Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 24 (17.6.1921)
- Date
- 1921-06-17
- Page
- Seite 302 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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302 Das Jüdische Echo Nr. 24 wenigstens am Feiertag eine ruhige Stunde! — Letzter Tag des Pesachfestes, fröhlicher Tag. Da waren einst die Ahnen durchs Meer geschritten, und die nachjagenden Ägypter ertranken darin. Kabzansk verlebte den Festtag in Hoffnung auf den lieben Gott, den Beschützer seines Volkes Israel in allen Zeiten. — Da plötzlich ein Tumult. — Des Gutsherrn Leute kommen in dichten Scharen, pfeifend und johlend, zertrümmern die Fenster, reißen Öfen nieder und werfen die Betten auf die Straße. Was ist? Der Gutsherr läßt die Juden, die „Diebe“, die „Schwindler“, die „Blutsauger“, die sich in seine Häuser eingenistet hätten und die nun nicht den Pachtzins zahlen wollen, heraustreiben. Sollen die Kabzansker merken, wer Herr im Orte ist. Gewissenhaft gingen die Knechte zu Werke, wie ein Rebbe, der erst einen Abschnitt lernt und dann weiter geht. So räumten sie erst eine Gasse aus, drinnen die richtigen „Blutsauger“ wohnen, nämlich die Kabzansker Bettler . . . Die anderen sollen später an die Reihe kommen. Und jüdische Familien, denen man eine gute Lektion gegeben, treiben sich nun nackend und hungrig umher und lagern auf der Gasse unter freiem Himmel. -r- Wehe, wehe! schreit Kabzansk, ein Blitz hat uns getroffen! Und was tun die jüdischen Familien? Sich auf der Gasse herumtreiben, führt zu nichts und Schreien hat auch keinen Wert. So packen sie ihre Sachen und verlassen den Ort. Ein Teil geht weit in die Welt hinaus und die anderen suchen indessen Unterkunft in Neu-Kabzansk. Viele sinds, so daß sie den Neu-Kabzanskem in der Enge fast die Kehle zuschnüren. Und das weiß doch fast schon ein jedes Kind, daß jeder, dem ein Knochen im Halse stecken bleibt, husten muß. Man hustet und hustet, bis man den Knochen herausbringt. Und so haben die Neu- Kabzansker unwillkürlich stark gehustet und mit aller Macht versucht, sich von jenen Bettlern zu befreien, deren Armut achtfach gedreht war wie gute Zizzith. Nun fingen auch die Neu-Kabzansker an. sich ins Mittel zu legen und das Feuer in Alt- Kabzansk zu löschen, damit ihre Brüder ruhig daheim bleiben und sie selbst verschonen könnten. Mit dem Gutsherrn haben sie sich immer gut gestanden und niemals Zwist mit ihm gehabt Und sich nun gar mit ihm wegen des Platzes an der Misrachwand aufzulegen, fiel ihnen nicht im Traum ein. Denn sie kannten seine Laune sehr gut. Darin verstand er keinen Spaß. Sonst aber gab er leicht nach. Und darum gingen die Neu- Kabzansker zu Chai'kel-Chajim und machten folgenden Vorschlag: Hört Reb Chaikel-Chajim, mit Kabzansk geht es jetzt schlecht. Ach und Weh ist ihm für seine Sünden. Und Hilfe ist nötig. Bei einem Gutsherrn richtet man mit Gewalt nichts aus, und Kabzansk ist Kabzansk. Man muß seinen Launen nachgeben. Vielleicht, daß er mit der Zeit weich wird wie Teig, den man auf ein Geschwür legen kann. Aber jetzt laßt ihm seine Schrulle. Darum. Reb Chaikel-Chajim, laßt Euren Ehrgeiz nach dem Platz an der Misrachwand, der den ganzen Brand verursacht hat, und denkt Euch, daß der Platz, den wir Euch empfehlen, auch wirklich an der Misrachwand liegt, nur irgendwo anders, ein bißchen entfernt. Im Vorhof der alten Schul befindet sich, wie ihr wißt, ein dunkles Kämmerchen, das leer steht. Könnte man nicht das Kämmerchen mit einer heiligen Lade schmücken und mit allem, was ein Schul haben muß, für Euch und Eure Anhänger? Tut Ihr das, nehmt Ihr diesen Vorschlag an, dann wird sich schon der Zorn des Gutsherrn legen und allmählich die Lage der Gemeinde wieder eine bessere werden. Und Gegner, wie Reb Schmelke z. B., die werden auch stille werden, wenn sie ganz unter sich bleiben als die einzigen feinen Leut und wenn sie unbehindert alle Ehrenämter an sich reißen können — sollen sie daran ersticken. — Chaikel-Chajim und einem Teil seiner Anhänger schien der Vorschlag nicht ganz uneben. Vielleicht war er wirklich vorläufig ein gangbarer Weg. Aber für gewisse Leute war der Vorschlag geradezu Gift. Wenn die Wirren aufhörten und das Feuer verglimmte, wie kämen sie dann auf ihre Kosten? Nein, schrien sie, als wollten sie aus der Haut springen. Und wieder brachten sie ganz Kabzansk in Aufruhr . . . Und wie steht es heute da? Schlecht Die Verwirrung ist groß. Und so mancher schleppt seinen Bettelsack weit in die Welt. Es ist eben ein Unglück ohne Ende. Gemeindenu.Vereins-Ich© Bar Kochba München. Leichtathletik- A b t e i 1 u n g. Bei den nationalen Wettkämpfen in Frankfurt errang Ernst Simon bei stärkster Konkurrenz im 400 m-Laufen in 43,4 Sek. den 2. Preis, nur um Handbreit hinter dem Ersten zurück; im 800 m-Laufen in 2 Min. 06,3 Sek. den 3. Preis. Bei den am Sonntag, den 19. Juni stattfindenden Leichtathletik-Wettkämpfen beteiligen wir uns mit 5 Staffeln und bei einigen Einzelkonkurrenzen, wobei auch Ernst Simon zum ersten Male in München starten wird. Sonntag ab halb 10 Uhr Handballtraining, Plinganserstr. 84. Jeden- Mittwoch abends ab 6 Uhr Haupttraining für die Vereinsmeisterschaft. Sonstiges Training Montag und Donnerstag abends ab 6 Uhr auf dem Sportplatz Sendling, Plinganserstraße 84. Die Vorkämpfe zu den, Reichsjugendwettkämpfen finden Samstag, den 25. Juni statt Alle Teilnehmer haben deshalb bestimmt und pünktlich am Mittwoch, den 22. Juni, abends 6 Uhr auf dem Sportplatz, Plinganserstraße 84, zu erscheinen. Der Sportwart. Turnabteilung. Die Beteiligung an unseren Turnabenden läßt sehr zu wünschen übrig. Wir fordern daher unsere sämtlichen Turnerinnen und Turner nochmals dringend auf. die Turnabende regelmäßig und pünktlich zu besuchen. Es turnen: Mädchen und Damen Montag abends von 6—7.30 Uhr, bezw. von 7.30—9 Uhr; Herren Mittwoch abends von 7—9 Uhr; alte Herren und Vorturner Donnerstag abends von 7—9 Uhr jeweils in der Schwindschule an der Schellingstraße, Trambahnhaltestelle 7 und 17. Ganz besonders erwünscht sind uns Meldungen zum Altherren- Turnen. — Wer sich für die Vorturnerriege geeignet erachtet, soll sich Donnerstag abends beim Leiter melden. Neuanmeldungen nehmen die Abteilungsleiter an den Turnabenden entgegen. Am Donnerstag, den 23. Juni, abends 8 Uhr findet im Restaurant „Zur Lacke“, Holzstraße, die ordnungsgemäße Monatsversammlung statt Die wichtige Tagesordnung wird durch Rund-