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Das jüdische Echo · 1921-08-19 · 33 (19.8.1921) · p. Seite 405

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
33 (19.8.1921)
Date
1921-08-19
Page
Seite 405 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 33 19. August 192t 8. Jahrgang Symptome. Alpenverein. Die Sektion Austria, eine der größten des deutschen und österreichischen Alpenvereins, für Wien etwa das, was hier die Sektion München bedeutet, hat vor einiger Zeit einen Arier-Paragraphen in ihr Statut aufgenommen und die zahlreichen) jüdischen Mitglieder hinausgeworfen. Wir verfolgten die Angelegenheit mit Interesse. Der „Hauptausschuß“, die Leitung des Gesamtvereins ließ uns auf unsere Anfrage nach seiner Stellung dazu wissen, daß die Sektionen autonom seien. In einer so prinzipiellen Angelegenheit erschien uns diese Erklärung nicht ausreichend, aber es schien uns geboten, die weitere Entwickelung abzuwarten. Die hinausgeworfenen Juden gründeten, vielleicht mit einigen Nichtjuden, die Sektion Donauland in Wien. Da zeigte sich die Inkonsequenz — oder vielmehr die Konsequenz des Hasses, die auch dazu gelangt, die jüdische Palästinaarbeit anzufeinden — der Völkischen. Statt zufrieden zu sein, daß die jüdischen Bergsteiger sich zusammengetan und die arischen Sektionen nicht behelligen, liefen sie Sturm gegen Zulassung der Sektion Donauland durch die Hauptleitung und die soeben abgeschlossene Tagung des Alpenvereins. In Augsburg entwickelte sich aus dieser Angelegenheit ein Sturm, wie ihn der Alpenverein kaum je erlebte. Was will es bedeuten, daß er formell beigelegt wurde, da sonst die Geschäftsführung des A. V. gefährdet wäre? In der Sache haben die Völkischen einen vollen Sieg errungen und wir haben die Tatsache zur Kenntnis zu nehmen, daß sie nun auch im Alpenverein dominieren. Der Hauptausschuß hat mit seiner Auffassung, daß alles was nicht dem alpinen Zweck diene ausgeschaltet bleiben müsse, eine eklatante Niederlage erlitten. Sein Antrag wurde mit 540 von 623 Stimmen abgelehnt, wobei Mitglieder des Hauptausschusses eine Anzahl Stimmen für den Antrag abgegeben hatten. Daß ein derartiger Einfluß unmöglich würde, bestimmte dann ein Beschluß, wonach Hauptausschußmitglieder auf den Tagungen künftig nicht mehr als Stimmführer ihrer Sektionen auftreten dürfen. Daß der H.-A. nach diesen „Erfolgen“ im Amte blieb, ist seine Sache. Für uns bleibt die traurige Tatsache zu verzeichnen, daß ein Verband, dessen Aufgabe so völlig unpolitisch ist, wie man ihn selbst als frei von Politik ansehen konnte, nun ganz unter die Botmäßigkeit der antisemitischen Hetzer geraten ist. Man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein. Wie lange wird es noch dauern, bis das Edelweiß als Alpenverein szeiohen dem Hakenkreuz Platz gemacht hat und den jüdischen Alpenwanderer, der in einer Hütte Schutz vor Wetter und Sturm sucht, ein Schild grüßt „Juden ist der Eintritt verboten“? Was sagen die deutschnationalen Assimilationsjuden, die gerade im Alpenverein sehr häufig sind und in ihm ihren Hort sahen, dazu? Machen sie sich immer noch über die jüdischnationalen Organisationen lustig, die u. a. der körperlichen Ausbildung und Entwicklung unter den Juden ohne Aufgabe der jüdischen Selbstachtung dienen? Wir fordern die jüdischen Alpenvereinsmitglieder und besonders die im Sektionsleben tätigen auf, der jüdischen Öffentlichkeit zu erklären, wie sie künftig im Alpenverein ihre Würde — unsere Würde als Juden zu wahren gedenken. — Simplizissiraus. Es gewährt ein trauriges Bild geist£ger Verkümmerung, wenn man die alten Jahrgänge des einst so hochstehenden Blattes durchblättert und sie mit seinem jetzigen Niveau vergleicht: „Welch edler Geist ward hier zerstört.“ Na ja, Ludwig Thoma findet den „Miesbacher Anzeiger“ erfreulich. Wenn man dem Thoma von heute den Spiegel des Thoma von früher vorhält, so erklärt er bieder, er habe eben etwas gelernt. Den „Miesbacher Anzeiger“ als ein erfreuliches Geistes-Erzeugnis empfinden, selbst bei passender und unpassender Gelegenheit zu antisemitein und anderes hat er gelernt. Der Simplizissimus so ähnlich. Er hat sich dem in München herrschenden Geist angepaßt und bildet eine passende Ergänzung der „großen“ Münchener Presse. Daß er bei passender und unpassender Gelegenheit antisemitelt, versteht sich. Wo sollten sonst bei dem Witz alle Witze herkommen. Neuerdings bringt er eine Serie münchnerisch interessante „Berliner Bilder“ von Karl Arnold. Natürlich müssen diese durch Judentypen bereichert werden. Wie heißt es doch? „Berliner Judenregierung.“ In der letzten Nummer finden wir aber Bild VI „Grenadierstraße“. Es ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit und der Tiefpunkt in der Entwicklung des Simplizissimus. Bayerische Justiz. Den Käsehändler Rosenbaum in Memmingen, der auf Veranlassung des Pöbels verhaftet und nach seiner Verhaftung vom Pöbel schwer mißhandelt wurde, ist mit einer Schnelligkeit und Gründlichkeit abgeurteilt worden, die sonst in Bayern und bei den ihm zur Last gelegten Straftaten nicht üblich ist. Aber freilich, man mußte doch zeigen, daß man den Juden nicht grundlos verhaftet hatte und die von den Hakenkreuzlern zum Kochen gebrachte Volksseele soll ihr Opfer haben. Der Haftbefehl wurde allerdings nicht aufrechterhalten, da kein Fluchtverdacht vorliegt. Weshalb dann die Verhaftung o Justitia? Die russische Gefahr. Hunger und Seuchen bedrohen die Grundlage der sozialen und! staatlichen Ordnung in Rußland. Die Hilfe, welche nottut um zu retten, was noch zu retten ist, kann die Sowjetmacht, aller Hilfsmittel in einem durch ihr Wirtschaftssystem gänzlich ruinierten Lande bar, von außen feindlich umdrängt und im Innern vor gänzlich versiegten Produktionsquellen hilflos, nicht leisten. Der kapitalistische Widerpart des Bolschewismus im europäischen Westen und in Amerika stellt wohl Hülfe in Aussicht. Aber diese wird — schon um der so lang ersehnten und oft erstrebten endgültigen Niederringung des Bolschewismus willen — sicher keine durchgreifende sein. Es ist nun mehr als wahrscheinlich, daß iki dieser Elementarkatastrophe von ungeheurem Umfang die

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