Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 25 (24.6.1921)
- Date
- 1921-06-24
- Page
- Seite 309 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 25 24. Juni 1921 8. Jahrgang Die Krise. Die Reden Samuels und Churchills haben die Situation Palästinas halbwegs geklärt. Besonders bedeutsam ist die entschiedene Erklärung Churchills im englischen Parlament über die Berechtigung der zionistischen Hoffnungen auf Palästina und seine wiederholte Feststellung über Englands Festhalten an der Balfour-Deklaration. Es war nötig, daß dies von der englischen Regierung wieder betont wurde, obwohl es eigentlich selbstverständlich ist, und es ist nötig, daß England mit der erforderlichen Energie den arabischen Hetzern gegenüber tritt, denn die Hetze und die ihr folgenden blutigen Ausschreitungen können nur enden, wenn die Arrangeure absolut auf die Hoffnung verzichten müssen, durch Terror gegen die Juden England zur Umkehr in Palästina zu zwingen. Aus diesem Grunde bleibt die mehr als vorsichtige Formulierung Samuels zu bedauern. Es wäre nötig gewesen, daß er mehr Entschiedenheit und Schärfe gegen die arabischen Mörder und vor allem gegen die Anstifter der Unruhen gefunden hätte. Zweifellos wird aber als Resultat der beiden Erklärungen und leider als Resultat der Unruhen damit zu rechnen sein, daß die jüdische Einwanderung in Palästina wesentlich anders gehandhabt werden wird als bisher. Ob das bedeutet, daß die Einwanderung eingeschränkt werden wird, bleibt lediglich Sache der Zionisten und des jüdischen Volkes. Es kann unter Umständen heilsam sein, daß wir gezwungen sind, zuerst Arbeitsgelegenheit zu schaffen, bevor die Menschen nach Palästina kommen dürfen und besser so, als eine wirtschaftliche Katastrophe, die hätte kommen können bei einer ungeregelten Einwanderung Vielleicht werden die Zionisten endlich begreifen, daß es keinen Sinn hat, die kostbare Zeit mit inneren Kämpfen über die Form des Keren-Hajessod und sonstige, an sich vielleicht bedeutsame aber im Augenblick und im Verhältnis zur Aufgabe wenig belangreiche Dinge zu vergeuden. Vielleicht und hoffentlich hat das Unglück von Jaffa und seine politischen Folgen, hat der Zwang, nunmehr endlich sehr schnell Mittel für den Aufbau zu schaffen, die Wirkung, daß in Amerika die bitter nötige Einigung erfolgt. Vor allem aber werden hoffentlich endlich alle diejenigen Juden, die sich immer als „gute Juden“ bezeichnen, einsehen, daß es höchste Zeit für sie ist, zum Aufbau Palästinas beizutragen, und daß man sich als guter Jude nur bezeichnen kann, wenn man dem jüdischen Volke die in diesem kritischen, entscheidenden Moment so dringend nötigen Opfer bringt. Es wird gegen Samuel der Vorwurf erhoben, daß er in seiner Rede zuviel Entgegenkommen gegen die Araber gezeigt habe. Auch wir sind der Meinung, daß, wenngleich natürlich die Beruhigung des Landes das Allerwichtigste ist, es Samuels Pflicht gewesen wäre, durch mehr Entschiedenheit zu zeigen, daß keine Hoffnung besteht, durch Unruhen und Morde die jüdische Ansiedlung zu unterbinden. Samuel geht offenbar in dem Bestreben, auch als Zionist die Objektivität zu zeigen, die seinem Amte zukommt, viel zu weit, weiter als in seiner Stellung ein dem Zionismus wohlwollender N i c h t j u d e gehen könnte und Samuel darf bei aller Objektivität nicht vergessen, daß er gerade als Zionist von der englischen Regierung auf seinen Posten entsandt wurde und daß er in gleicher Weise Beauftragter Englands und des jüdischen Volkes ist. Aber gleichviel, ob die Vorwürfe gegen ihn berechtigt sind oder nicht, es kann und soll uns heilsam sein, daß wir gezwungen sind, zu schaffen statt zu debattieren. Alle in Frage kommenden Faktoren, die zionistische Leitung in erster Linie, dann die Zionisten und alle Juden der Welt haben die moralische Pflicht, die Aufgaben der Stunde zu erfassen. Entscheidend für das Gelingen oder das Mißlingen des Palästinawerkes werden die nächsten Jahre, vielleicht sogar die Leistungen der nächsten Monate sein. Es gibt keinen Grund und kein Recht zur Skepsis, sondern nur die Pflicht zur erhöhten Anstrengung. Unter dem Zwang der neuen Bedingungen in Palästina muß sich die ernste geschlossene Arbeit der Zionisten und des ganzen jüdischen Volkes entwickeln. Vor allem muß die zionistische Leitung mit klaren reifen Aufbauplänen hervortreten und für diese werden sowohl allgemeine Mittel, als privates Kapital aufzurufen sein. Zwei Monate trennen uns noch vom Zionistenkongreß. Bis dahin muß volle Klarheit über die Pläne und die Aktionskraft der Organisation — und Beendigung des inneren Streites erfolgt sein. Die Stunde ist ernst. Verstehen alle Faktoren — die zionistische Leitung, die Zionisten und die Juden der Welt — ihre Mahnung, so wird die neue Situation in Palästina heilsam wirken. Herbert Samuels Rede vom 3. Juni. Die Einschränkung der Einwanderung. Am 3. Juni, dem Geburtstag des englischen Königs, hielt der Oberkommissar Herbert Samuel in Jerusalem eine Rede, in der er die gegenwärtige Situation behandelte. Das Zionistische Büro in London hat folgenden telegraphischen Wortlaut aus Jerusalem übermittelt erhalten: „Ich freue mich, feststellen zu können, daß im Volke ein lebhaftes Bedürfnis besteht, die Wohltaten der Erziehung zu genießen; dies ist in der Tat die erste Vorbedingung eines nationalen Fortschritts. Die Regierung hat ein umfassendes Schema ausgearbeitet, nach dem in einem Zeitraum von vier Jahren das ganzen Land mit Schulen bedeckt sein wird. Die Bevölkerung der Ortschaften muß die Gebäude und die Einrichtung beistellen, die Regierung wird die Gehälter der Lehrer und die anderen Kosten der Erhaltung beitragen. Während der letzten fünf Monate sind 34 neue Dorfschulen eröffnet worden, welche 1360 Kindern Elementarunterricht gewähren, während 46 vom Staate unterstützte Schulen, welche in den letzten zwei Jahren von der Bevölkerung selbst eröffnet worden waren, ebenfalls von der Regierung übernommen worden sind. 36 weitere Schulen werden während des laufenden Verwal-