Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 29 (22.7.1921)
- Date
- 1921-07-22
- Page
- Seite 357 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103024-9144854--04209-9077034- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Das Jüdische Echo Nummer 29 22. Juli 1921 8. Jahrgang Die Tagung des zionistischen Aktionskomitees in Prag, Während der vorigen Woche war das große zionistische Aktionskomitee in Prag versammelt. Eine eingehende Würdigung der bedeutungsvollen Tagung werden wir bringen, sobald uns der Bericht der letzten Sitzung und der Beschlüsse vorliegt. Die Sitzung wurde Sonntag, den 10. Juli im Logenhause in Prag eröffnet. Bis zur Stunde der Eröffnung sind1 etwa 40 Mitglieder des Aktionskomitees eingetroffen. Anwesend waren: Weizmann, Sokolow. Ussischkin, Warburg, Jabotinsky, Cowen, Ruppin, Romano, Kaplan, Kremenetzki. Berl, Katznelson, Rubaschoff, Rosenbaum. Rosenblüth, Reich, Spitzer, Schwalbe, Sprintzak, Stricker. Schweiger, Mereminsky. Markus. Naiditsch, Finkeistein. Finzi, Thon, Twerski, Temkin, Trietsch, Jakobsohn, Ca'leb, Löwe, Lewin (Kanada), Lewite, Locker, Landmann, Lauterbach, Lichtheim. Motzkin, Machower, Id'elsohn. Böhm, Bogradschow, Bodenheimer, Blumenfeld. Braude. Bergmann. Berger, Goldschmidt, Grünbaum, Granowsky, Groß, Halpern, Hantke, Hefter, Leo Herrmann, Jean Fischer, Struck, Voß. Prof. Pick. Um 10 Uhr vormittags eröffnet der Vizepräsident des A.-C. Prof. Warburg die Sitzung. Nach Verlesung mehrerer Begrüßungstelegramme abwesender A.-C.-Mitglieder ergreift das Wort Sokolow, um in hebräischer Ansprache zunächst der in Palästina Gefallenen zu gedenken. Sodann erstattet er sein Referat über die politische Lage in Palästina und bespricht die Ereignisse in Jaffa und die Überfälle auf die Kolonien. Er erklärte, daß die arabische Frage, so schwierig sie auch in diesem Augenblicke erscheinen mag, zu lösen und ein Modus vivendi mit den Arabern zu finden sei. „Wir müssen verstehen, daß von dieser Frage alle anderen Dinge abhängen und wir müssen bereit sein, dafür große Opfer zu bringen. Oberkommissär Samuel sei über die Forderungen und Wünsche der zionistischen Organisation genau informiert, er habe jedoch bestimmte politische Anschauungen, die ihm seine Handlungsweise vorschireiben. Wir haben viele seiner Maßnahmen in der letzten Zeit scharf kritisieren und bekämpfen müssen, aber trotzdem müssen wir verstehen, zwischen Person und Progratnm zu unterscheiden. Im weiteren Verlaufe seiner Rede berichtet Sokolow auch über den Gang der Untersuchung und die Haltung der Justizbehörde. Es ist vor allem die Maschine des Justizwesens so, daß unsere Forderung nach exemplarischer Bestrafung auf allerlei Hindernisse stößt. Auf seiner Rückreise hat Sokolow in Paris interveniert und auch beim Völkerbund über die Lage in Palästina Bericht erstattet. Nach dem mehr als vierstündigen Referate Sokolows erstattet L i c h t h e i m Bericht über die Vorbereitung des Kongresses und das neue Organisationsstatut. Für das neue Organisationsstatut schlägt er vor, daß ein 30-gliedriges Aktionskomitee und eine 8—12-gliedrige Exekutive gewählt werden soll, von welch letzterer ein Teil in London und ein Teil in Palästina sitzen soll. In der Montagsitzung erstattet Dr. Weizmann, der inzwischen eingetroffen war, Bericht über die politische Lage, wie er sie anläßlich seines Aufenthaltes in London beurteilen konnte. Er habe sich überzeugt, daß alle führenden englischen Politiker entschlossen sind, die Balfoursche Deklaration aufrecht zu erhalten, daß aber über die Interpretation keine genügende Klarheit bestehe. Dadurch ergebe sich immer wieder ein Gegensatz zwischen der Erklärung in London und dem was daraus in Palästina gemacht wird. Er sei überzeugt, daß jetzt die Zeit sei, mit allem Nachdruck gewisse Forderungen aufzustellen, vor allem, daß jetzt gewisse Konzessionen definitiv erteilt werden, und daß die Frage des Schutzes Palästinas klar geregelt werde. Zum Bericht über Amerika übergehend, schildert Dr. Weizmann ausführlich die Vorgänge vor seiner Ankunft und während seiner Anwesenheit in Amerika und resümiert dahin, daß die in Amerika herbeigeführte Spaltung weder politisch noch finanziell schädlich sein könne. Es habe sich klar gezeigt, daß jene Herren, die vor einem Jahr erklärt hatten, man könne in Amerika kein Geld bekommen, die schwerste Schädigung der zionistischen Arbeit auf dem Gewissen haben. Er sei durchdrungen davon, daß bei einer zufriedenstellenden Regelung der Palästinafrage, die die eigentliche Aufgabe des bevorstehenden Kongresses sein werde. Amerika viele Millionen jährlich zur Verfügung stellen werde. Redner verwies auf die wichtige Aufgabe der amerikanischen Zionisten bei der Sammlung der Mittel für den Fond von 25 Millionen Pfund für den Ausbau von Palästina. * Das Budget für Palästina. Die Generaldebatte, welche über die Berichte Weitzmanns und Sokolows geführt wurde, gab einer Reihe von Rednern Gelegenheit, ihre Ansichten über die aktuellen zionistischen Probleme zu äußern. D r. Reich warf der Leitung Plan- und Programmlosigkeit vor und betonte die Notwendigkeit einer friedlichen Politik. Auch Trietsch, Jean Fischer und R o - s o w traten scharf gegen die Politik der Leitung auf. In seiner Erwiderung auf die gegen die Leitung erhobenen Vorwürfe gab Weitzmann genaue Details über seine Verhandlungen mit Churchill und beklagte sich, daß er allein arbeiten müsse und von keiner Seite unterstützt werde. Bezüglich Herbert Samuels erklärte Weitzmann, dieser befinde sich in einem Zustand der Betäubung und sei von einer Clique umgeben, außerdem bestünden Meinungsverschiedenheiten zwischen London und Jerusalem. In manchen Londoner Kreisen herrsche noch ein sehr nebelhafter Begriff über Inhalt und Bedeutung der Balfour-Deklaration, und daher entstehen vielfache willkürliche Deutungen. Die Zeit der Erklärungen und Deklarationen sei jedoch bereits vorüber und nun müssen Handlungen und Tatsachen gefordert werden. Zu diesen Forderungen gehöre die Abberufung oder zumindest die