseits steht, unseres guten Willens gewiß, sich dem Ganzen anschließen wird, und in dieser Zuversicht begrüßt der Deutsch- Israelitische Gemeindebund seine Mitglieder zur Wiederkehr des Tages semer Umgestaltung in die Gesamtorganisation und möchte das Feuer der Begeisterung, wo cs etwa abgeschwächt sein sollte, von neuem anfachen, eingedenk des Spruches, daß nur Einigkeit uns stark machen kann zur Erfüllung der hohen Aufgaben, von der unsere Zukunft abhängt. Mit Bundesgruß Der Ausschuß des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes, gez. Prof. D r. S. K a 1 i s c h e r. Geschäftsführender Vorsitzender. Es wäre unseres Erachtens angebracht, der Öffentlichkeit mehr von den Schwierigkeiten, die seitens der Regierung vorliegen, mitzuteilen, als das in vorliegendem Communique geschieht. Es wäre Aufgabe der Jüdischen Volkspartei, dafür zu sorgen. — Die Jüdische Volkspartei in Bayern aber sollte immer wieder auf die Notwendigkeit hinweisen, ein dauerndes, festes Verhältnis zwischen dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden und dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, der Gesamtvertretung der deutschen Judenheit zu schaffen. Nur die Teilnahme Aller an dem großen Werk wird die vielen Hindernisse beseitigen und den Erfolg gewährleisten können. Semeinden-u.Verelns-Echo Die BriefmarkcnSamtnelstelle des Jüd. Natlonal- Fonds hat ihre Tätigkeit aufgenommen. Wir haben schon eine ganze Anzahl zum Teil sehr wertvoller Marken bekommen, ein großes Paket wird in den nächsten Tagen abgehen. Da wollen wir die Münchener Juden noch einmal daran erinnern, daß wir Marken für den JNF sammeln, denn es wird manchem möglich sein, uns bei genügender Mühe Marken zu verschaffen. Besonders bitten wir die Geschäfte und Büros, ausländische Marken in möglichst hoheT Anzahl abzuliefern. Die Jüd. Nationalfonds-Kommission München. Der Verband der jüdischen Jugendorganisationen Münchens gibt bekannt: Am Donnerstag, den 6. April müssen sämtliche Straßen-Sammellisten, Ausweiskarten und sonstiges Material zur Ukrainesammlung im Bibliotheksaal der Gemeinde zwischen 6 und 7 Uhr zurückgegeben werden. öhel Jakob Israel. Religionsgemeinschaft. In der letzten Vorstandssitzung des Vereins wurde an Stelle des langjährigen Kassiers, Herrn Jak. Fraenkel, welcher eine Wiederwahl ablehnte, Herr Bankier Arthur Wechsler als Kassier gewählt. Der Verein konnte am letzten Sabbath das dreißigjährige Bestehen seiner Synagoge feiern. Zu Ehren des Tages war am Freitag abend Fest-