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Das jüdische Echo · 1922-03-17 · 11 (17.3.1922) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
11 (17.3.1922)
Date
1922-03-17
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Kummer 11 17. März 1922 9. Jahrgang Purim „Alle Tage nüchtern, Purim trunken.“ Das jüdische Volk feiert das Purimfest als großen Tag in seiner Geschichte. Über Trinken, Tanzen und Jubeln vergißt es die großen und kleinen Sorgen, an denen auch heut kein Mangel ist. Haman hängt! Einmal hat doch den Verfolger das verdiente Schicksal getroffen: ln die Grube fiel er, die er uns gegraben hatte. — Aber während wir den Raben nachschauen, die in sattem Fluge um seinen Galgen schweben, ist manch moderner Haman an der Arbeit, um neue Gruben zu graben, in die er nicht stürzen wird, wohl aber wir. Die Purimgeschichte klingt wie ein beklemmendes Märchen mit fröhlichem Ausgang — schaurig schön. Da ist der König Ahasveros mit seinen hundertsiiebenundzwanzig Provinzen und seinen hundertsiebenundachtzigtägigen Festen. Da ist die stolze Vasthi, die vertrieben wird, weil sie den trunkenen Gesellen ihres Gatten ihre keusche Schönheit nicht zeigen will. Da ist der böse Haman, der Reichskanzler, der über die Juden düe Lose werfen läßt, um den Tag festzustellen, an dem er sie nach dem Willen der Götter vertilgen darf. — Der Herzschlag stockt, wenn man sich das grausige Bild vorstellt: Bärtige Magier auf dem Boden hockend, auf dem die Schicksalsstäbe liegen, den Schurken Haman mit verkniffenem Gesicht und gierigen Augen der Zeremonie folgend, die den 13. Ada,r als Termin des Pogroms ergibt.— Und schon erleben wir die Vorbereitungen schrecklichster Metzelei. Wir hören Hufschlag auf den persischen Reichsstraßen und wissen, daß jetzt die Eilboten fortgaloppieren, die das furchtbare Edikt allen Völkern des ungeheuren Reiches kundmachen und sie auffordern, die Juden zu töten und auszuraubein, alle —. „Junge und Alte, Weiber und Kinder.“ So klug ist dies vorbedacht, so raffiniert alles geregelt, daß nichts mehr das arme Volk retten kann — es sei denn das Wunder. Und das Wunder kommt und heißt — Esther. — Die Kinder, sie hören es gerne. Seitdem jubelt das jüdische Volk an dem Tage, der ihm vor Zeiten Rettung brachte. Wer wollte darüber spotten? Wir Juden haben nicht viel Gelegenheit, uns eines Erfolges über unsere Widersacher zu rühmen. Auch heut bedürften wir dazu des Wunders. — Aber die Mirakel waren in den alten Zeiten häufiger als jetzt und der aufgehetzte König von damals wäre nun ein ganzes aufgehetztes Volk. — Das stimmt keine Esther um und wäre sie in'Wahrheit ein Gebild aus Himmelshöhn. Dennoch wollen wir die Purimfreunde nicht stören und gläubig — gläubig auch wir — Wunder erhoffen. Andere freilich als damals im alten Perserstaat. Wir träumen — möge aus diesem Purimtraum kein schlimmes Erwachen erfolgen, — von einer Zeit, da Israel einig an seiner Zukunft baut, da man in Ost und West und Nord und Süd nur Juden, Brüder kennt und keine lästigen Glaubensgenossen, da Eigennutz und Bequemlichkeit zurücktreten gegenüber den großen Aufgaben der jüdischen Gemeinschaft. — Wenn das eintreten würde, dürfte man ein neues, großes, glückhaftes Purimfest feiern. Die Lose, die dann über unser Volk geworfen würden, wären glückhaft! — Manchmal scheint es nicht nur im Rausch des Purimfestes, als bewege sich die Kurve des jüdischen Schicksals wieder in aufsteigender Linie. So wollen wir stark sein in der Hoffnung: hier wird ein Wunder, glaubet nur! Jüdische Kulturprobleme in Palästina II. Kolonisation. Man unterscheidet bekanntlich zwischen städtischer und ländlicher Kolonisation. Wir wenden uns in den folgenden Untersuchungen ausschließlich der letzteren zu. Palästina ist häufig als Kolonialland bezeichnet worden. Kolonialland nennt man ein Land, das der Weltwirtschaft erschlossen werden soll, ein Land, in das die Ein- resp. Abwanderung des kolonisierenden Volkes erfolgt und das der Verbreiterung der Einflußbasis dieser Nation dienen soll. Der Unterschied zwischen einem solchen Kolonialland und dem jüdischen Palästina wird durch folgendes Beispiel klag werden: Togo war vor dem Kriege deutsche Kolonie. Das Verhältnis zwischen Togo, den Deutschen und Deutschland ist dadurch gekennzeichnet, daß das Konzentrationszentrum des deutschen Volkes Deutschland war, ist und bleiben sollte. In Deutschland gab es einen gewissen Geburtenüberschuß, einen sich bestimmt auswirkenden Expansion sdrang, wie das in jedem auf steigenden Volke der Fall ist. Dies und die Notwendigkeit, den wirtschaftlichen Machtbereich dar Nation zu vergrößern, war die treibende Kraft des Kolonisationsbestrebens: es gab immer nur ein Abwandern nach Togo; das deutsche Konzentrationszentrum sollte deshalb nicht dorthin verlegt, nicht Deutschland als solches aufgegeben werden. Dagegen wurde ein Land, das bis jetzt außerhalb der Peripherie der deutschen Sphäre lag, in dieselbe hineinbezogen. Man mache sich einmal klar, welcher Art die kulturellen Folgen einer derartig fundierten Kolonisation sind. Togo ist von Negern besiedelt, also von einer „Rasse“, die der indogermanischen absolut wesensfremd ist. Die dort hausenden Negerstämme bewegen sich auf einem kulturell-zivilisatorisch viel „niedrigerem“ Niveau als das deutsche Volk. Das Verhältnis zwischen einwandernden Deutschen und den einheimischen „Niggers“ wird hierdurch, bestimmt. Dadurch, daß man als Angehöriger eines bedeutend höher stehenden Volkes, dessen Heimat Deutschland bleibt, in eine Kolonie mit einer als inferior empfundenen Bevölkerung auswandert, ergibt sich folgendes: 1. In sozialer Beziehung. Man fühlt sich als Herrenvolk. Man ist Auftraggeber, Inspektor, Herr, für den der „Nigger“ zu arbeiten hat, man beaufsichtigt ihn und — da man heute aus Gründen der Moral gerade keine Sklaven halten kann — entlohnt man ihn sehr niedrig. Die ganze Behandlungsweise entspricht dem vollkommen. Man lese einmal Reiseberichte. 2. In politischer Beziehung: Togo wird von den Deutschen okkupiert. Es ist jetzt deutsches Gebiet, steht unter deutscher Oberhoheit, ist von deutschen Truppen besetzt, die Flagge Deutschlands weht im fernen Afrika. Der Deutsche ist der politische Faktor im Lande. Alle Versuche

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