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Das jüdische Echo · 1921-09-09 · 36 (9.9.1921) · p. Seite 441

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
36 (9.9.1921)
Date
1921-09-09
Page
Seite 441 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 36_ .9 September 1921 8. Jahrgang Das Palästina-Mandat dem Völkerbund vor gelegt. Karlsbad. Die englische Regierung veröffentlicht den redigierten Text des Palästina- Mandats, wie er gestern dem Völkerbundsrat vorgelegt wurde. In dem neuen Entwurf ist nur eine wesentliche Änderung vorgenommen, welche die Einbeziehung des transjordanischen Landes in das Mandatsgebiet betrifft. Das Kongreßbild. Die Kongreßvorbereitungen ließen erwarten, daß der Kongreß die machtvolle 'Kundgebung des nationalen Judentums der ganzen Welt werden wird, aber alle Erwartungen sind durch die Zahl der Delegierten und. Teilnehmer übertroffen und der Kongreß leidet außerordentlich unter Raummangel, sodaß viele Hunderte von Zuhörern, die in der Hoffnung, doch noch einen Platz zu bekommen, nach Karlsbad kamen, während der ersten Sitzungen überhaupt in den Kongreßsaal nicht gelangen konnten. Die größte innere Schwierigkeit des Kongresses bestand anfangs in der mangelnden Gliederung der Richtungen und Parteien. Zwischen der „Poale Zion“, welche diie sozialistische Linke bildet und dem „Misrachi“, die man, wenn auch nicht im Sinne des europäischen Parlamentarismus, vor allem nicht im sozialen Sinne als die Rechte ansehen konnte, steht der große Teil der Delegierten, die nur in ihren Landsmannschaften zusammengeschlossen sind, ohne nach sonstigen Parteien gegliedert zu sein. Es ist ein außerordentliches Verdienst des Führers der österreichischen Zionisten, Ingenieur Stricker, (wie Weitzmann sagt, sogar die Rettung des Kongresses), daß der größte Teil dieser nicht nach Parteien gegliederten Delegierten in den allgemeinen „Zionistenblock“ zusammengefaßt wurde, den man etwa als die demokratische. bürgerliche Partei bezeichnen kann und der zweifellos das Rückgrat des Kongresses bildet. Die ersten Tage des Kongresses befaßten sich in einer ausführlichen Generaldebatte mit der nach Sjähriger Pause so nötigen Aussprache über das bisher Geschehene. Der wichtigste Teil, die Richtung der künftigen Arbeiten, liegt noch vor uns. Die Generaldebatte. Julius Simon: Weizmann hat in seiner Rede auf der Cleveland-Konvention mit einer heftigen Kritik meiner Tätigkeit ausgeführt, daß sie resultatlos geblieben war, daß meine Reise nach Amerika erfolglos blieb, weil ich mit falschen Anschauungen vom amerikanischen Judentum zurückkehrte. Dieses summarische Urteil muß ich dahin modifizieren, daß der Finanzplan von einem Kollegium erster Sachverständiger geprüft und gutgeheißen war und daß alle getroffenen Vorbereitungen nur an dem Widerstand meiner Kollegen und an äußeren Umständen scheiterten. Was das Palästina-Amt als seine Aufgabe betrachtete, war nur die Schaffung der Grundlagen für die spätere Kolonisationsarbeit, das heißt die Formulierung und Begründung der Immigrationspolitik und der Bodenpolitik im Mandatsvertrage. In London geschah, was möglich war. Dies aber war zu ergänzen in Palästina, besonders auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Kolonisation. Daswichtigste Ergebnis, das ich gewonnen habe, ist, daß Palästina von London aus nicht gemacht werden kann. Zu dem Berichte der Reorganisationskommission (Simon, de Lieme) haben sich bis jetzt für die zionistische Kommission vier Personen geäußert. Der Kongreß wird wohl in erster Linie an den Antworten Ruppins und Ussischkins interessiert sein. Die Zukunft wird beweisen, wer mehr für die Erhaltung des Schulwesens besorgt war, diejenigen, die ihm feste Einnahmequellen zu verschaffen suchten, oder diejenigen, die es einem Hasardspiel aussetzen wollten. Es ist eine Entstellung, wenn die Sache so dargestellt wird, als hätten wir versuchen wollen, die ganze Schullast auf die Schultern des „Jischuw“ zu legen. Unsere Kritik in Bezug auf die landwirtschaftliche Kolonisation gipfelte darin, daß wir dem System der vollen Ausrüstung des landwirtschaftlichen Arbeiters zufeibe zu gehen versuchten. Auch Ruppin meinte in seiner Antwort, daß dies im Wesen das richtige ist, doch sei es wegen der wirtschaftlichen Lage der Ansiedler undurchführbar. Die ganze Frage kulminiert darin, ob es für den Arbeiter in Palästina möglich ist, Ersparnisse zu machen. Damit steht und fällt die ganze landwirtschaftliche Kolonisation. (Zwischenruf: Es ist möglich!) Ruppin führt auch die arabischen Löhne an und meint, daß derjenige, der gezwungen ist, mit arabischen Taglöhnern zu konkurrieren, unmöglich Ersparnisse machen kann. Nun ging unser Vorschlag nach der kaufmännischen Seite, und zwar hatten wir die Absicht, landwirtschaftliche Arbeiter in Kooperativen zusammenzuschließen, aber nicht nach dem Schein der Kooperative wie in der Kwuzah, sondern wie beim Straßenbau. Vor allem muß aber die ganze Administration gründlich reformiert werden. Das ist der Unterschied unseres Systems. Sie wollen den Ansiedler versorgen, wir strebten danach, ihn kreditfähig zu machen. Dem Vorschlag Ruppins auf Errichtung einer Einkaufsgenossenschaft treten wir sehr zögernd nahe und ich glaube, daß dieser Plan noch einer genauen Revision bedarf. Ich habe dies auch die Amerikaner wissen lassen. Wenn wir von der Trennung der ökonomischen von den nichtökonomischen Funktionen sprechen, meinen wir etwas anderes als Ruppin. Ihm schwebt einzig und allein Aktionsfreiheit für seine Person vor, uns liegt aber an einer scharfen Scheidung der Form mit der ausgesprochenen Tendenz, die Ausgaben für im ökonomische Zwecke abzubauen. Palästina kann aufgebaut werden mit einem Mindestmaß an nichtökonomischen Ausgaben, es gibt planmäßige Kolonisation, das heißt, daß man die strengsten Grundsätze bewahrt in Bezug auf

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