Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1922-02-17 · 7 (17.2.1922) · p. Seite 87

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
7 (17.2.1922)
Date
1922-02-17
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/9072829-9103027-9145376--04798-9077466
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Das Jüdische Echo Nummer 7 17. Februar 1922 9. Jahrgang Die bayerischen Juden für den Keren Hajessod Aufruf! Die Schaffung einer jüdischen Siedlung in Palästina ist möglich geworden. Daraus erwächst für uns die Aufgabe, am Aufbau des heiligen Landes teilzunehmen, mit dem uns geschichtliche und religiöse Bande verknüpfen. Dort wird sich zeigen, daß Juden fähig sind, in gemeinsamer Tätigkeit produktive Arbeit aller Art zu leisten. Gleichzeitig wird Palästina die Möglichkeit bieten, durch Eröffnung von Arbeitsgelegenheit einem Teil der ungeheuren jüdischen Not abzuhelfen. Darum haben sich unbeschadet ihrer grundsätzlichen Einstellung in jüdischen Fragen Männer aller Richtungen zusammengeschlossen, um fern vom Streit der Parteien dies Werk durchzuführen. Wir glauben, daß solche gemeinsame Arbeit zur Einigung und1 Stärkung des Judentums beitragen wird. Führende Persönlichkeiten, im deutschen Judentum sind vor kurzem zu Gunsten des Aufbauwerkes mit einem Aufruf hervorgetreten: Der Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) E. V. sali die Kräfte auch der Juden Deutschlands zu gemeinsamer Arbeit vereinigen. Das bayerische Judentum kann nicht zurückstehen. Wir wenden uns daher an unsere jüdischen Mitbürger in Bayern, das Werk moralisch und materiell zu unterstützen. Der Keren Hajessod dient ausschließlich der praktischen Siedlungsarbeit in Palästina. Die unparteiische Verwaltung des Fonds ist gewährleistet Nur der Erfolg unserer Sammlung kann die Arbeit in Palästina sichern. Groß sind die Schwierigkeiten, aber nicht unüberwindbar. Der Boden soll der Landwirtschaft erschlossen, der Lauf der Gewässer geregelt, Eisenbahnen und Häfen sollen gebaut werden. Die Sanierung des Landes ist in Angriff zu nehmen. Krankenhäuser sind zu schaflen, ärztliche Hilfe ist einzurichten. Volksschulen, Mittel- und Fachschulen müssen erstehen. Soziale Hilfe und Ordnung sind durchzuführen. Große Mittel müssen aufgebracht werden. Die deutschen Gelder sollen der Sache möglichst zweckmäßig dienstbar werden. Mit Rücksicht auf die Entwertung unserer Währung sollen sie daher ausschließlich in Deutschland verausgabt werden. Das Aufbauwerk wird am besten gefördert, wenn die Waren hier gekauft werden, die Palästina braucht. Wenn Palästinawanderer durch Ausrüstung und Werkzeug unterstützt, wenn in Deutschland Ausbildungsstätten für die künftigen Siedler geschaffen werden. Die Durchführung des großen Werkes aber erfordert von jedem einzelnen Juden Leistungen, die der Bedeutung der Aufgabe entsprechen. Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) E. V. Bayerisches Komitee. Bamberg: Rabbiner Dr. Eckstein, Julius Strauß, Bankier Julius Wassermann. Bayreuth: Rechtsanwalt Dr. Klein, Vorsitzender der Kultusgemeinde, Dr. med. Steinberger, Rabbiner Dr. Salomon. Coburg: Prediger Hirsch. Erlangen: Adolf Dreyfus, Vorsitzender der Kultusgemeinde, Lehrer Katz, Ingenieur Willstädter. München: Rabbiner Dr. Baerwald, Julius Basch, Kommerzienrat Siegmund Fränkel, Geh. Justizrat Prof. Dr. Frankenburger, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, Michael Nußbaum, Jakob Reich, Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt, Amtsrichter Dr. Schäler, Rechtsanwalt Dr. Elias Straus, Siegmund A. Weil. Nürnberg: Dr. Bamberger, Rabbiner Dr. Freudenthal, Geheim. Justizrat Dr. Siegmund Held, Dr. Walter Kohn, Dr. Meinhold Nußbaum, Oskar Rosenfelder, Ludwig Rosenzweig. Starnberg: Arnold Zweig. Würzburg: Alfred Braunschweiger, Justizrat Dr. Haas, Dr. med. Nürnberg. Der Sieg der Idee Heine beginnt ein Kapitel des Buches „Le Grand“ mit der Frage: Haben Sie überhaupt eine Idee von der Idee? und es ist recht amüsant, was er bei dieser Gelegenheit über „Ideen“ sagt und andere sagen läßt. Nun ist es zwar gewiß, daß Ideen heute nicht hoch im Kurs stehen und daß „Ruhe, Ordnung und Sicherheit“, die neuesten Börsendepeschen oder der allerneueste Niggertanz sich fast überall größerer Beachtung erfreuen. Der allgemeinen Anschauung mag Kutscher Pattensen Ausdruck geben, den Heine auf obige Frage antworten läßt: „Nu, nu, eine Idee ist eine Idee! Eine Idee ist allerlei dummes Zeug, was man sich einbildet.“ Dennoch ist die Idee die gewaltigste menschenbewegende Kraft, der Funke, der in den Herzen die göttliche Flamme des Ideals entzündet. Für eine Idee kann man glücklich leben und selig sterben. Das Ringen um die Idee macht uns besser und menschlich größer: nur hier und nirgends sonst sind wir frei von Eigennutz und Eitelkeit. Stumpfe Menschen freilich trotten an den großen Gedanken ihrer Zeit achtlos vorüber wie das Maultier an der heroischen Landschaft. Viele erwägen und wagen nicht sich zu entscheiden; andere lehnen ab und bekämpfen, was ihnen gefährlich — oder unbequem scheint. Aber noch andere werden gepackt und oft sehen sich gerade die Besseren, fast ohne es zu wissen, beinah ohne es zu wollen, in den Dienst des Ideals gestellt und fühlen schon in der Skepsis des ersten Schwankens seine zwingende Kraft, seine beglückende Gewalt. Denn große Ideen haben die Fähigkeit „besessen“ zu machen und diese dämonische Macht beweist recht eigentlich ihre „Richtigkeit“, wenn nicht schon ihre Ausführbarkeit. Denn so wird das Unmögliche möglich, daß Viele und die Besten die Notwendigkeit einer Sache erkennen und sie durchsetzen, „und wenn die Welt voll Teufeln wär“. Der Palästinagedanke vermag Menschen in seinen Bann zu zwingen, Juden, die dieses Namens würdig sind, im Innersten zu packen, zu erschüt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.