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Das jüdische Echo · 1921-12-30 · 52 (30.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
52 (30.12.1921)
Article
Original - Ungeschnitten
Date
1921-12-30
Page
[Seite] (sequence 46)
Language
German
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572 Das Jüdische Echo Nr. 45 richtes, Entlastung der Varstandschaft, Wahl des Geschäftsführenden Ausschusses und Entgegennahme der Präsentation der von den Gruppen zu entsendenden Mitglieder der Vorstandschaft, Bestimmung der zu leistendien politischen Arbeit und Vorzeichnung der hiebei einzuhaltenden Richtlinien, Erledigung von Anträgen. § 12. Auf Beschluß der Vorstandschaft oder auf Antrag von mindestens drei Gruppen ist ein außerordentlicher Gruppenverbandstag einzuberufen. Für diesen gelten die Bestimmungen für den ordentlichen Gruppenverbandstag sinngemäß. § 13. Zur Deckung der Ausgaben des Gruppenverbandes haben die Gruppen und die ihnen zugezählten Zionisten (§ 1 Abs. 2) einen jährlichen Beitrag zu entrichten. Die Zahlung dieses Beitrages ist Voraussetzung für die Ausübung der Mitgliedschaftsrechte. Über die Höhe des Beitrags beschließt jeweils der Gruppenverbandstag. § 14. Satzungsänderungen können vom Gruppenverbandstag nur mit zwei Drittel Majorität beschlossen werden. § 15. Die Auflösung des Gruppenverbandes kann vom Gruppenverbandsag nur mit zwei Drittel Majorität beschlossen werden und nur mit Zustimmung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland erfolgen. Im Falle der Auflösung fällt das Vermögen des Gruppenverbandes an die Zionistische Vereinigung für Deutschland. § 16. Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr. Unruhen in Jerusalem Der Bericht der Zionist Commission Von der Zionist Commission langte folgendes Telegramm im Zionilstiscnen Büro in London an: Jerusalem, 3. November. „Am 2.November öffneten die Araber ihre Läden nicht. Die Juden taten dies erst, schlossen siie aber um 10 Uhr. Eine Anzahl arabischen Gesindels, zum großen Teil jüngere Leute, rotteten sich zusammen, bewaffnet mit Stöcken und demonstrierten vor dem Jaffa-Tor die Jaffa-Straße entlang zum Postamt. Sie wurden von Polizei begleitet und nach der Haramgegend zurückgedrängt. Während des Tages ereigneten sich viele Angriffe in der Altstadt. 4 Juden. 1 Araber getötet, 39 verwundet, davon wahrscheinlich 25 Juden, 14 Araber. Alle entweder (verstümmeltes Wort) oder geschlagen und am Kopf verwundet, ein jüdisches Haus geplündert. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Spezialgerichte sollen sogleich aburteilen. Nach allgemeiner Meinung waren energischere Maßregeln bei Beginn des Tages nötig. Bis heute Mittag hier Ruhe, aber Stimmung besorgt. Überall sonst wird berichtet, daß Ruhe herrscht Die Zionistische Kommission. Waad Leumi und andere Vertretungskörperschaften fordern Untersuchung, um Verantwortlichkeit für Geschehnisse festzustellen, verlangen, daß Gouverneur Jerusalems inzwischen von der Führung seiner Geschäfte entbunden wird.“ Die letzte am 4. November beim Colonial Office eingegangene Nachricht besagt, daß überall Ruhe herrscht und 40 Verhaftete morgen abgeurteilt werden. Feuilleton Harmonie und Einklang Von Moror Fragt irgend einen Christen- oder Judenmenschen nach dem Unterschied zwischen Harmonie und Einklang, und er wird Euch antworten: „es gibt keinen, außer daß der Einklang einer deutschen, die Harmonie einer fremden Wurzel entstammt.“ So verhält es sich auch in der Tat. Nur in Schöppenstedt liegt die Sache anders. Dort ist nämlich dile Harmonie bodenständig und der Einklang fremdwurzelig, und Jedermann muß sich darum hüten, die beiden auf eine Stufe zu stellen. Aber in Schöppenstedt ist, wie man weiß, überhaupt alles eitn wenig verkehrt und anders, als anderswo. Noch vor einem Menschenalter konnte man auch im Schöppenstedt den Unterschied zwischen Harmonie und Einklang kecklich leugnen, ohne darum im „Anzeiger“ für einen „schlechten Bürger“, „Schädling“ und „Landesverräter“ erklär zu werden. Jedermann gehörte damals dort noch dem „Bürgerverein“ als mehr oder weniger ordentliches Mitglied an. Man schwärmte für „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ und kannte keine Klassen, keine Rassen und keime Kassen mehr. Je voller dann aber diese letzteren bei einigen Bevorzugten wurden, um so leerer wurden deren Gefühle für den „Bürgerverein“. Sie fanden, daß er für sie nachgerade zu „gemischt“ werde und schritten daher eines Tages im Bunde mit dem Adel, dem Offizierkorps und der höheren Beamtenschaft zur Gründung einer neuen, exklusiven Gesellschaft. Dieser gaben sie, da sich ihr Austritt aus dem Bürgerverein nicht ohne einigen Zank und Stank 5 5, L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass Nr. 45 573 Das Jüdische Echo vollzogen hatte, teils zum Hohne für ihre bisherigen, teils zur Mahnung für ihre künftigen Brüder den wohlklingenden Namen: „Harm o n i e.“ Die „Harmonie“ zu Schöppenstedt wurde schon bei der Beratung der Statuten auf eine harte Probe gestellt. Alle ohne Unterschied der Geburt, des Standes und der Religion waren sich zwar darüber einig, daß für Handwerker, Arbeiter und ähnliches „Volk“, das sich weder durch Bildung noch durch Besitz auszeichnet, in ihrer Harmonie kein Raum sei. Auch darüber, daß nur ein Mann von echtem, alten Adel, wenn auch bescheidenen Mitteln, sich zum Vorstand der „Harmonie“ eigne, herrschte volle Übereinstimmung. Erst bei Erörterung der Judenfrage platzten die Geister auf einander und zwar so heftig, daß die ganze Harmonie darüber in die Brüche zu gehen drohte. Es gab in Schöppenstedt nur eine kleine, aus etwa hundert Familien bestehende Judengemeinde. Dieser konnte man eine gewisse Bodenständigkeit nicht absprechen. Ihre Vorfahren waren schon im Mittelalter in der Stadt ansässig gewesen. Aus dieser vertrieben, hatten sie sich in benachbarten Dörfern unter dem Schutz geistlicher und weltlicher Grundherrem in armseligen Verhältnissen behauptet, bis ihnen die Aufhebung aller feudalen Schranken durch di& bürgerliche Revolution die Rückkehr nach Schöppenstedt erlaubte. Hier waren sie rasch zu verhältnismäßigem Wohlstand gekommen und hatten angefangen, sich in Sprache, Sitten und Gebräuchen an die tonangebenden Kreise der Bürgerschaft anzupassen. Sie hatten sich eine prunkvolle Synagoge im heimischen Barockstil gebaut und einen Rabbiner aus der Stadt der reinen Vernunft verschrieben, welcher nach allgemeinem Urteil „fast gar nichts Jüdisches an,, sich hatte“. Auch hatten sich bei der Spaltung im „Bürgerverein“ die fünf reichsten Juden mit den übrigen Vertretern von Bildung und Besitz solidarisch verhalten und waren ebenfalls mit Krach ausgetreten. Ali dieses konnte aber nicht hindern, daß eine sehr starke Partei die Fernhaltung sämtlicher Juden von der „Harmonie“ verlangte, ohne auch nur für diejenigen eine Ausnahme zuzulassen, die sich bei der freiwilligen Feuerwehr hervorgetan hatten. Die fünf jüdischen Sezessionisten kämpften wie Makkabäer um ihre Aufnahme. Sie erklärten, daß ihnen diese ohne Verletzung der heiligsten Menschenrechte und ohne gleichzeitige Erschütterung der Grundfesten aller bürgerlichen Ordnung im allgemeinen und der Schöppenstedter Verfassung im besonderen unmöglich verweigert werden könne. Einer berief sich sogar darauf, daß er aus der jüdischen Kultusgemeinde ausgetreten sei und auch seine Kinder am jüdischen Religionsunterricht längst nicht mehr teilnehmen lasse. Alles vergebens! Selbst die Nichtjuden, welche der jüdischen Minderheit beisprangen, predigten vollkommen tauben Ohren, und die Antisemiten hätten das Feld vollständig behauptet, wenn nicht von einer Seite, von der man sich dessen am wenigsten versehen hätte, im letzten Augenblick ein judenfreundlicher Vermittlungsvorschlag gemacht worden wäre: das Offizierskorps des Schöppenstedter Husarenregiments beantragte, wenigstens solchen Juden, die sich als Träger eines akademischen Titels oder als Inhaber eines königlichen Ordens ausweisen konnten, die Aufnahme nicht grundsätzlich zu versagen. Da der Rabbiner Baruch Engel der einzige Jude in Schöppenstedt war, auf den die genannte Voraussetzung zutraf — er besaß, wie stadtbekannt, den philosophischen Doktortitel und den Meschoresorden fünfter Klasse — war das strategische Ziel dieses überraschenden militärischen Vorstosses leicht zu erraten. Der Rabbiner hatte nämlich neben anderen inneren und äußeren Vorzügen eine sehr schöne Tochter, namens Eugenie. Sämtliche Familienväter, die selbst heiratsfähige Töchter besaßen, bekämpften denn auch den Antrag der Offiziere aufs heftigste. Allein das „Engelskind“, wie die schöne Rabbinerstochter nicht nur im Kasino hieß, genoß auch beim Adel, bei der Bürokratie und bei der Kaufmannschaft beträchtliche Sympathien. So erzielten denn die Offiziere schließlich für ihren juden- oder richtiger jüdinnenfreundliohen Antrag eine, wenn auch knappe Mehrheit, und der Rabbiner von Schöppenstedt wurde als einziges Mitglied seiner Gemeinde in die „Harmonie“ aufgenommen. — Die Juden von Schöppenstedt begleiteten dieses gesellschaftliche Ereignis mit begreiflichem Interesse. aber geteilten Gefühlen. Die im „Bürgerverein“ geblieben waren, fanden es in ihrer Mehr- Ts?auThallmaier München JheaüneFÜr.lö. <5Jnsor

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