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Das jüdische Echo · 1921-02-18 · 7 (18.2.1921) · p. Seite 85

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
7 (18.2.1921)
Date
1921-02-18
Page
Seite 85 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo mBwagn——j—wa—■bkaki miiium iiinmanttjiamw Nummer 7_18. Februar 1921 8. Jahrgang Das englische Palästina-Mandat. Durch eitnc Veröffentlichung des Jewiish Cronicle ist der Entwurf des von der englischen Regierung vorbereiteten Mandats-Vertrages bekannt geworden, auf Grund dessen nach Genehmigung durch den Völkerbundsrat England endgültig und offiziell die Verwaltung Palästinas übernimmt, die es ja seit der Besetzung des Landes praktisch und — seit Entsendung Herbert Samuels — in dem Geiste führt, der die englische Palästinapolitik seit der Erklärung Balfours bestimmt. Wenn auch die Veröffentlichung nicht offiziell durch die englische Regierung erfolgte, so kann man diesen Mandatsentwurf als nahezu endgültig ansehem Es ist nicht anzunehmen, daß seine Bestimmungen in den entscheidenden Punkten noch Änderungen erfahren werden. Die jüdische Öffentlichkeit hat sich nunmehr, da die Übertragung Palästinas durch Vermittlung einer ^Mandatarmacht an das jüdische Volk endgültige Formen annimmt, über die Verpflichtungen, die ihr daraus erwachsen, klar zu werden. Es ist dafür ohne enscheidende Bedeutung, ob der Mandatsvertrag diesen oder jenen jüdischen Wunsch noch hätte erfüllen sollen, denn darüber kann auch bei den stärksten Forderungen an den Vertrag kein Zweifel bestehen, daß nicht sein Inhalt, sondern die jüdische Kraft und die jüdische Arbeit im Lande den wirklichen praktischen Wert bestimmen wird. Palästina wird jüdisches Land nicht durch irgendwelche Bestimmungen, die auf dem Papier stehen werden, sondern durch das, was die Juden aus ihm machen oder nicht machen werden. Es ist ein erfreuliches Zeichen, für die sich durchsetzende Erkenntnis der entscheidenden Bedeutung Palästinas für die Juden aller Länder und für die Juden aller Richtungen, daß der des Zionismus gewiß nicht verdächtige Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Jugendvereine, Dr. Alfred Apfel sich für ein energisches Zusammenarbeiten, aller Juden für Palästina, für eine geschlossene Phalanx zum Palästina-Aufbau ausgesprochen hat. In der Tat wird es sich nun sehr bald entscheiden, ob die großen Teile der deutschen Juden, die dem Palästinagedanken bisher ferne standen, sich genügend Zusammenhang mit dem Judentum bewahrt haben, um zu verstehen, daß Palästina aufgehört hat, Parteisache zu sein und daß kein Jude sich der Aufgabe, am Aufbau Palästinas mitzuwirken, wird entziehen dürfen. Es ist ein betrübendes Schauspiel, das gewisse jüdische Kreise in Deutschland bieten, wenn sie jedesmal, bei kleinen oder größeren, wirklichen oder scheinbaren Mißerfolgen der zionistischen Arbeit frohlocken und wenn gewisse Parteien oft tief besorgt für die arabischen Interessen sind und darüber die jüdischen verraten. Diese Kreise verkennen so sehr ihre eigene Lage, daß sie eben nicht begreifen, es könne sich nicht um einen ^Mißerfolg einer Partei, sondern der jüdischen Sache handeln. Es wird keinen einzigen noch so assimilierten, noch so der Taufe nahestehenden Juden geben, der nicht schließlich unter der ungeheuren Erschütterung der Lage des Judentums leiden würde, die ein etwaiges Scheitern der Palästinapläne verursachen müßte. Und es ist deshalb eine tiefbedauerliche Kurzsichtigkeit solcher „jüdischer Politiker“, die nicht begreifen, daß zionistische Mißerfolge in Wahrheit Mißerfolge der ganzen jüdischen Sache wären. Nunmehr, da der Mandatsentwurf einen so außerordentlichen Erfolg der konsequent durchgeführten zionistischen Palästinapolitik dartut und den Rahmen festlegt, der alle Möglichkeiten für eine große jüdische Palästinaarbeit schafft, sind diese „Politiker“ stille geworden. Vielleicht dürfen wir hoffen, daß die jüdische Öffentlichkeit sie nicht mehr fragen, daß die verantwortlichen Juden aller Richtungen nicht mehr gestatten werden, daß man die lebendige Arbeit für das jüdische Volk sabotiert. In Deutschland liegt die Frage wohl so, daß die Zahl der Auswanderer nach Palästina nicht allzu umfangreich sein wird, daß die Leistung des deutschen Judentums für den Palästina-Aufbau im wesentlichen finanzieller Natur wird sein müssen. In der Tat hängt von der finanziellen Leistung nahezu alles ab. Die jüdischen Menschen drängen sich an den Toren Palästinas. Die arbeitsfähige jüdische Jugend ist in solchen Massen wanderbereit, daß es sich nie um die Frage der Arbeitskräfte, sondern stets nur um die Frage der Schaffung der Arbeitsmöglichkeit handeln wird, und Arbeitsmöglichkeit heißt in diesem Falle, wie in jedem zu kolonisierenden Lande, Geld. Es liegen ausgereifte Pläne für große Bewässerungsanlagen, große Verkehrsarbeiten, landwirtschaftliche Siedlungsarbeiten, kurzum, für die großen Arbeiten vor, die Palästina zu einem der bevölkertsten und kultiviertesten Länder der Erde machen sollen. Es sind die Menschen vorhanden, deren Hände dileses schaffen werden. Aber die jüdische Masse im Osten, die wohl unter anderen Verhältnissen mit der größten Selbstverständlichkeit von der Welt der Träger dieses Aufbaues geworden wäre, ist wirtschaftlich zerstört. Sie bringt heute nicht, wie inan früher hoffen durfte, alles mit, was Palästina braucht, sondern nur sich selbst und den starken Willen zur Arbeit im jüdischen Land. Dies ist zwar fast alles, aber di'e verhältnismäßige Kleinigkeit, welche die Geldmittel sein müßten, scheint in diesem Augenblick entscheidend zu sein. Fehlen sie, dann wird die Verbindung von Land und Volk scheitern müssen und die jüdische Katastrophe unserer Tage wird unabsehbar. Diese Konsequenzen und Fragen müßten sich alle Juden vorlegen, die nunmehr im Mandatsentwurf die formalen und rechtlichen Grundlagen kennen lernen, auf denen das jüdische Palästina sich entwickeln soll. R. Der Text des Palästina-Mandats. In Anbetracht dessen, daß durch Artikel 132 des Friedensvertrages, der am 10. August 1920 in Sevres unterzeichnet worden ist, die Türkei zugunsten der alliierten Hauptmächte auf alle Rechte und Ansprüche auf Palästina verzichtet hat; und daß durch Artikel 95 des erwähnten Vertrages die hohen vertragschließenden Parteien übereingekommen sind, die Verwaltung Palästinas

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