Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 52 (30.12.1921)
- Article
- Original - Ungeschnitten
- Date
- 1921-12-30
- Page
- [Seite] (sequence 105)
- Language
- German
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Nr. 49 Das Jüdische Echo 631 1. Eine Sozialpolitik für die Ostjuden in Deutschland muß gleichzeitig: sein eine wahrhaft jüdische Politik. Sie muß ganz bewußt Einfluß nehmen auf die Gesetzgebung, insbesondere auf die Ausländergesetzgebung und das Arbeitsrecht, ein Ziel, das nur erreicht werden kann durch Zusammenfassung möglichst der gesamten jüdischen Öffentlichkeit. 2. Demgemäß ist in weiterer Ausführung dieser Politik die Verwaltungspraxis dier unteren Behörden dauernd zu überwachen. Entsprechende Uberwachungsorganisationen für rechtliche Hilfe sind notwendig und zu schaffen. 3. Eine fruchtbare Wohlfahrtspflege muß sozialpolitisch betrieben werden, d. h. kann keine Philanthropie bleiben, sondern muß Arbeitsbeschaffung, also Produktivierung bedeuten. 4. Ergänzend muß die private Fürsorge hinzutreten, die die Einzelsorge in dem notwendigen Maße ausbaut. Eitn solches Programm ist naturgemäß nur durchführbar, wenn die deutsche Judenheit restlos für seine Verwirklichung eintritt. Es ist undurchführbar, wenn erhebliche Teile der deutschen Judenheit sich diesem Werk entziehen, und zwar undurchführbar sowohl vom finanziellen als auch vom politischen Standpunkt aus. Die deutsche Judenheit sollte sich bewußt sein, daß das, was sich heute in sehr weiten Kreisen immer noch unbemerkt vor ihren Augen abspielt, das Schicksal der Ostjuden in Deutschland, nur ein Teil jenes allgemeinen Judenschicksals ist, das heute aus „Ostjuden“ „Westjuden“ und morgen den „Westjuden“ zum heimatlosen Flüchtling macht, der in der Welt herumirrt, um bei seinen jüdischen Brüdern Hilfe zu suchen. Die ungarische Judenheit, die nationalen Magyaren jüdischen Glaubens, haben vielleicht am schrecklichsten erfahren, wie wenig gerade Assimilation hilft, tiefe Gegensätze von Volk zu Volk zu überwinden. (Ziko.) Die Aufgaben des zionistischen Wirtschaftsrates Von Isaak N a i d i t s c h, Vorsitzenden des Wirtschaftsrats der Zionistischen Weltorganisation. Auf dem XII. Zilonistenkongreß wurde der Beschluß gefaßt, einen Wirtschaftsrat zu schaffen, der im Einvernehmen mit der Zionistischen Exekutive arbeiten soll. Die Aufgaben eines solchen Wirtschaftsrates konnten im Permanenzausschuß nur im einzelnen festgesetzt werden. Das Plenum des Kongresses begnügte sich mit der Information, daß der Wirtschaftsrat sich mit allen finanziellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten der Zionistischen Organisation befassen werde und sanktionierte seine Schaffung. Es ist daher notwendig, die Gründe darzulegen, die zur Schaffung dieses neuen Komitees führten, wie es notwendig ist, die Aufgaben des neuen Rates klarzustellen. Die zionistische Bewegung hat eine teilweise Verwirklichung ihrer politischen Bestrebungen durch die politische Anerkennung des Rechtes des jüdischen Volkes auf Palästina mit der Balfour-Deklaration und mit dem Beschluß von San Remo erreicht; wir sind auch von allen Völkern und nationalen Gruppen anerkannt worden. Es ist klar, daß uns die Rechte einer Nation, die uns von allen Staaten zugebilhgt wurden, nicht mehr genommen werden können. Durch die Verwirklichung dieses Teiles unseres politischen Zieles entstand für uns ein ganz neues Problem, nämlich wie dieses abstrakte Recht in ein konkretes zu verwandeln und wie die Arbeit für den schnellen Aufbau Palästinas zu gestalten sei. Bei Völkern, die wohl ihre nationale Selbständigkeit, nicht aber ihren Boden verloren haben, bringt ein politischer Erfolg, wie die Verwirklichung nationaler Ideale, keine so komplizierten Probleme hervor wie itn unserem Falle. Diese Auffassung wurde uns in den letzten Jahren wiederholt bestätigt. Kaum wird bei solchen Völkern das nationale Ideal verwirklicht, so verschwinden seine Träger; hier und da werden sie höchstens als dekorative Figuren herangezogen. Tatsächlich aber wiird ihre Stelle von den Männern der Praxis eingenommen, die den Staatsapparat leiten. Unsere Lage ist wesentlich anders. Da wir keinen eigenen Boden besitzen und überall hin verstreut sind, kann man bei uns die Ideologen nicht so leicht von den Praktikern trennen. Aus diesem Grunde hat auch H e r z 1 so großes Gewicht auf den Geist und die Kraft der Massen gelegt. Und gerade diese Kraft müssen wir heute mehr haben denn je. Wir müssen die Organisierung des Volkswillens fortsetzen; denn nur durch den organisierten V o 1 k s w i 11 e n wird es möglich sein, die materiellen Grundlagen für den Aufbau Palästinas zu schaffen. Es ist jedoch klar, daß der Zionismus nicht im beschränkten Rahmen politischer und organisatorischer Betätigung verbleiben kann. Durch den politischen Erfolg hat auch das ganze Antlitz der Zionistischen Organisation eine Wandlung erfahren. Der ins Riesenhafte angewachsene Apparat der Organisation hat eine Wirtschaftsinstitution notwendig gemacht, die sich ausschließlich miit finanziellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten befaßt. Die natürliche Voraussetzung war die Hinzuziehung von Fachmännern, denen die Arbeit der neuen Institution anvertraut werden konnte. Schon auf der Londoner Konferenz wurde diese schwierige und dringende Frage behandelt, und Oberrichiter Brandeis machte den Versuch, eine Art Wirtschaftsrat zu schaffen, der sich ausschiteßlich mit dem wirtschaftlichen Aufbau Palästinas befassen sollte. Er ging dabei von der Annahme aus, daß die Beschlüsse von San Remo den Gesamtkomplex der zionistischen Probleme wesentlich beeinflußt hätten. Brandeis wollte neue Männer heranziehen — ein Wunsch, den wir alle teilten —; aber er verlangte, daß die neuen Leute auch die faktischen Führer der zioni- Wer sich geschmackvoll kleiden will, der besuche die Hussteilungs- und Verkaufsräume der Pirma Hdalbert Schmidt Kgl. bayer. Hoflieferant München, Residenzstrasse 6 V Feine Herren- und Damenschneiderei nach Mass