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Das jüdische Echo · 1922-02-17 · 7 (17.2.1922) · p. Seite 93

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
7 (17.2.1922)
Date
1922-02-17
Page
Seite 93 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 93 verdoppelt nur den Sturm des bösen Kampfes — bis nach dem Gesetz vom geringsten Widerstand ein Ventil geschaffen ist. Aber Liebe? Hoyer — ein Zufall, Jens Spir — ein Zufall, Kareno — ein Zufall. Verzweiflung für Teresita, die Liebe liebt. Nein, es gibt 'keime Liebe, für welche jene, die sich nicht mit einem halbwegs erträglichen Lebensteil hab er einrichten und die „Backfischträume“ vergessen können. Liebe, einzige Wahrheit, Kern des Lebens, um den alle Dichterträume seit Jahrtausenden unermüdlich, kreisen — Liebe, Hebel großer Taten, großer Verbrechen — Kern, Sinn des Lebens? Spiel, Spiel, sagt Knut Hamsun. Und die Arbeit, das Gold, nach dem wir jagen? Der andere Hebel großer Taten, großer Verbrechen? Otermann, Teresitas freundlich behäbiger Vater, wird arm von dem Tag, an dem Reichtum über ihn hereinbricht Arm und immer ärmer: und eiend bricht alles zusammen über Liebe und Reichtum. Liebe ist eigentlich Haß, Reichtum ist Armut — und alles zusammen ist ein wunder-wunderliches Spiel des weißbärtigen Herrn Professors, der die winzigen Infusorien zwischen seiner winzigen Pinzette hält und sie bald m diese, bald in jene chemische Lösung taucht, um durch die großen runden Brillengläser ernsthaft zuzusehen, wie elend sie zappeln... Spiel des Lebens. Ein schönes Stück, ein einfaches und tiefes Stüch. Ganz lose, ganz frei, gar nicht durchgearbeitet — das Werk eines Menschen, der schweigend und wissend dem Gekrabbel der winzigen Infusorien zugesehen hat. Das Publikum ist elend durchgefallen vor der Aufführung der Münchener Kammerspiele. Während wir einander wie eh und je alles gebrannte Herzleid antun, haben wir uns doch an die tönenden „Menschheits“-Tiraden von der Bühne her gewöhnt und verstehen nichts mehr von einem Dialog wie dem zwischen Teresita und Kareno, zwischen Jens Spir und Teresita. Man braucht gar nicht zu wissen, daß Teresita als Edvarda durch die herrlichsten Bücher Hamsuns geht. 'Man braucht Frau Kareno nicht aus „An des Reiches Pforten“ zu kennen — in ein paar Sätzen des Dialoges ist die Verwandlung enthalten, die mit dem vollblütigen, in ihren Mann verliebten Bauernmädel Elina vor sich gegangen ist. „Die unordentlichen Ausbrüche der natürlichen Triebe“ nennt Riccarda Huch dieses traurige Phänomen, und sie schiebt es auf unsere Zeit. Aber ich glaube das nicht. Das alles hat es in Vor-Freudschen Zeiten auch gegeben, und Kleopatra war bestimmt nicht die erste Frau mit verdrängten Komplexen. Unter Mondschein und Nordlicht, zwischen Lappen und Kwänen geht es nicht anders zu als bei uns. Die kleine Episode zwischen dem Handelsmann und dem Tuchhändler ist gleichfalls ein vollgültiges Symbol für das Spiel des Lebens. Kareno ist schlecht weggekommen in dem Stück — er ist ein leidenschaftlicher Denker, wird von ihm gesagt, und die phosphoreszierende Aura dieser Gedankenwelt ist es, vor der sich das trügerische Reis in Teresitas Händen beugt. Der Dialog macht gerade das nicht wahrscheinlich und man kann es dem jeweiligen Darsteller auf sein ehrliches Gesicht hin glauben oder nicht. Darf eine Schauspielerin über Kollegen urteilen? Hat nur kühle Distanz dieses Recht oder darf es leidenschaftliche Nähe? Zwar ich dürfte mir das Geständnis sparen. Denn niemand ahnt in München, daß ich eine Schauspielerin bin, nicht einmal mein Generalintendant. Und so darf ich vielleicht von der Aufführung erzählen, wie schön Sybille Binder mit den Onyx-Augen war, Teresita und knisternde Seidenfahne. Götz, dieser einzigartige Mensch, von dem einmal für sich allein gesprochen werden müßte, war als Otermann in den letzten Akten ein unheimliches Gespenst seiner selbst, das unbehilflich mit beschnittenen Flügeln schlagend über das lebendige Grab seiner Reichtiimer wankte. Lucy v. Jacobi. Gemeindenu. Vereins-Kcho Zionistische Ortsgruppe: Dienstag, 21. Februar, gemütlicher Ortsgruppenabend. Bericht der Vorstandsmitglieder über die Sitzung des Gruppenverbandsvorstandes vom 19. Februar. V. J. St. „Jordania“. Donnerstag, den 23. Febr., findet im Saale der Concordia ein Rezitationsabend von Menachem Max Stern zu Gunsten des Ukraine-Hilfswerks statt. Näheres siehe Inserat! Jüdischer Jugendverein München. Montag, den 20. Februar, abends 8 Uhr VoTtrag von Kurt Neu über das Thema: „Zur sozialen Frage“ im Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog Maxstr. 7. Gäste willkommen! Blau-Weiß. 1. Zug: Heimabend für Jüngere Samstag 2.30 Uhr nachmittag im Hei m. Für Ältere 4.30 Uhr bei Karl Cohen. Tattenbachstr. 8/1 (bei Jakob Fränkel). Megillas Ester mitbringen. Sonntag 9 Uhr Treffpunkt in Grünwald (Gries, Zucker. Fett). Der Verband der jüdischen Jugendorganisationen Münchens gibt bekannt, daß Dienstag, 20. Februar, abends 7 Uhr pünktlich im Gemeindehaus, Kommissionszimmer, eine Vertretersitzung mit wichtiger Tagesordnung stattfindet. Jüdische Arbeitsgemeinschaft. Am Samstag, 18. Februar, 8 Uhr abends findet unser Abend im K. J. V.. Bayerstr. 67/69, statt. Am Sonntag, 19. Februar, wie bekannt Ball. Näheres siehe Inserat. Mittwoch, 22. Februar, Versammlung der J. A. G. Hiezu haben nur Mitglieder Zutritt. Ort wird am Samstag abend bekanntgegeben. Die dem Zentralverbande angehörenden israeli- Q 8 fl ♦ 8 8 8 8 8 8 8. L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass ♦ 8 8 o fl ♦ 8 8 8 o ♦ 8 ß

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