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Das jüdische Echo · 1922-03-10 · 10 (10.3.1922) · p. Seite 135

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
10 (10.3.1922)
Date
1922-03-10
Page
Seite 135 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 135 — andante — allegro — allegrissimo — endlich auf dem Gipfel jubelnder Begeisterung — allegro con brio — und dann.... ein herzzerreißender Schrei ein im letzten Kampf zuckendes Herz, und aus der Ewigkeit ein sanfter Hauch, der es umfängt und hinaufträgt auf den Armen himmlischer Melodien in die Sphären ewigen Seins. Welch ein Geist! Ich sehe ihn vor mir, sein Blut in seinen Werken, jedes Atom seines Atems eine Welt von Liebe und Haß bauend, jedes Wort ein Hervorquellen von Lebenserkenntnis, jeder Satz eine Komposition von Lichtgedanken, ein Spielen auf der Bühne reifen Denkens und doch — doch nur ein Erlebender aus sich, dessen Sehnsucht ihre Quellen aus dem Reservoir einer geistigen Welt schöpft, der aber nicht verwurzelt ist in den Kreisen der Menschen, die er beschreibt, — Armes, unterdrücktes Volk! — Der aber nie ihre Luft von Kindheit an geatmet, sondern durch Erkennen sich neue gebracht hat, sie als Brüder an seine Brust drückt, und! für sie in heißem Lebensgefühl erglüht, mit ihnen leidet, seine Qualen mit den ihrigen verschmilzt und diese der Welt entgegenschreit in seiner „Sendung Semaels“.— Novellen um Claudia .... um Claudia? .... wirklich um Claudia? Nein, um Walter Rohne, um ihn, nur um ihn. Seine Welt ist die Achse, um die alles Erleben kreist und in dieser Welt lebt Claudia, lebt in ihm. Und gerade in dieser Welt atmet das Gesetz, das die bedeutendste Rolle im Weltall spielt, das Gesetz des Gleichgewichts, der ewige Austausch der beiden Elektrizitäten, das Zusammenfließen und Siichilösen — Liebe und Haß.... in Wahrheit Anziehung und Abstoßung. — 0 diese Angst Claudia! und dann wieder das Geheimnis — welch grausame Qualen — aber auch du ein Weib, getränkt mit dem Öle des Teufels, doch nicht Teufel selbst denn zu weiblich bist du und zu zart dein Leib. Ja, Claudia.,und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt gab dir ein Gott zu sagen, was du leidest.“ — Und, lieber Dr. Rohne, deine Hochzeitsnacht möchte ich nicht erlebt haben, und sie möge mir auch nie Erlebnis werden!- Man muß sich finden wollen.... man kommt zu leicht auseinander.... eine leise Brise flüsterte diese Worte und spielte mit ihnen auf den Lippen eines jungen Weibes. — Du hast recht gesprochen, Claudia.... man muß sich finden wollen.... und ein Dichter hat sich gefunden, indem er seine Bücher zerriß, eins nach dem anderen, und sie mitten in sein Volk warf wie in ein Feuer, zugleich ausrufend: „Dir, dir will ich sie weihen, mein Volk, mit dir wuj ich die Last zusammen tragen, mit dir und für tuen will ich leben, für dich, mein VoLk, nur für dich. — Eine leise Brise spielte einst auf den Lippen eines jungen Weibes. Die Brise aber wurde Sturm. Sturm fegte aus dem Herzen eines Dichters, gewaltiger Sturm, der alles mit sich riß, erbarmungslos entwurzelte, was in herrlicher Blüte auf ging und in seinem Feuer verzehrte, was so strahlend hervorgegangen war. O Schönheit einer Dichtung! Deine weißleuchtende Blütenkelche, von goldenen Sonnenstrahlen geküßt, tauchten nur einmal ihre sehnsüchtigen Blätterfinger in die Sonnenflut.... Und dann? .... Vielleicht gellt dein Hirn: Triumph! — Arnold Zweig. Du bist in den kochenden Strudel deiner unseligen Liebe zum Judentum gesprungen. Aber diese Liebe wird das rote Herzblut eines Dichters gierig saugen — süße Mattigkeit in den Leib der Dichtkunst träufeln — tiefer matter — kraftloser — wird sie in die Kissen sinken — das schöne, junge Weib wird sterben — stöhnend — verendend — zusammenbrechen-1 ein Dichter verläßt es — ein Dichter geht in seinem Volke auf-das Volk aber jubelt: „Du bist unser!“ Gemeindenu.Vereins-Echc Berufsvermittlumr und Berufsberatung für Juden in München. Am 1. März d. J. trat zum ersten Male ein Ausschuß für eine neu zu errichtende jüdische Berufsvermittlung und -Beratung in München zusammen. Er war von Vertretern der München- und Jesaja-Loge U.O.B.B. und Abgeordneten des jüdischen Frauenbundes gebildet. Als Aufgabe setzte sich der Ausschuß: 1. Berufsvermittelung für jüdische Arbeitswillige. 2. Berufsberatung. 3. Mittelstandshilfe. Es Wurde beschlossen, dieses soziale Werk im Einvernehmen mit der Kultusgemeinde zu betreiben. Zweimal in der Woche, am Dienstag und Donnerstag abends zwischen 6—7 Uhr soll in der Herzog Maxstraße in einem von der Gemeindeverwaltung fneundlichst zur Verfügung gestellten Raum Sprechstunde für männliche Arbeit- und Ratsuchende abgehalten werden, wobei die Herren des Ausschusses abwechselnd anwesend sind: Für weibliche Personen bleibt die Sprechstunde des jüdischen Frauenbundes bestehen: Landwehrstraße 4, Rückgebäude, Montag, Mittwoch und Freitag von 11—12 Uhr vormittags-. Für die Schaffung von Arbeitsgelegenheit für jüdische Arbeitsuchende rechnet der Ausschuß auf die bereitwillige Unterstützung der jüdischen Geschäftswelt. Für die Berufsberatung kommt vor allem die schulentlassene Jugend in Betracht. Bei der zunehmenden Notwendigkeit, wertvolle Talente nicht untergehen zu lassen, sond'ern sie zum Segen der Gesamtheit zu fördern, soll jedem jungen Menschen eine seiner persönlichen Veranlagung entsprechende Berufswahl ermöglicht werden. Auch soll die kommende Generation auf die verschiedensten Berufe verteilt werden, um der überwiegenden Hinneigung der Juden zum Kaufmannstand und zu den akademischen Berufen zu steuern. Ferner wollen wir jungen Menschen bei der Um- KRELI-UCKO DAS HAU S linfcfei~W THEAT1NERSTR. 16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNG MÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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