Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 30 (29.7.1921)
- Date
- 1921-07-29
- Page
- Seite 369 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 30 29. Juli 1921 8. Jahrgang Die Ergebnisse der Ä. C.-Sitzung. Die in Prag erscheinende „Selbstwehr“ bringt in ihrer Nummer vom 22. VII. einen interessanten Aufsatz über die Ergebnisse der A.-C.-Sitzung, dem wir folgendes entnehmen : Der charakteristische Eindruck der Prager A.-C.-Sitzung war: Ernst und Verantwortungsgefühl. Mit Recht konnte dies der Vorsitzende Dr. Motzkin am Schlüsse der Tagung konstatieren und mit Recht durfte er feststellen, daß sich die Debatten auf einem hohen Niveau bewegt haben. Es war aber nicht etwa ein trauriger, oder ein pessimistischer Ernst; es war ein Ernst mit dem klaren Ton der Hoffnungsfreudigkeit und der Sicherheit. Man spürte: Ungeheuer sind die Schwierigkeiten, mit der unsere Bewegung zu kämpfen hat. Aber das Bewußtsein der Kraft ist da, alle diese Hindernisse zu nehmen. Denn alles was geschieht, mag es an sich noch so böse sein, vermag einer starken Bewegung zur Quelle neuen Aufstieges zu werden. Das Versagen der amerikanischen Organisation hat eine Kraftanstrengung der Führer, aber auch — als wunderbare Antwort darauf — in den jüdischen Massen Amerikas hervorgezaubert, diie uns die Morgenröte eines neuen Zionismus in Amerika anzeigt Und die Unglücksfälle in Palästina erfüllen uns mit der Entschlossenheit, unser Recht zu verteidigen — unsere Pflicht durchzusetzen und mit eindringlicher Energie vor der Welt, und vor allem vor der englischen Regierung unsere Forderung zu erheben: Genug der Deklarationen, nun ists höchste Zeit, zu tun! Das waren auf der Sitzung die beiden Brennpunkte der Referate, der Debatten und der Resolutionen: New York und Jaffa. Weitzmann berichtete über seine Amerikafahrt. Er wies auf den tiefen Gegensatz zwischen der Führung der Weltorganisation und der Gruppe Brandeis-Mack hin: daß letztere das ganze Palästinawerk als ein rein wirtschaftlich zu behandelndes Kolonisationswerk betrachtet wissen wollen, während der Zionismus, wie er sich in Europa durch die jahrzehntelange gedankliche Arbeit seiner großen Geister und durch die innere Entwicklung des jüdischen Volkes herausgebildet hat, nationale Renaissance, Volksbewegung, Kulturtat ist. Diesem tiefen Gegensatz gegenüber sind alle übrigen Differenzen zwischen Weizmann und Brandeis unwesentlich. Weizmann führte aus, wie viele der bisherigen Führer des amerikanischen Zionismus genau die Mentalität haben, die wir bei uns bei den Assimilanten bekämpfen. Auch bei uns wollen viele Juden, welche dem Aufbau Palästinas günstig gesinnt sind, von nationale; Renaissance nichts wissen; nur heißen sie nicht Zionisten. Das Wesentlichste ist, daß die zionistischen Führer dieser Färbung bei den Massen der amerikanischen Juden gar keinen Einfluß hatten, daß sie keine Möglichkeit hatten, auf die amerikanische Judenheit erfolgreich einzuwirken, so daß auch ihre mit so viel Emphase verkündeten wirtschaftlichen Pläne fehlschlugen. Darum bedeuten die Beschlüsse der amerikanischen Zionisten in Cleveland, welche die Demission der bisherigen Führer zur Folge hatten, einen wunderbaren Gesundungsprozeß des amerikanischen Zionismus. Weizmann erzählte begeistert von den jüdischen Massen Amerikas, von ihrer zionistischen Bereitschaft, von ihrer latenten nationalen Kraft. Weitzmann versprach dem A.-C., daß unter der Bedingung, daß die zionistische Arbeit in Amerika in der richtigen Weise von Männern, welche zum Volke zu reden verstehen, fortgesetzt wird, und daß in Palästina absolute Ordnung gemacht wird, der Keren-Hajessod durch die amerikanische Mitwirkung in kürzester Zeit geschaffen sein wird. Ausführlicher war die Resolution, die sich auf die außenpolitische Lage des Zionismus bezog: Sie gipfelte in den Forderungen: Strenge und gerechte Bestrafung der Schuldigen, Reorganisation des palästinensischen Beamtenstandes, Abschaffung aller Einwanderungsbeschränkungen, Reform der Polizei, endgültige Bestätigung des Mandats. Dazu kommt dann der von Jabotinski beantragte Auftrag an die Exekutive, die Bemühungen um Wiederherstellung der jüdischen Legion fortzusetzen. Das ist das politische Programm, welches das A.-C. der Exekutive für ihre Verhandlungen mit der englischen Regierung mit auf den Weg gibt. Das ist die Meinung des jüdischen Volkes, welche Weizmann und Sokolow dem englischen Minister berichten sollen. Und es ist keine Frage, daß Weitzmann nach allem, was er gesagt hat, diese Forderungen mit der nötigen Energie vertreten wird, und daß gerade die traurigen Ereignisse der letzten Zeit den Boden vorbereitet haben, und uns die Möglichkeit und das Recht und die Pflicht geben, vor England hinzutreten und restlose Erfüllung dieses Versprechens zu verlangen. Freilich — es sind nur Resolutionen, die das A.-C. beschließen konnte. Aber diese Resolutionen sind keine theoretischen Lehrsätze, sondern sind größtenteils einstimmig angenommen, die Meinung der .gesamten zionistischen Organisation, der Wille vieler Millionen Juden aus der ganzen Welt. Der Wille, der gerechte, sittlich tief begründete Wille des jüdischen Volkes, die Erkenntnis, daß Palästina heute für die Juden eine Notwendigkeit ist, — das ist unsere Kraft, und sie wird umso besser wirken, einen je besseren, klareren, durchschlagenderen Ausdruck sie sich zu schaffen vermag. Die Beschlüsse des großen A.-C. der zionistischen Weltorganisation sind ein solcher Ausdruck. Größer, bedeutsamer, mächtiger wird die Stimme des jüdischen Volkes sein, die vom Kongreß aus in die Welt ertönen wird. F. W. Beschlüsse des Zionistischen Ä.-C. Resolution zum Palästinabudget: In Anbetracht der Dringlichkeit beschließt das A.-C. folgende Summen des Budgets schon jetzt zu bewilligen: 1. 100 000 £ für eiine Hypothekenbank; 2. die für die laufenden Ausgaben benötig-