Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 19 (13.5.1921)
- Date
- 1921-05-13
- Page
- Seite 242 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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242 Das Jüdische Echo Nr. 19 einzuflicken sich bemüht. Vom Chosen sprach er, vom Pekele, vom Ztzzele, Ghussid und Talmud — der Teufel weiß, was er damit gemeint hat (vielleicht ist das bei Grafen so die Sitte). Und dann hat er der Braut in die Wange gekniffen, sie gestreichelt und „holdes Mädchen“ genannt, sie wieder gekniffen, wieder gestreichelt und dann Eljakim gnädige Worte zugerufen. Was ist da „Ehrung“, was ist da „Größe“? Wie armselig sind doch diese Worte! Aber der Herr sitzt droben im Himmel. Was vermögen wir gegen ihn? Er sitzt und dreht das Weltenrad, gerade so wie es in dem Gebete heißt wer erhöht wird und wer sinkt. Und so drehte sich bald das Rad und — Eljakim Gezel sank herab. Und blieb ein Bettler! Ach, Bettler wäre schließlich nicht gar so schlimm. Denn Bettler sind doch alle Kabzansker Juden. Mir nicht, dir nicht — ja, deswegen lebt man ja doch Gott sei Dank. Mal nicht satt essen, mal nicht satt trinken: was macht das schließlich aus? Man soll sich nicht versündigen. Man schleppt sein bißchen Leben hin und stirbt, sowie die feinen Leut. Die sterben auch. Aber Gezel wurde nicht ein gewöhnlicher Bettler, sondern ein doppelt geschlagener, tief verschuldeter. Wurde ist eigentlich falsch. Denn im Grunde war er nie der reiche Mann, als den man ihn geschätzt hatte. Kabzansk hatte ihn einfach zum reichen Mann gestempelt, ihn in die Höhe gedrückt. Und in die Höhe gedrückt, mußte er, wies nun mal so geht, sich oben halten. Kabzansk war direkt gezwungen, ihn für einen Reichen auszugeben — um von ihm recht reichlich Almosen herauszudrücken. Und er — so sehr ihm ach und wehe war — mußte eben geben. So gehts nun mal bei uns Juden. Und das Ende vom Liede war wie gewöhnlich — leergebrannt. An Barem war kein Groschen da. Schulden bis über die Ohren. Zum Ertrinken! Die Pachtrate hatte er schon ein Zeit lang nicht bezahlt. Für den Branntwein hatte der Gutsherr auch noch viel zu bekommen. Die Gläubiger kommen und kommen, bestürmen ihn mit Mahnungen und Forderungen, und die Antwort war — wies gewöhnlich bei Kaufleuten ist — der Bankrott. Doch Eljakim Gezel, der Mann mit dem guten Herzen, konnte das Leid nicht überwinden und härmte sich, in den Tod. Der Gutsherr nahm ihm das Haus, legte Arrest auf die Wertsachen und — auf den Platz an der Misrachwand in der Klaus. Das Hausgesinde Reb Eljakim Gezels verstreute sich in alle Winde. Mit den Leibeies wars zu Ende. Der Platz an der Misrachwand steht leer und sieht aus wie eine arme Witwe. Lieb ist die Stelle so manchem, dem Herzen lieb und wert. Aber was fängt man nur mit dem Gutsherrn an? Er ist — wie jeder Magnat — launisch, wie jeder Herr — ein bißchen wunderlich. Und so muß er — ausgerechnet! — einen Stand am heiligen Ort der Juden haben. Wie muß es jüdische Seelen schmerzen, wenn der Ort, wo früher ein Geschlecht wie die Leibeies gesessen, und so ein Reb Eljakim Gezel, auf dem sichtbar der Abglanz Gottes geruht, nun dem christlichen Gutsherrn gehörte. Und wie, wenn es dem, Herrn einmal einfallen sollte, sich in die Vorstandswahl zu mischen und sich darum zu reißen, am Simchas Thora die liebe heilige Thora um die Schul zu tragen! (Fortsetzung folgt.) Gemeinden-u.Vereins-Kcho Die Misrachi-Ortsgruppe München veranstaltet einen Chumesch-Raschikurs für Anfänger, zu dem alle Interessenten eingeladen sind. Beginn Samstag, den 21. Mai abends 6.30 Uhr, Wagmüllerstr. 16 bei Dr. Fränkel. Für Bücher ist selbst zu sorgen. Blau-Weiß München. 1. und1 2. Gruppe Sonntag, den 15. und Montag, den 16. Mai, Treffpunkt 6.45 Uhr Isartalbahnhof, Rückkunft Montag Abend gegen 9.30 Uhr. 2. Zug: Treffpunkt zur 2 Tagefahrt Sonntag, 7 Uhr, Ostfriedhof (Billet nach Grünwald). Heimabend Dienstag halb 6 Uhr. Turnen für Ältere (über 15 Jahre) Dienstag 7 Uhr Universitätsturnhalle, für Jüngere Mittwoch 6 Uhr Klenzestraße. Bibliothekstunde Donnerstag 5 Uhr. Beim Purim-Fest des Bar-Kochba wurde von einer der Mitwirkenden ein Schirm verloren. Um Abgabe desselben in der Redaktion des Bl. oder im Sekretariat der Ortsgruppe, Wagmüllerstr. 19, wird dringend ersucht. Gesamtausschuß der Ostjjuden in München. Die Neuwahlen des Gesamtausschusses der Ostjuden erfolgte in einer zweiten allgemeinen Versammlung, nachdem die erste mit der Aussprache über Tätigkeit und Aufgaben des Gesamtaussschusses ausgefüllt war. Einschließlich zweier kooptierter Herren besteht der Gesamtausschuß nunmehr aus folgenden Personen: Jakob Reich, F. Reich, L. Spielmann, D. Horn, M. Diamant, M. Fleischer, N. Sturm, J. Kluger, J. Kalter, M. Eilsen, D. Kornhauser, M. Altmann, B. Goldfarb, Gidalewitsch, Tannenzapf, Grünbaum, Knoblauch, Orljansky, Kurzmantel, Aron Kohn, M. Sohumer, Steinlauf, Singer, Rothenberg, Stiefelzieher, Weinberger, Scheinmann. Die allgemeine Versammlung ermächtigte den Gesamtausschuß, die erforderlichen Geldmittel durch freiwillige Beiträge der hier wohnenden Ostjuden, die von den Einzelnen nach Leistungsfähigkeit erwartet werden, aufzubringen. Bar Kochba München. Leichtathletik- Abteilung. Bei den Jugendwettkämpfen am Sonntag, den 8. Mai, beteiligte sich Otto Kornhauser mit Erfolg. Bei stärkster Konkurrenz errang er in der 1. Klasse im Speerwerfen mit 32.75 m den 3. Preis, im Dreisprung mit 11.22 m den 3. Preis und im Dreikampf mit 90 Punkten ebenfalls den 3. Preis. Staffellauf Grünwald - München. Nurmehr 3 Wochen verbleiben uns zum Training für den „Großen Staffellauf Grünwald-München“ und nur wenn wir diese letzten Trainingsgelegenheiten ausnützen, werden wir unseren großen Erfolg vom vorigen Jahre wiederhol,en. Diesmal gilt es in der Klasse B, also bei! weit stärkerer Konkurrenz, uns ehrenvoll zu behaupten. Wir erwarten aber unsere sämtlichen Aktiven bestimmt auf dem Sportplatz in Sendling, Plinganserstraße 84, und zwar Sonntag vormittag ab halb 10 Uhr, Montag vornfittag ab halb 10 Uhr, Mittwoch abends ab 6 Uhr und Donnerstag abends ab 6 Uhr. Der Sport wart. Spendenausweis Münchner Büchsenleerungen. (Schluß.) Geleert durch Jenny Zuckerberg: Geschwister Zuckerberg 4.20, R. Kornhauser 6,70, Abraham Hecht 5.05, Fränzi Müller 12.71. P. To-