Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 4 (27.1.1922)
- Date
- 1922-01-27
- Page
- Seite 49 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 49 Bickart: Dr. Leo Weiter. — Starnberg-München: Arnold Zweig. — Stettin: Rabbiner Dr. Wiener. — Stuttgart: Oberkirchenrat Dr. Kroner. — Wiesbaden: Stadt- und Bezirksrabbdner Dr. Paul Lazarus; Justizrat Moritz Marxheimer; Dr. Alfred Landsberg. — Zwickau: Salman u. Simon Schocken in Firma J. Schocken Söhne. Der Keren Hajessod nach dem Kongrefi Von Dr. B e r t th o 1 d F e i w e 1, Direktor des Keren Hajessod. Der nachstehende Artikel ist der Londoner „Zionist Review“ entnommen. Es ist dem Keren Hajessod kürzlich gelungen, drei bemerkenswerte Resultate in Palästina zu erzielen. Erstens ist aus seinem Fonds eine beträchtliche Anzahl von langfristigen Darlehen an Leute gewährt worden, die kleine Häuser bauen, und in Verbindung damit wurde, wie bereits gemeldet eine Hypothekenbank gegründet. Zweitens wurde in der Ebene Jesreel neue landwirtschaftliche Arbeit iin Angriff genommen, die schließlich zur Ansiedllung neuer Kolonisten führen wird. Und drittens hat der Keren Hajessod zwei große Schulhäuser gekauft. Es soll gleich konstatiert werden: wenn man den Nachdruck auf die investierten Beträge legt, so können die dafür ausgegebenen Summen als verhältnismäßig bescheiden angesehen werden. Aber sie sind doch bemerkenswert, weil sie in gewisser Beziehung symbolisch sind. In drei wichtigen Sphären hat also der Keren Hajessod mit der Aufbauarbeit begonnen: im Häuserbau, in der landwirtschaftlichen Kolonisation und im öffentlichen Erziehungs wesen. Wenn wir nun noch in Betracht ziehen, daß der Keren Hajessod hinsichtlich der landwirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Bedürfnisse eine der Hauptstützen des bestehenden Jischub, und die erste, also wesentlichste Hilfsquelle der neuen Einwanderer ist, so haben wir einen Komplex von bereits ausgeführten Werken und gegenwärtigen Arbeitsleistungen vor uns, die den Keren Hajessod — seiner Bestimmung gemäß — bereits heute als wirklichen Grundfonds für den Aufbau Palästinas zeigen. Dies ist nur ein Anfang, und zwar ein kleiner Anfang im Vergleich mit unseren Bedürfnissen; wenn man aber die Art und Beschaffenheit der geleisteten Arbeit betrachtet so kann es als weit mehr gelten. Es ist vor allem ein praktischer Beweis dafür, daß das System und die ganze Tendenz dieses Fonds gesund ist Ich glaube, diejenigen, die mit der Organisation dieses Fonds betraut sind, dürfen bereits mit einiger Sicherheit sagen, daß der im Sommer 1920 aufgestellte Plan den praktischen Anforderungen unserer komplizierten Arbeit entspricht Es war — das kann schon ausgesprochen werden — der richtige Plan, einen kombinierten Fonds zu schaffen, von dem ein bestimmter Teil der Erwerbung des Bodens dienen muß, ohne den überhaupt keine Siedlungsarbeit durchgeführt werden könnte; ein weiterer bestimmter Teil der Aufrechterhaltung des Un Palästina bereits Vorhandenen zu widmen ist; und schließlich der letzte, ebenfalls bestimmte Teil für neue Aufbauuntemehmungen reserviert wird, indem gleichzeitig die neuen Arbeiten auch vom Standpunkt einer zentralen Regierung durch ständige Einrichtungen, öffentliche Institutionen und öffentliche Werke konsolidiert werden. Der XII. Zionistenkongreß betonte und entwickelte in seinen Resolutionen, die den Keren Hajessod betreffen, gerade diese Konzentration und Systematisierung des Fonds. Er brachte dies praktisch durch den Beschluß zum Ausdruck, der verlangt, daß, nach Abzug von 20 Prozent aller eingehenden Gelder für den Jüdischen Nationalfonds, 50 Prozent dem regulären Palästina-Budget zur jährlichen Ausgabe für dauernde Einrichtungen, wie Häuserbau, Krankenanstalten usw. Zufällen, während die letzten 20 Prozent für die sogenannten kommerziellen Unternehmungen, wie Finanzinstitute, öffentliche Werke usw. reserviert bleiben sollen. Der Kongreß tat den richtigen Schritt, indem er die wirtschaftliche Unabhängigkeit alter Tätigkeiten anerkannte und die Deckung des regulären Palästina-Budgets allen anderen Ausgaben vorzog, ob sie nun zu seiner Ausdehnung oder Konsolidierung bestimmt sind. Gemäß den auf dem Kongreß gefaßten Beschlüssen sagt sich die Exekutive der Zionistischen Organisation: Wir haben dem Nationalfonds, abgesehen von seinen eigenen Eingängen, weitere 300 000 £ vom Keren Hajessod zu geben, die für Landerwerb und -Vorbereitung benötigt werden. Wir haben 50 000 £ für Hypothekenkredit, für Handels- und Industriekredit, für Darlehen an Kolonisten aufzubringen, und wir müssen schließlich im Stande sein, 650 000 £ auszugeben, um unsere dringendsten Aufgaben für Unterricht und Sanitätswesen, für Arbeitsausrüstung und neu ankommende Immigranten, für neue Siedlungen auf dem Lande und ähnliche Bedürfnisse des Aufbaues