Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 52 (30.12.1921)
- Article
- Original - Ungeschnitten
- Date
- 1921-12-30
- Page
- [Seite] (sequence 106)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nr. 49 <332 stischen Bewegung würden. Es ist wohl wahr, daß wir vor neuen Problemen stehen, daß wir eine neue Epoche praktischer Tätigkeit beginnen; ohne die Begeisterung des Volkes, der Massen, werden wir jedoch die konkrete Aufbauarbeit nicht durchführen können. Wir können nicht, wie es die Brandeisgruppe verlangt, den seelischen Teil des Zionismus ausschalten. Da wir vorläufig keine „funkelnagelneuen“ Personen haben, die den praktischen Teil unserer nationalen Aufgaben durchführen könnten, muß die Arbeit auf die vorhandenen Menschen verteilt werden. Die Erfahrung hat gelehrt, daß es für diejenigen, die an der Spitze de.s zionistischen Gesamtapparates stehen, unmöglich ist, den wirtschaftlichen und finanziellen Fragen genau wie den politischen und organisatorischen Aufgaben ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Der Kongreß sah dies ein und sanktionierte diie Gründung des Wirtschaftsrates, der aus leitenden Zionisten bestehen soll, die im engen Zusammenhang mit der Exekutive sich ausschließlich mit der Regelung der komplizierten Fragen der Fonds und finanziellen Institutionen zu befassen haben. Es kann — darüber wurde man sich klar — nicht zulässig sein, daß diie stets mit allerlei Fragen überlastete Exekutive aus ihrer Mitte eiinen Ausschuß für diese speziellen Angelegenheiten findet. Eine solche Kommission würde nicht zu dem gewünschten Ziele führen, weil ihre Mitglieder als Mitglieder der Exekutive gezwungen wären, sich mit Fragen zu befassen, die dem wirtschaftlichen und finanziellen Gebiet völlig fernliegem In seiner gegenwärtigen Form aber hat der Wirtschaftsrat keinerlei Beziehungen zum politischen oder verwaltungstechnisehen Teil der Gesamtorganisation und er wird sich daher ungehindert auf die Reorganisierung und Systematisierung der finanziellen Departements konzentrieren. Es ist noch zu früh, über die positiven Pläne des neuen Rates zu sprechen und ich kann deshalb vorläufig nur auf einige Teile des großen Programms hin weisen, das im Laufe der Zeit entwickelt werden wird. Der Wirtschaftsrat wird vor allem die Gelder des Keren Hajessod verwalten. Der Keren Hajessod, der im letzten Jahre die Zionistische Organisation gewissermaßen gerettet hat und auf diese Weise der Haupt nerv der zionistischen Finanzen geworden ist, wird jetzt an umfangreiche Arbeiten großzügigen Charakters in Palästina herantreten. Es genügt, auf Unternehmungen! wie die Gründung einer Hypothekenbank mit einem Kapital von 200 000 <£, die Durchführung der Bewässerung des Landes und die Kolonisation hihzuweisen. Das sind nur drei von den vielen geplanten Unternehmungen des Keren Hajessod. Die erste Aufgabe des Wirtschaftsrates wird nun im der Organisierung und Kontrolle dieser großen Unternehmungen bestehen. Aber außer der Arbeit für den Keren Hajessod wird der Wirtschaftsrat auch neue finanzielle Unternehmungen für die Durchführung von allerhand Wirtschaftsarbeiten in Palästina zu bilden haben. Dazu gehört vor allem die Kapitalsvermehrung des Jew ish C o 1 o n i)a 1 Trust. Nach Herzls Auffassung sollte die Bank das größte Finanzinstrument der Zionistischen Organisation sein, und in Wirklichkeit hätte sie es auch sein können. Leider ist sie bei einem Kapital von 400 000 £ stehen geblieben, während Herzl 2 Millionen £ verlangt hat. Eine der wichtigsten Aufgaben des Wirtschaftrates wird es daher sein, die Tätigkeit der Bank zu erweitern und ihren Einfluß zu erhöhen, vor allem durch Eröffnung von Filialen in den wichtigsten jüdischen Zentren, darunter auch in Amerika, wo eine Filiale der Bank besondere Wichtigkeit haben wird, weil sie als finanzielle Vermittlerin zwischen den Juden Amerikas und ihren europäischen Angehörigen fungieren kann. (Die Zionistische Exekutive in den Vereinigten Staaten hat Mitte November mitgeteilt, daß die Eröffnung einer Filiale des Jewish Colonial Trust in der New Yorker City unmittelbar bievorsteht. Anm. d. „Ziko“.) Damit nun die Kolonialbank wirklich der finanzielle Hauptfaktor aller unserer praktischen Unternehmungen in Palästina und die Mantelbank werde, welche diie geplanten Finanzinstitutionen in sich eimschließt, wird es nötig sein, das ursprünglich bestimmte Kapital von 2 Millionen £ aufzubringen. Wie bereits erwähnt, wird der Keren Hajessod eine Hypothekenbank mit einem Kapital von 200 000 £ begründen; mit dieser Summe wird das Aufbauproblem in Palästina aber noch nicht gelöst. Das Hauptinstrument der Hypothekenbank beruht nicht auf dem Aktienkapital, sondern auf den Pfandbriefen, die auf dem Weltmarkt plaziert werden müssen. Diese Plazierung wird nun eine wichtige Aufgabe des Wirtschaftsrates sein. Infolge der überall herrschenden Wirtschaftskrise wird es im Augenblick vielleicht schwer fallen, die Pfandbriefe auf den allgemeinen Geldmärkten zu verbreiten, aber im Laufe der Zeit ist diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen. Inzwischen werden diese Pfandobligationen unter uns selbst zirkulieren müssen, besonders in den jüdischen Gemeinden. Alle Fonds, die in den verschiedenen Gemeinden auf Grund alter Bestimmungen festliegen, können in diesen Pfandobligationen angelegt werden, die mit 6% verzinst und im Laufe von 12 Jahren eingelöst werden. KREIL-UCKO DAS HAU SimHb V^I%%?THEATiNERSTR 16 TELEFON 27831 — 32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNG MÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN Nr. 49 Das jüdische Echo 633 Da wir auf dem Standpunkt stehen, daß das nationale Kapital in Palästina die Bankinstitutionen, die Wasser- und Elektrizitätskräfte in der Hand haben und so die Macht haben muß, den Aufbau zu kontrollieren, daß aber auch für das Privatkapital die Möglichkeit geschaffen werden muß, Arbeiten in Palästina in großem Maßstab zu beginnen, sind wir uns auch klar darüber, daß die Zionistische Organisation allen Privatkapitalien, die schon heute in Palästina arbeiten können, die erforderliche Aufmerksamkeit schenken muß. Sie müssen den nötigen Kredit finden. Um nun der Privatinitiative, die sich schon jetzt in Palästina betätigen kann, entsprechende Möglichkeiten zu schaffen, wird der Wirtschaftsrat sich bemühen, in der Finanzwelt diie notwendige Stütze für solche Unternehmungen zu finden. Der Wirtschaftsrat wird auch versuchen, bekannte wirtschaftliche Experten heranzuziehen, die zwar dem Aufbau von Erez Jsrael nicht allzu nahe stehen und auch bisher dem jüdischen Leben ferngeblieben sind, aber doch bereit wären, an den Beratungen des Wirtschaftsrates teilzunehmen. Ferner wird der Rat die bereits bestehenden Finanzinstitutionen stärken und ausbauen, die großen Budgets, die der Kongreß beschlossen hat. verwalten und endlich neue Institutionen gründen müssen, um der Palästinaorganisation neue Instrumente zu schaffen. Dies ist in großen Umrissen eine Darstellung der Hauptaufgaben des Wirtschaftsrates; sein ganzes Aufgabengebiet ist so groß und weitverzweigt, daß es unmöglich ist, schon jetzt alle Details zu besprechen. (Ziko.) Aus der Jüdischen Welt Palästina Deutsche Schiffahrt nach Palästina. Die „Deutsche Levante-Linie“ läßt am 13. Dezember ab Hamburg ihren Dampfer „Alesia“ auslaufen, der auf seiner Fahrt nach Alexandrette in Jajfa und Haifa Station machen wird. (Ziko.) —■ Die Regierung befaßt sich seit längerer Zeit mit der Frage der Wasserzuleitung in Jerusalem. Ein offizielles Komitee, in dem einige Experten, darunter auch ein Vertreter der Gemeinde teilnähmen, arbeitete unter Vorsitz des Kreilsverwalters einen Plan der Wasserzuleitung aus, der von der Regierung approbiert wurde. Die zur Durchführung nötigen Ausgaben, die vorerst auf 30 000 Pfund geschätzt wurden, konnten nach weiterer genauer Überprüfung des Planes auf 15 000 Pfund reduziert werden, dank vorteilhaften Einkaufes des Materials und der dazu nötigen Maschinen. Die Stadtgemeinde, die keine übrigen flüssigen Mittel hat, nimmt eine Anleihe von 15 000 Pfund auf, deren Verzinsung und Amortisation auf 1500 Pfund sich beläuft, zu deren Deckung die Hauszinssteuer um 1 Prozent erhöht werden soll. Man hofft jedoch, daß es später durch Erhöhung der Einkünfte für Wasserzuleitung gelingen wird, diese Erhöhung der Hauszinssteuer wieder ermäßigen oder selbst gänzlich aufheben zu können. (J. P. Z.) — Von Danzig gehen dieser Tage mehrere Schiffsladungen mit polnischem Holz ab. Es ist der erste Versuch, Holz von Polen nach Palästina zu exportieren. (J. C. B.) Neue Bankgründungen in Palästina. Die „American Palestine Company“ hat mit Erlaubnis der palästinensischen Regierung zwei neue Banken in Palästina organisiert: die „Urban Mortgage Bank of Palestine“ und die „Industrial Credit Bank of Palestine“. Das erste Unternehmen wird hauptsächlich! Baukredite erteilen, während das zweite die Entwicklung aussichtsreicher Industriezweige fördern will. (Ziko.) Palästinensische Verfassung und Staatsangehörigkeit. In der Novembersitzung des palästinensischen Staatsrats teilte Oberkommissar Sir Herbert Samuel mit, daß die Verfassung für Palästina als eine Verordnung des britischen Königs erlassen werden wird. Gleichzeitig wird ein besonderes Gesetz über die Staatsbürgerschaft der Landesbewohner in Kraft treten. Da die Bestimmungen dieses Gesetzes den Artikeln des Vertrages von Sevres Rechnung tragen müssen, ist auch in diesem Fall die Form eines Regierungsbefehls erforderlich. Das Gesetz wird im Einklang mit dem Passus des Vertrages von Sevres stehen, nach welchem jeder ottomanische Untertan, der gegenwärtig in Palästina wohnt, sofort palästinensischer Staatsangehörigier wird. Eine Ausnahme kann gemacht werden, wenn ottomanische Untertanen den Wunsch haben, die Staatsbürgerschaft eines Landes anzunehmen, zu dem sie ihrer Rasse nach zu gehören glauben. Die palästinensische Staatsbürgerschaft würde dann jedoch beim Verlassen Palästinas erlöschen. Gemäß den Bedingungen des Vertrages dürfen Juden fremder Staatsangehörigkeit, die beim Inkrafttreten des Friedensvertrages in Palästina ansässig sind, palästinensische Bürger werden, wenn sie innerhalb eines Jahres einen entsprechenden Antrag stellen. Schließlich kann die palästinensische Staatsbürgerschaft auch durch Naturalisation erworben werden, wenn der Antragsteller nicht weniger als zwei Jahre in Palästina gewohnt hat und sich im Lande dauernd niederlassen will. (Ziko.) Amerika — Wiie das New York Büro des Keren Hajessod meldet, ist der Nichtzionist Louis Marshall, ein bekannter Führer der amerikanischen Juden, Mitglied des amerikanischen Vorstandes des Keren Hajessod geworden. (J.C.ß.) literarisches Echo Felix A. Theilhaber. „Der Untergang der deutschen Juden“. Zweite verbesserte Auflage. Jüdischer Verlag, Berlin N. W. 7. (geh. Mk. 26.—, br. Mk. 20.—.) Zu haben in der Ewer-Buchhandlung, Wagmüllerstraße 19. Als dieses Werk im Jahre 1911 zum ersten Male erschien, hat es ungeheures Aufsehen, in manchen Kreisen einen Sturm der Entrüstung erregt. Jeder empfand, daß der Verfasser in diesem Buche eines der heikelsten aber auch wichtigsten Probleme des modernen Judentums angeschnitten hatte. Die Auflage war binnen kurzer Zeit vergriffen und infolge persönlicher Inanspruchnahme des Verfassers konnte eine Neuauflage zunächst nicht erscheinen. In der letzten Zeit hat der Verfasser das Werk nun einer Neubearbeitung unterzogen H. ULLMANN Httnchen, Baaderplatz 1/1, Tel. 25904 Spezialität: Laboratorium für feine Zahntechnik