Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 15 (15.4.1921)
- Date
- 1921-04-15
- Page
- Seite 185 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo —^— Nummer 15 15. April 1921 8. Jahrgang Die jüdische Einheitsfront für den Palästina- Hufbau. Zwei außerordentlich beachtenswerte Äußerungen für die gemeinsame Palästinaarbeit liegen vor uns. Wladimir Jabotinsky, einer der energischsten Zionisten und Paul Nathan, der Leiter des Hilfsvereins, einer der führenden deutschen Juden, bilsher Gegner des Zionismus, kommen wohl aus völlig verschiedenen Erwägungen zu dem gleichen Resultat der gemeinsamen Verpflichtung für diie Palästinaarbeit. Der Artikel Paul Nathans, den wir nachstehend aus Nr. 3 der Zeitschrift „Im Deutschen Reich“ auszugsweise wiedergeben, erfordert eine ausführliche Besprechung. Paul Nathan hielt es leider für nötig, 3 Seiten lang Kritik am Mandatsentwurf, d. h. am Entwurf des Staatsvertrages, der die rechtliche Grundlage zur Entwicklung Palästinas zur jüdisch-nationalen Heimstätte darstellt, zu üben. Nathan ist nicht zufrieden. Der Mandatsentwurf geht ihm nicht weit genug, da er die Juden nicht zu politischen Herren des Landes macht. Es ist gerade von einem Kenner der Verhältnisse, wie Paul Nathan, in hohem Grade erstaunlich, daß er diese Bemängelungen vorbringt. Gerade er müßte genau wissen, daß uns nichts Schlimmeres hätte passieren können, als daß wir jetzt genötigt wären, die politische Herrschaft des Landes zu übernehmen, in dem wiir jetzt und voraussichtlich mindestens während des nächsten Jahrzehnts die Minderheit der Bevölkerung sind. Der Rechtszustand des Mandats ist es gerade, der den Übergang Palästinas zu einem Lande mit jüdischer Mehrheit ermöglichen und sicherstellen soll. Wenn auch Zionisten der Meinung sind, daß das Mandat in dem oder jenem Punkt weitgehender sein sollte, so wird es keinen geben, der nicht die ungeheuren Möglichkeiten, die das Mandat dem jüdischen Volke gibt, anerkennt, stärker anerkennt. als Nathan es tut. Und um die Möglichkeiten handelt es sich, die das jüdische Volk in Palästina geboten bekommt und die Pflichten, die damit allen Juden in der ganzen Welt erwiachsen. Daß Nathan dies anerkennt, ist auch schließlich das Ausschlaggebende und wir wollen seine neue Stellungnahme gerne als einem wertvollen Fortschritt betrachten gegenüber seinem Standpunkte, den er in Nr. 28/29 des Jahrganges 1920 unseres Blattes zum Ausdruck brachte, dahingehend, daß eigentlich nur die Juden Englands und Amerikas für den Palästina-Aufbau verpflichtet seien. Nathan fordert Vergessen aller Gegensätze und wir stimmen ihm gerne bei. Nur müssen wir wünschen, daß die vielfachen verpflichtenden Erklärungen der englischen Regierung, worin sie sich für die Entwicklung des jüdischen Palästinas einsetzt, nicht so entwertet und wenn nicht ganz doch als fast wertlos angesehen werden, wie Nathan es tut. Erst neuerdings liegt in der Ansprache, die der englische Kolonialminister Churchill an eine mohammedanische Abordnung in Jaffa hielt, eine wichtige Kundgebung dieser Art vor. Wir verweisen auf dieselbe (Seite 187 dieser Nummer). Gerade wenn man, wie Paul Nathan, weiß, wie ungeheuer die türkische Verwaltung jede Arbeit und jeden Fortschritt gehemmt hat, und wenn man die Erklärungen der englischen Regierung zusammen mit dem Mandatsentwurf und vor allem die Tatsache, daß ein jüdischer Gouverneur Palästina verwaltet, dem die Verwirklichung der jüdischen Heimstätte außerordentlich am Herzen liegt, kennt, dann darf man nicht, wie Nathan, es so darstellen, als habe sich gegenüber dem Zustande unter den Türken nichts Entscheidendes geändert. Mit diesen notwendigen Einschränkungen begrüßen wir die Stellungnahme Nathans und hoffen, daß sie einen großen Schritt vorwärts bedeutet auf dem Wege, ebenso wie in allen anderen Ländern. auch in Deutschland die Juden aller Richtungen zu gemeinsamer energischer Arbeit für den Palästina-Aufbau zusammenzuschließen. Als ein wertvolles Symptom dafür darf auch gebucht werden, daß in München eine Anzahl Männer, die dem Zionismus ferne stehen, die aber die allgemeine jüdische Verpflichtung für das werdende Palästina anerkennen, nach einer Besprechung mit führenden Persönlichkeiten der Gemeinde, der ein Referat von Herrn Kurt Blumenfeld vorausging, ein Komitee für den Keren Hajessod (Palästina-Grund-Fonds) bildeten. Denn darüber darf natürlich nicht einen Augenblick lang Unklarheit bestehen: Einheitsfront für Palästina-Arbeit heißt nicht, daß nun jeder und jede Richtung irgend etwas in Palästina versuchen soll oder darf. Die ungeheuren, von den Zionisten am besten erkannten Schwierigkeiten des Palästinawerkes können nur überwunden werden bei gemeinsamer Anstrengung aller. Das Instrument, das dafür geschaffen wurde, ist der Keren Hajessod. verwaltet von Personen des allgemeinen Vertrauens, die den verschiedenen Richtungen angehören. So wie es an sich keine zionistische Angelegenheit ist, den Aufbau Palästinas zu fördern, so bleibt der Keren Hajessod und seine Verwaltung keineswegs etwa auf Zionisten beschränkt. In England und Amerika sind außer Sir Alfred Mond, dem englischen Verkehrsmimister, der die Leitung des Oeconomical-Council im Keren Hajessod hat, eine Reihe hervorragender nichtzionistischer Persönlichkeiten in die Verwaltung des Keren Hajessod eingetreten und in Deutschland sind gleichfalls eine Anzahl hervorragender Nichtzi'onisten im Begriffe, sich für die Leitung des Keren Hajessod zur Verfügung zu stellen. Da darf es keine Zersplitterung und keine Eigenbrödelei geben. Wer etwa glaubt, sein jüdisches Gewissen damit beruhigen zu können, daß er irgend einem Komitee für Palästinazwecke Geld gibt oder gar es durch seine Unterschrift unterstützt, befindet sich im größten Irrtum. Er schadet der gemeinsamen Sache viel mehr, als wenn er sich völlig passiv verhielte. Denn um es noch einmal zu sagen, für diese ist das Entscheidende: Die Arbeit aller Juden für Palästina im gemeinsamen Rahmen, d. h. itm Keren Hajessod.