Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 11 (18.3.1921)
- Date
- 1921-03-18
- Page
- Seite 138 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Das» Jüdische Echo Nr. U heit beruht, und sie haben daher die Verantwortung: für die Taten, Untaten und Nicht-Taten, die die Münchener Judenheit von ihrer Repräsentanz zu erwarten haben wird. Aber die Volkspartei bescheidet sich nicht bei der bequemen Rolle der parlamentarischen Opposition, die nur kritisiert und negiert. Sie hat d i e Macht, die beruht auf der Überlegenheit eines positiven Bekenntnisses, der Überzeugungstreue, des Selbstvertrauens, eines Programms, dessen Wurzeln ihren festen Grund haben in dem unvergänglichen Dasein des jüdischen Volkes — nicht in dem egoistischen Bedürfnis einiger Weniger nach ungestörter Führung ihrer Individualexistenzen — und sie schöpft aus dieser Macht das Bewußtsein einer harten und ernsten Pflicht. Sie hat diese Überlegenheit in diesem Wahlkampf gegenüber der bisherigen liberalen Klüngelwirtschaft, die jeden Andersdenkenden grundsätzlich nicht aufkommen ließ, nun endgültig erobert. Ihre 8 mit zuverlässiger Phalanx eroberten, mit zuverlässigen Männern besetzten Sitze sind der Volkspartei wertvoller, als 10 oder 12 von der Kampfangst der Liberalen ihr geschenkweise dargebotenen Mandate. Aus der Eroberung schöpft die Volk'spartei die Kraft, die Unabhängigkeit und das Verantwortungsbewußtsein, dessen sie bedarf für die zukünftige Arbeit. Die Aufgabe einer Kriegsleitung ist — nach Clausewitz und Moltkes Ausspruch —: dem Gegner das Gesetz des Handelns vorschreiben. Diese Aufgabe hat die Volkspartei im Wahlkampf glänzend gelöst. Sie wollte kämpfen, sie wollte keinen faulen Kompromiß, sie wollte Leben, sie wollte Bewegung, keine Starrheit und Stagnation — und das Volkspartei-Programm war — allerdings negativ — auch das Wahlprogramm der Liberalen, war der allgemeine Gegenstand der politischen Diskussion und Werbung. Und den Gegnern, den quantitativ Mächtigen, auch in Zukunft das Gesetz des Handelns aufzuzwingen, ihnen die Rolle der Oppositionspartei zuzuschieben, die Richtung der Verwaltung anzugeben, die bisherige Politik der Liquidation und des Abbaus kräftig in eine Politik des Aufbaus und der Erneuerung herumzureissen, — dies ist die Pflicht der Volksparteiler, der zwar zahlenmäßig Schwächeren, aber durch die Wucht des gemeinsamen Wollens Stärkeren. („Ihr paar Orthodoxen und Zionisten werdet uns Liberale minorfeileren“, sagte ein witziger und gewitzigter Liberaler dem Schreiber dieser Zeilen vor ein paar Tagen.) Wir wollen damit nicht ankündigen, daß nun der Wahlkampf in der Gemeindestube seine Fortsetzung haben werde. Kampf oder Arbeitsgemeinschaft? Die Entscheidung wird davon abhängen, welchen Gebrauch die Liberalen von ihrer Majorität machen werden. Friedliche Zusammenarbeit ist auch uns lieber, aber nicht ein Friede, der identisch ist mit Stillstand und Versumpfung. Eine jüdische Gemeindestube ist kein stiller Karpfenteich, Judentum ist nun einmal Leben und Bewegung. Wenn die Majorität sich ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise Mode Sport W. Braun & Cie., MUachea Neuhauserstr. 151, gegen« über der alten Akademie als Mandatarin der großen Zahl der Gleichgültigen, der Friedlichen, der Bewegungslosen ansieht denen sie ihre Zahlenherrschaft verdankt, wenn sie wähnt, auf dem ruhigen Pfühl wieder gesicherter Liquidatorenherrschaft ausruhen zu können, — dann allerdings gibt es Krieg. Und da werden die Karpfen kein Moos ansetzen. Volksforderungen wie: Gleichberechtigung der Ostjuden, soziale Fürsorge Ln dem jeweils erforderlichen Maß, positive Erziehung der Jugend usw. werden — wie Catos „ceterum censeo“ — so laut, so unablässig, so heischend und so beharrlich Euch in die Ohren gellen, bis Ihr die Forderungen bewilligen werdet — und sei es auch nur, um endlich Ruhe zu haben. Und daß Ihr die Forderungen bewilligen werdet: wir sind des gewiß. Wir erwarten aber auch, daß Ihr sie deshalb bewilligen werdet, weil Ihr innerlich von ihrer Berechtigung überzeugt seid. Denn, nicht wahr? Ihr glaubt doch selbst nicht, daß Ihr nur ein Ausschuß seid zur Wahrung des materiellen Wohlbehagens einer Summe jüdischer Individuen im Münchener Stadtbezirk! Ihr seid doch, wir alle sind doch lebendige Glieder am Leib des jüdischen Volkes.- In diesem Sinne, Ihr neuen Gemeindeväter, gewählt von wem immer, rufen wir Euch zu ein „Herzlich willkommen!“ Glückauf bei der gemeinsamen jüdischen Arbeit! * Wahlresultat. Bei der am 13. März stattgehabten Wahl zum Verband Bayer. Israelitischer Gemeinden und zur Gemeindevertretung wurden in München bei 5591 eingeschriebenen Wählern folgende abgegebene Stimmen gezählt: für die Gemeinde: für den Verband Bezirk I a 193 Volkspartei 792 Liberale 198 Volkspartei 792 Liberale I b 108 Volkspartei 452 Liberale 113 Volkspartei 468 Liberale * 11 263 Volkspartei 613 Liberale 269 Volkspartei 621 Liberale „ Hl 206 Völkspartei 672 Liberale 211 Volkspartei 674 Liberale „ IV 676 Volkspartei 413 Liberale 689 Volkspartei 410 Liberale außerdem i in Ingolstadt . . 12 Volkspartei 40 Liberale insgesamt: 1446 Volkspartei 2943 Liberale 1492 Volkspartei 3005 Liberale Es haben sonach etwa 80 Prozent der Wähler vom Wahlrecht Gebrauch gemacht. Gewählt wurden: Für die Gemeinde. Von der Jüdischen Volkspartei 8 Vertreter und zwar: Kommerzienrat Sigmund FraenJkel, Dr. Elias Straus, Hermann Rosenthaler, Justizrat Dr. Emil Fraenkel, Josef Schachno, Dr. Max Feuchtwanger, Dr. Julius Siegel, Justin Lichtenauer. Als Ersatzmänner gelten die auf der Liste der Jiid. Volkspartei genannten Bewerber in folgender Reihenfolge: Samuel Rothschild, Dr. M. L