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Das jüdische Echo · 1921-12-30 · 52 (30.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
52 (30.12.1921)
Article
Original - Ungeschnitten
Date
1921-12-30
Page
[Seite] (sequence 47)
Language
German
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 573 voll zeugten hatte, teils zum Hohne für ihre bisherigen. teils zur Mahnung für ihre künftigen Brüder den wohlklingenden Namen: „Harm o n i e.“ Die „Harmonie“ zu Schöppenstedt wurde schon bei der Beratung der Statuten auf eine harte Probe gestellt. Alle ohne Unterschied der Geburt, des Standes und der Religion waren sich zwar darüber einig, daß für Handwerker, Arbeiter und ähnliches „Volk“, das sich weder durch Bildung noch durch Besitz auszeichnet, in ihrer Harmonie kein Raum sei. Auch darüber, daß nur ein Mann von echtem, alten Adel, wenn auch bescheidenen Mitteln, sich zum Vorstand der „Harmonie“ eigne, herrschte volle Übereinstimmung. Erst bei Erörterung der Judenfrage platzten die Geister auf einander und zwar so heftig, daß die ganze Harmonie darüber in die Brüche zu gehen drohte. Es gab in Schöppenstedt nur eine kleine, aus etwa hundert Familien bestehende Judengemeinde. Dieser konnte man eine gewisse Bodenständigkeit nicht absprechen. Ihre Vorfahren waren schon im Mittelalter in der Stadt ansässig gewesen. Aus dieser vertrieben, hatten sie sich in benachbarten Dörfern unter dem Schutz geistlicher und weltlicher Grundherren in armseligen Verhältnissen behauptet, bis ihnen die Aufhebung aller feudalen Schranken durch dib bürgerliche Revolution die Rückkehr nach Schöppenstedt erlaubte. Hier waren sie rasch zu verhältnismäßigem Wohlstand gekommen und hatten angefangen, sich in Sprache, Sitten und Gebräuchen an die tonangebenden Kreise der Bürgerschaft anzupassen. Sie hatten sich eine prunkvolle Synagoge im heimischen Barockstil gebaut und einen Rabbiner aus der Stadt der reinen Vernunft verschrieben, welcher nach allgemeinem Urteil „fast gar nichts Jüdisches an, sich hatte“. Auch hatten sich bei der Spaltung im „Bürgerverein“ die fünf reichsten Juden mit den übrigen Vertretern von Bildung und Besitz solidarisch verhalten und waren ebenfalls mit Krach ausgetreten. All dieses konnte aber nicht hindern, daß eine sehr starke Partei die Fernhaltung sämtlicher Juden von der „Harmonie“ verlangte, ohne auch nur für diejenigen eine Ausnahme zuzulassen, die sich bei der freiwilligen Feuerwehr hervorgetan hatten. Die fünf jüdischen Sezessionisten kämpften wie Makkabäer um ihre Aufnahme. Sie erklärten, daß ihnen diese ohne Verletzung der heiligsten Menschenrechte und ohne gleichzeitige Erschütterung der Grundfesten aller bürgerlichen Ordnung im allgemeinen und der Schöppenstedter Verfassung im besonderen unmöglich verweigert werden könne. Einer berief sich sogar darauf, daß er aus der jüdischen Kultusgemeinde ausgetreten sei und auch seine Kinder am jüdischen Religionsunterricht längst nicht mehr teilnehmen lasse. Alles vergebens! Selbst die Nichtjuden, welche der jüdischen Minderheit beisprangen, predigten vollkommen tauben Ohren, und die Antisemiten hätten das Feld vollständig behauptet, wenn nicht von einer Seite, von der man sich dessen am wenigsten versehen hätte, im letzten Augenblick ein judenfreundlicher Vermittlungsvorschlag gemacht worden wäre: das Offizierskorps des Schöppenstedter Husarenregiments beantragte, wenigstens solchen Juden, die sich als Träger eines akademischen Titels oder als Inhaber eines königlichen Ordens ausweisen konnten, die Aufnahme nicht grundsätzlich zu versagen. Da der Rabbiner Baruch Engel der einzige Jude in Schöppenstedt war, auf den die genannte Voraussetzung zutraf — er besaß, wie stadtbekannt, den philosophischen Doktortitel und den Meschoresorden fünfter Klasse — war das strategische Ziel dieses überraschenden militärischen Vorstosses leicht zu erraten. Der Rabbiner hatte nämlich neben anderen inneren und äußeren Vorzügen eine sehr schöne Tochter, namens Eugenie. Sämtliche Familienväter, die selbst heiratsfähige Töchter besaßen, bekämpften denn auch den Antrag der Offiziere aufs heftigste. Allein das „Engelskind“, wie die schöne Rabbinerstochter nicht nur im Kasino hieß, genoß auch beim Adel, bei der Bürokratie und bei der Kaufmannschaft beträchtliche Sympathien. So erzielten denn die Offiziere schließlich für ihren juden- oder richtiger jüdinnenfreundliohen Antrag eine, wenn auch knappe Mehrheit, und der Rabbiner von Schöppenstedt wurde als einziges Mitglied seiner Gemeinde in die „Harmonie“ aufgenommen. — Die Juden von Schöppenstedt begleiteten dieses gesellschaftliche Ereignis mit begreiflichem Interesse, aber geteilten Gefühlen. Die im „Bürgerverein“ geblieben waren, fanden es in ihrer Mehr- TSiuThallmaier München JfaeaänerÜr.ld.!j&vzollan&

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