Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 16 (22.4.1921)
- Date
- 1921-04-22
- Page
- Seite 202 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Das Jüdische Echo Nr. 16 Aus der jüdischen Welt Deutschland. Der Handelsverkehr mit Deutschland. Aus Handelskreisen wird der „Zion. Korr.“ mitgeteilt, daß der Hinweis des Deutschen Auslands-Institutes, bei Sendungen nach Palästina die deutsche Mark in V« Piaster umzukalkulieren, nicht zu empfehlen sei. Das ägyptische £ wertet 2xh Prozent höher als das englische. 1 ägyptisches £ — 100 Piaster, sind also nach dem sehr erheblichen Kursrückgang des englischen £ gegenüber der Mark in den letzten Wochen immer noch zirka 230.— Mark, V2 Piaster also etwa 1,15 Mark. Man offeriere nach Palästina am besten in englischen £. Palästina Deutsche Lieferungen von Fabrikeinrichtungen nach Palästina. Die zionistischen Industriellen Gutkind, Weiler und Kahen aus Riga erwarben, wie die „Standard“ Industrie- und Baubedarf- Ges. m. b. H. (Berlin) mitteilt, in Deutschland die Einrichtung einer Konfitürenfabrik, welche in Jaffa errichtet werden und die Herstellung von Fruchtmarmeladen, sowie von Schokolade, Karamells und die Verarbeitung von Mandeln ausführen soll. Es handelt sich um Motoren, Dynamos, Walz-, Mahl- und Schälapparate, Pressen usw. Unterhandlungen wegen Ankaufs der Einrichtung einer Zementfabrik sind im Gange. (Z.K.) Jüdisch-arabische Zusammenarbeit in Palästina. Dem Gouverneur von Haifa ist es gelungen, zwischen den jüdischen Ansiedlern von Chedera und den benachbarten arabischen Grundbesitzern ein Übereinkommen zu erzielen, wonach die Juden sich verpflichten, auf ihre Kosten die Sümpfe von Chedera trockenzulegen, wogegen die Araber auf ihre Eigentumsansprüche an dem trockengelegten Teil der Sümpfe verzichten. Chedera gewinnt dadurch einen erheblichen Zuwachs an Boden, und die Malariagefahr wird dort beseitigt sein. (Z.K.) Die Zweigbahn nach Petach Tikwah. Der Bau der Zweigbahn von Ras El Ain nach Petach Tiikwah wurde in Angriff genommen. Es ist der erste Eisenbahnbau, der mit jüdischem Kapital, mit jüdischen Arbeitern und für eine jüdische Siedlung durchgeführt wird. (Z.K.) Amerika. Rückkehr jüd.-amerik. Legionäre nach Palästina. Wie die „Zeit“ berichtet, hat die jüdisch-amerikanische Legionäreorganisation mittelst der amerikanischen Zionistischen Organisation eine offizielle Einladung erhalten, wonach jeder Legionär, der zurück nach Palästina gehen will, 150 Dunam Boden erhalten soll. Die Legionäreorganisation zusammen mit der amerikanischen Zionistischen Organisation haben einen Plan für die Schaffung der nötigen Mittel für diesen Zweck ausgearbeitet. Auf einer Legionäreversammlung, die Mitte Februar in Newyork stattgefunden hat, beschlossen 100 Legionäre, nach Palästina zurückzugehen. Die erste Gruppe hat sich Ende März nach Palästina eingeschifft. \ Spanien Eine Weltorganisation der sephardischen Juden. In Madrid hat vor Kurzem eine Konferenz sephardischer Juden stattgefunden, welche die Schaffung einer wirtschaftlichen Weltorganisation der Sephardim bezweckt. Den Vorsitz in der Beratung führte der bekannte Senator Don Angel Pulido Fernandez, welcher seit vielen Jahren, obzwar er selbst kein Jude ist, sich um die Repatriierung der sephardischen Juden nach Spanien außerordentlich bemüht und auch sonst für den Schutz der Spaniolen im Ausland eintritt. Dem vorbereitenden Komitee gehören unter anderen Senator Marquis de Valero, de Palma, der ehemalige Minister Antonio Goicoechea und Bankier Ignaz Bauer an. Der Verband strebt den Zusammenschluß aller sephardischen Juden an und hat bereits von sämtlichen sephardischen Gemeinden in Spanien, Marokko und Amerika Zustimmungs¬ und Anschlußerklärungen erhalten. Die Weltorganisation der sephardischen Juden will sich auch in den Dienst des Schutzes der Interessen der Juden überhaupt stellen. Eine eigene Sektion des Verbandes hat die wirtschaftliche Förderung der spaniolischen Juden zur Aufgabe und ist in Unterabteilungen für Handel, Industrie und Landwirtschaft geteilt. Der Verband wird in allen wichtigsten jüdischen Zentren Filialen errichten. Der Sitz des Aktionskomitees des Verbandes ist in Madrid. Principe-Straße 5. Habt Ihr zu Peßactl schon an die taubstummen Minder in Weißensee gedacht? Sendungen an: Israel. Taubst.-Änstalt, Berlin-Weißensee, Parkstr. 22 Postscheckkonto 104495 literarisches Echo Mein Weg als Deutscher und Jude.*) Von Jakob Wassermann. Vorbemerkung der Redaktion: Wir bringen aus dem für die geistige Ratlosigkeit des deutschen Juden unserer Tage außerordentlich aufschlußreichen und als ein menschliches Dokument interessantem Buch zwei besonders bemerkenswerte Abschnitte. Der zweite *) Verlag S. Fischer, Berlin. Zu haben in der Ewer-Buchhandlung, München, Wagmüllerstr. 19. Abschnitt bildet zugleich den Schluß des Buches und zeigt, wie sehr Jakob Wassermann den Leser, der gierig nach diesen Bekenntnissen eines repräsentativen deutschen Juden greift, ratlos läßt. Das Buch Wassermanns bringt leider keine Klärung und nicht einmal eine Festigung der inneren Stellung Wassermanns selbst zu den jüdischen Dingen. Es ist besonders interessant, einen Aufsatz Wassermanns aus dem Jahre 1913 mit diesem, Buch zu vergleichen, den wir deshalb im Auszug hier abdrucken. Bei der Erkenntnis der Aussichtslosigkeit der Bemühung wird die Bitterkeit in der Brust zum tödlichen Krampf.