Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 3 (20.1.1922)
- Date
- 1922-01-20
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 3 20. Januar 1922 9. Jahrgang Palästina, das Werk der Juden Der Aufruf des allgemeinen Keren Hajessod- Komitees ist erschienen. Er bedeutet ein Neues in der Geschichte der deutschen Judenheit. Endlich ist Palästina dem Streit de:r Parteien entzogen, endlich zum Werk der Juden geworden. Denn Angehörige aller Gruppen und jeder Gesinnung haben den Aufruf unterzeichnet. Sie haben ihre Anschauungen nicht geändert, aber sie haben kundgetan, daß Erez Jsrael kein politisches Kampfobjekt mehr ist, sondern nur noch Gegenstand jüdischer Arbeit sein darf. Diese Einheitsfront für Palästina geht von der zionistischen Organisation über die Bne Bris-Logen, den Rabbiner-Verbanid. die jüdischen Jugendverekie, die Vorstände der großen Kultusgemeinden bis in Kreise des früher indifferenten Judentums. Was wir immer behauptet haben, wird ein-' treten: Das Palästinawerk fördert die allgemeinjüdische Entwicklung. Unzählige, die nie für jüdische Dinge einen Pfennig übrig hatten, tragen zum Keren Hajessod nicht nur ihr „Scherflein“, sondern erhebliche Summen bei; schon jetzt gibt es Beispiele dafür. Am Keiren Hajessod wird man von neuem lernen, daß es Notwendigkeit und heilige Pflicht ist, für das Judentum zu arbeiten und zu geben. Nicht Mittellosigkeit gefährdet unsere Einrichtungen, sondern Interesselosigkeit. Palästina aber weckt Interesse. Gemeinden, Vereinigungen und Institutionen der deutschen Juden sei daher geraten: Steigert bei Euren Mitgliedern, die Anteilnahme an allen Fragen der jüdischen Gesamtheit, fördert den Keren Hajessod — und Ihr werdet mehr Geld haben, als Ihr braucht, werdet geeigneter Menschen, hingebender Mitarbeiter nicht wie früher entbehren müssen. Gegner haben oft rühmend bekannt, daß der Zionismus in diesem Sinne gewirkt hat. Daß die Zionistische Organisation von ihren Anhängern Maasser für den Keren Hajessod fordern konnte und daß diese Forderung nicht nur nicht zur Flucht aus den Ortsgruppen, sondern zu ihrer Belebung führte, ja, daß man für andere zionistische Zwecke und für allgemein-jüdische Aufgaben immer noch sehr viel Geld von Zionisten, und nicht nur von sehr Reichen, bekommt, — das ist ein klarer Beweis für diese Auffassung und ein großes Beispiel. Keren Hajessod-Arbeit ist Verjudungsarbeit; das allein ermöglicht es. bedeutende Beträge für Palästina zu fordern — und zu erhalten. — Die Unterschriften der Führer des deutschen Judentums bedeuten einen großen Erfolg der Palästinaidee, noch mehr aber einen Beweis des Vertrauens in den oft nur nicht geweckten, jüdischen Instinkt, das jüdische Gefühl, den Opfermut unserer Stammesgenossen; sie sind eine Aufforderung an tue in erster Linie zur Mitarbeit Berufenen, an die Zionisten: Jetzt zeigt, was Ihr könnt! Beweist, daß Ihr nicht nur von Palästina redet, sondern daß Ihr auch für Palästina und das Judentum zu arbeiten wißt! — Die Jüdische Rundschau schließt ihre Betrachtungen über den Keren Hajessod-Aufruf mit Worten, die zeigen, wie ernst in zionistischen Kreisen die Arbeit genommen wird: „Wir Zionisten sind mißtrauisch gegen Erfolge, wir haben aber allmächlich einen Maßstab gefunden, der uns zeigt, ob wir es mit einem echten Erfolg oder nur mit einem Schein zu tun haben: der wirkliche Fortschritt stellt uns vor eine neue Aufgabe, legt uns eine weitere Verpflichtung auf, vergrößert unsere Verantwortlichkeit. Deshalb glauben wir, daß der Aufruf zum Keren Hajessod eine Leistung ist. Er verpflichtet uns zu höherer Tätigkeit nach außen und nach innen, er stellt uns vor die Frage: sind wir alle bereit, mehr zu tun, sind wir dem gewaltigen Werk gewachsen?“ Das führende zionistische Blatt hat recht: Nie war die Notwendigkeit zur Leistung für die Zionisten größer! Jetzt ist es Zeit, Maasser zu geben, Maasser vom Vermögen und Einkommen — Maasser von Zeit und Arbeitskraft! Die jungen Zionisten, die nach Palästina gehen, die älteren, die für Palästina geben und wirken, die nichtzionistische Judenheit mit ihnen weiteifernd am Bau der jüdischen Zukunft — das wäre wahrhaft der Anbruch einer neuen Zeit. Man hat den Untergang der deutschen Juden prophezeit, man klagt über Taufe und Mischehe, wachsende Interesselosigkeit. Zusammenbruch der Kleingemeinden, Gefährdung wichtigster Einrichtungen. Noch einmal ist die Möglichkeit gegeben, das Interesse am Judentum zu einer guten, starken Flamme zu machen: Der Palästinaaufbau ist nicht nur die Schicksalsfrage des Gesamtvolkes, er ist es auch für die deutsche Judenheit. — Jetzt, dürfen wir nicht versagen. Der Keren Hajessod in Deutschland Wiir haben den Aufruf des allgemeinen Keren Hajes,sodkomitees an anderer Stelle veröffentlicht. Er ist von einer ganzen Reihe führender Persönlichkeiten des Berliner und darüber hinaus des deutschen Judentums unterzeichnet. — Auch in Bayern und W ii r 11 e m b erg schreitet die Keren Hajessodbewegung mächtig fort. Dem Keren Hajessodkomitee traten u. a. bisher bei in München: Rabbiner D/r. Baerwald; in Nürnberg: Rabbiner Dr. Freudcnthal, Kom.-Rat Metzger, Ludw. Rosenzweig, R.-A. Dr. Siegfried Strauß: in Coburg: Prediger Hirsch; in Bamberg: Bankier Julius Wassermann, Rabbiner Dr. Eckstein: in Bayreuth: Dr. med. Steinbergeir, Rechtsanwalt Klein, Vorsitzender der Kultusgemeinde, Rabbiner Dr. Salomon; in Erlangen: Adolf Dreyfuß, Vorstand der Kultusgemeinde, Ingenieur Willstädter, Lehrer Katz: in Stuttgart: Oberkirchenrat Kroner. Aus anderen Ländern des Deutschen Reiches worden uns folgende Unterschriften gemeldet: Hamburg: Alfred Levy, 1. Vorsitzender des Vorstandes der deutsch-israelitischen Gemeinde. Alfr. Lisser, Oberlandesgerichtsrat May, Julius Schindler; Breslau: Justizrat Dr. Heilberg; Königsberg: Justizrat Holz, 1. Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde, Justizrat Lichtenstein, Bankdirektor Hermann Marx: Stettin: Rabbiner Dr. Wiener: Dresden : ■ Rabbiner Prof. Dr. Winter: Elberfeld: Dr. med. Julius Loeb; Mainz: Rechtsanwalt Dr. Paul Simon, Kommerzienrat Ludwig