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Das jüdische Echo · 1921-07-15 · 28 (15.7.1921) · p. Seite 345

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
28 (15.7.1921)
Date
1921-07-15
Page
Seite 345 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 28 15. Juli 1921 8. Jahrgang Die Lage in Palästina. Der Prager Korrespondent der „Wiener Morgenzeitung“ hatte eine Unterredung mit dem dort zur Sitzung der zionistischen Aktionskomitees eingetroffenen Ingenieur Ussischkin, der sich in der folgenden Weise über die Lage in Palästina äußerte: „Ich bin nun seit fast fünf Monaten von Palästina abwesend und komme aus Amerika, wo ich gemeinsam mit Weitzmann, Sokolow und Einstein weilte. Ich bin also über die Ereignisse in Palästina nur durch Mittelsmänner informiert. Doch bilden die Vorkommnisse für michi keine Überraschung am allerwenigsten eine peinliche. Es ist nur begreiflich, daß in jedem Land, in das neue Ankömmlinge einströmen, sich ein gewisser Widerstand geltend macht, der sich je nach der Kulturstufe der Eingeborenen in der oder jener Weise zeigt. Die Araber, die sich: gegen die Einwanderung der Juden aufgelehnt haben, haben nicht sofort begriffen, daß die Juden auch ihnen nützen wollen, indem sie das Land auf eine hohe Stufe bringen. Die Haltung der englischen Regierung ist gegenüber einem Volk, das sich wie die Araber auf einem wenig hohen Kulturniveau befindet, außerordentlich milde. Wenn sich die Verhältnisse klären, werden auch die Zusammenstöße mit den Arabern ein Ende finden, und das ist nur eine Frage der Zeit. Man darf nicht übersehen, daß wir Juden jetzt einen Prozeß durchmachen, wie er noch nie in der Geschichte eines Volkes da war. Die Juden, die nach Palästina kommen, vertauschen das hochkultivierte Europa mit dem primitiven Asien. Sie kommen aus der Stadt in ein Land, das erst bestellt werden muß. um den Lebensanforderungen zu entsprechen. Das ist aber kein Grund zum Pessimismus. Die Juden hiaben soviel Geduld und moralische Kraft, soviel Liebe zu Volk und Vaterland, daß sie auch die Exzesse nicht abhalten können, ihre Heimat zur Blüte zu bringen. Wir haben Jahrtausende der ärgsten Verfolgungen und Bedrückungen überlebt, wir haben uns durch das türkische Regime nicht abhalten lassen, uns in Palästina anzusiedeln. Je kräftiger das jüdische Element in Palästina wird, desto geregelter wird dort das Leben und desto gesicherter die Ordnung. Die Juden, die jetzt in Palästina arbeiten, sind größtenteils junge, idealistische, kräftige Leute, die allen Gefahren und Unbilden trotzen. Aber auch ganze Familien, die in Europa gewiß bessere Lebensmögliichkeiten hätten, kommen nach Palästina. Aus allen Ländern, sogar aus Amerika, kommen sie. In Palästina kennt man natürlich keinen Unterschied zwischen Juden. Wir sind alle eines Volkes und eines Zieles. Die Lebensverhältnisse in Palästina sind keine besonders guten. Die Lebensmittelpreise sind hoch und obzwar sie in der letzten Zeit etwas gesunken sind, noch immer höher als in Mitteleuropa. Die schwierigste Frage ist die der Wohnungen und Unterkünfte; sie zu lösen, ist unsere wichtigste Aufgabe. Dazu gehört vor allem Geld. Wir haben in Palästina eine hochwertige Valuta, das ägyptische Pfund, da*s um 2V2 Prozent besser bewertet wird als das englische Pfund. Das ist der Hauptgrund für die finanziellen Schwierigkeiten in Palästina. Drei Viertel aller Juden wohnen in valutaschwachen Ländern. Die Geldmittel, die dort aufgebracht werden, sind, auch wenn sie eine noch so stattliche Höhe erreichen, nicht genügend, weil! sich die Valuta'unterschiede geltend machen. Aber von dem Geld hängt viel ab. Die Zionisten haben nicht nur für die Einwanderung zu sorgen, sie müssen den Eingewanderten Arbeit verschaffen. Da es im Lande selbst kein Kapital gibt, so muß auch dieses aus dem Ausland herbeigeschafft werden. Wir müssen mit fremden Geld Bauten aufführen. Industrien errichten, den Handel organisieren und so Arbeitsmöglichkeiten schaffen, um die Einwanderung nicht ins Stocken geraten zu lassen. An die Opferwilligkeit des jüdischen Volkes stellen wir daher große Anforderungen. Doch können wir mit Genugtuung und Freude konstatieren, daß sich die zionistische Bewegung auf der ganzen Welt stark ausgebreitet hat und daß die Juden nach besten Kräften am Aufbau der Heimat mitarbeiten. Das Geld, das gespendet wird, wird reichlich Zinsen tragen, denn alles, was jetzt investiert wird, ist Eigentum des jüdischen Volkes, Und! dann sorgen wir auch schon für die Zukunft durch die Art der Errichtung unserer Heimat. Indem das ganze Volk und nicht einzelne daran arbeiten, schalten wir die sozialen Gegensätze aus, die heute die ganze Welt erfüllen. Da wir auch in kultureller Beziehung nicht Stillstehen, geht Palästina einer schönen Zukunft entgegen. Palästina wird das Herz des Judentums sein. Die Juden aller Welt werden dort ihre Heimat haben und diejenigen Juden, die nicht nach Palästina kommen können, werden in ihren alten Wohnsitzen Juden sein, aber ohne deshalb die Pflichten, die ihnen als Bürger des einen oder des anderen Staates obliegen, zu vernachlässigen. In Prag bereiten wir den zionistischen Weltkongreß in Karlsbad vor. An diedem Kongreß werden sich die Juden aller Staaten der Welt durch gewählte Delegierte des jüdischen Volkes beteiligen. Es durften ungefähr 500 Delegierte kommen. Mit Ausnahme von Sowjetrußland, das den Zionismus unterdrückt, wird jeder Staat vertreten sein. Der Kongreß wird organisatorische Fragen zu erledigen haben. Die Wahl der Exekutive in Palästina und in den Ländern, das Programm der ökonomischen Arbeit, der kulturell len Fragen in Palästina, das politische Verhältnis zu verschiedenen aufgetauchten Fragen, die Beschaffung der finanziellen Mittel, die Errichtung von Kreditinstituten, Agrarbanken. Fabriken und Gewerbestätten — alles das wird der Kongreß in Karlsbad zu beraten haben.

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