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Das jüdische Echo · 1922-01-13 · 2 (13.1.1922) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
2 (13.1.1922)
Date
1922-01-13
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 2 13. Januar 1922 9. Jahrgang Das Tempo der Ärbeit Der Orient ist in Bewegung. Ägypten, Angora, Mesopotamien, Indien sind Herde gefährlicher Unruhe. Jeder Tag bringt Berichte von neuen Wirren; in Alexandria und Port Said, in Damaskus und Bagdad, auf den Schlachtfeldern des griechisch-türkischen Kriegs und in den Gefechten des Moplahaufstandes kommt die nervöse Erbitterung aller gegen alle zum Ausdruck und fordert ihre Opfer. Aber die Kombattanten selbst sind oft nur Atrappen, ihre Gefechte Scheingefechte, auch wenn sie noch so viel Blut kosten; Kämpfe von weitaus größerer Bedeutung und nachhaltigerer Wirkung spielen sich hinter den Kulissen ab: hier stehen gegen einander die stärksten Staaten und die gewaltigsten religiösen Organisationen der Welt. Weiß der Beduine, der anatolische Bauer, der ägyptische Fellach, der Kurde oder der Hindu, wer ihn waffnete? Wußten all die, denen jene Aufstände und Kriege Leben, Gesundheit und Vermögen kosten, wem ihr Leiden nutzt, wer ihren Führern die Waffe in die Hand drückte? Palästina, das tausend Kanäle mit den Zentren der arabischen und mohamedanischen Welt verbinden, das unzählige Beziehungen zu allen Staaten Europas, zu allen christlichen Kirchen besitzt, ist zweifellos von der Gefahr bedroht, in diese Wirren hineingezogen zu werden, wenn es dauernd der politischen und wirtschaftlichen Konsolidierung entbehrt. Die periodischen Unruhen, die bald hier, bald dort ausbrechen, sind Warnsignale, die man. nicht überhören sollte. Das eben ist das Gefahrvolle der gegenwärtigen Lage, daß das Tempo unserer Arbeit keineswegs nur von uns abhängt. Selbst dann wäre die Situation nicht einfach; das jüdische Volk, seine finanziellen und konstruktiven Fähigkeiten, sind keine leicht abzuschätzenden Faktoren. Wir aber leben überdies in einer Welt, deren Gesicht täglich wechselt, die immer von neuem andere Gefahren, andere Möglichkeiten zeigt. — Solange es uns nicht gelingt, endgültige Verhältnisse durch unsere Arbeit im Land und für das Land zu schaffen, werden unsere Gegner leichtes Spiel haben, um die Unsicherheit unserer Lage fortdauern zu lassen, die sich heut in London, in Jerusalem und überall in der Welt auswirkt. Wir haben Zeit genug gehabt, um die Gefahren zu erkennen, die dieser Zustand für den Fortgang unserer Arbeit in Erez Israel bedeutet. Die Nerven des Jischuw sind aufs äußerste beansprucht, die Tätigkeit der Leitung muß sich immer wieder auf aktuellen politischen Kampf erstrecken, statt sich auf die Förderung der Kolonisation zu konzentrieren. In Palästina selbst aber bedeutet jeder verlorene Tag eine schwere Schädigung. Manches wäre uns erspart geblieben, wenn wir nach den ersten großen Erfolgen das Geld und die Menschen bereit gehabt hätten, die nötig waren, und nicht ohne Grund erinnerte Weizmann kürzlich in Berlin an ein Wort, das ihm Lloyd. George in San Remo sagte: „Jetzt müssen Sie Überzeit arbeiten, denn Sie haben nicht viel Zeit. Die Welt ist zu vergleichen mit dem Baltischen See vor einem Frost. Sie wird bald erstarren, und solche Sachen wie Ihre Bewegung müssen dann fertig sein, denn später können Sie sich nicht mehr durchsetzen. Die Welt ist müde der Sensationen. Sie müssen jetzt die Zeit benützen und Überstunden arbeiten.“ Wir aber, die Vertrauen zu unserem Volke haben und die nicht fürchten, daß der große Moment ein kleines Geschlecht finden wird, wollen im folgenden versuchen, unseren Lesern durch Zusammenstellung der wichtigsten Äußerungen führender Persönlichkeiten in den letzten Wochen Klarheit über die gegenwärtige Lage zu geben. Es wird sich erweisen, daß die Stellung des jüdischen Volkes in Palästina immer noch eine starke ist und daß es lediglich von uns abhängt, sie zu einer unüberwindlichen zu machen. Dr. Weizmann über die politische Lage Professor Dr. Weizmann, der Präsident der zionistischen Weltorganisation, ist Montag, den 19. v. Mts., nachmittags 6 Uhr in Berlin eingetrofien. Am Bahnhof Zoologischer Garten hatte sich e;ne große Menschenmenge eingefunden, um ihn zu begrüßen. Auf dem Bahnsteig empfing die wartende Menge den einfahrendien Zug mit Absingen der Hatikwah. Dr. Weizmann wurde eine stürmische Ovation dargebracht. Auch in mehreren deutschen Großstädten wurde Weizmann am Bahnhof herzlich begrüßt. Mittwoch vormittag wurde Weizmann vom Reichspräsidenten Ebert in längerer Audienz empfangen. Dr. Weizmann hatte Gelegenheit, dem Reichspräsidenten die Ziele des Zionismus auseinanderzusetzen und ihm über den Stand der zionistischen Bewegung zu berichten. Dr. Weizmann äußerte sich sehr befriedigt über die ihm zuteil gewordene freundliche Aufnahme. Dienstag nachmittag wurde Dr. Weizmann in etwa halbstündiger Audienz vom Reichskanzler Dr. Wirth empfangen. Während der Unterredung, die auch allgemeine Fragen berührte, gab der Reichskanzler seiner Sympathie für die zionistischen Bestrebungen lebhaften Ausdruck. Am Mittwoch gab Staatssekretär des Äußeren v. Haniel zu Ehren Dr. Weizmanns ein Frühstück. Professor Weizmann benutzte seinen Berliner Aufenthalt, um mit einer Reihe prominenter jüdischer Gelehrter und Hochschullehrer Deutschlands wegen der Vorarbeiten für die Universität Jerusalem Fühlung zu nehmen. Zu diesem Zwecke hatte Professor Einstein einen kleinen Kreis von Professoren zu einer Besprechung eingeladen, die am 23. Dezember in seiner Wohnung stattfand. Anwesend waren außer Weizmann und Einstein die Herren Geheimrat Hirschberg, Geheimrat Prof. Morgenroth (Inst. f. Inf.-Krankheiten), Prof. Karl Neuburg (K. Wilh.-Inst.), der Mathematiker Prof. Schur, der Pharmakologe Prof. Louis Lewin (Techn. Hochsch.), Prof. Rieh. Goldschmied, Prof. Katzenstein, Prof. Mamlock. Prof. Rosenthal, Prof, Fodor (Halle), ferner die Herren Prof. Heinrich

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