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Das jüdische Echo · 1921-02-09 · 6 (9.2.1921) · p. Seite 79

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
6 (9.2.1921)
Date
1921-02-09
Page
Seite 79 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 79 Feuilleton Paradies-Äpfel/) „Die Sache ist wohl spruchreif!“ sagte Justizrat Wenzel. „Sie ist ausführlich schriftlich vorbereitet; müssen wir noch mündlich vortragen?“ „Die Herren haben sich mit aller dem Ernst der Sache entsprechenden Ausführlichkeit in ihren Schriftsätzen über den Gegenstand verbreitet,“ sagte der Direktor. „Da können wir die Reden wohl als genossen annehmen und nach Lage der Akten entscheiden.“ „Ich hätte doch noch einiges anzuführen,“ rief Hank. „Also — richtig! Ihr Mandant ist ja persönlich anwesend.“ „Das hat auf meine Art des Verhandelns keinerlei Einfluß!“ sagte Hank gereizt. „Wieso sollte das auch?“ fragte Bandmann anscheinend verwundert. „Wie kommen Sie nur auf den Gedanken? — Lassen Sie mich doch ausreden! Ich wollte sagen: da beide Parteien persönlich anwesend sind, läßt sich der Streit vielleicht im Wege des Vergleiches beilegen. —“ „Ein Vergleich erscheint mir ausgeschlossen!“ sagte Hank hastig; er hatte schon in erster Instanz vergebliche Versuche zu einer gütlichen Beilegung des ihm höchst unerquicklichen Streitfalles gemacht, die alle an der Starrköpfigkeit seines Mandanten gescheitert waren. Ihm lag nichts daran, unnütz die Verhandlung der Sache zu verlängern. „Wie Sie meinen!“ sagte der Vorsitzende kühl. „Dann also zunächst das Protokoll, Herr Referendar. — Nehmen Sie die Erschienenen auf! Es erscheint mit dem Kläger und Berufskläger“ — er sah auf den Aktendeckel — „dessen Prozeßbevollmächtigter Rechtsanwalt Kahn —“ „Hank!“ „Wie beliebt?“ „Rechtsanwalt Hank für Kläger!“ sagte der kleine Mann rotwerdend. „Sie sind —? Verzeihung! Ich kann nicht alle Herren Anwälte persönlich kennen! — Ich glaubte, Sie wären Kahn — wie doch der Schein trügt! — Also bitte, Herr Referendar! Ein neues Protokoll: mit dem Kläger für dessen Prozeßbevollmächtigten, den Rechtsanwalt Kahn, dessen Substitut Rechtsanwalt Hank.“ „Nein!“ preßte Hank hervor. „Nicht Substitut — ich bin selbst Prozeßbevollmächtigter!“ „Sooo? — Oh, Entschuldigung!“ sagte Bandmann überhöflich. „Also bitte, Herr Referendar, ein neues Protokoll: mit dem Kläger der Rechtsanwalt Kahn mit der Erklärung, daß er neben dem Rechtsanwalt Kahn als zweiter Prozeßbevollmächtigter bestellt sei.“ „Aber nein!“ rief Hank — außer sich über die Heiterkeit, welche hinter seinem Rücken unter den Zuhörern sich zu verbreiten begann. „Ich bin doch der Prozeßbevollmächtigte, — Rechtsanwalt Hank, — ich bin der alleinige Prozeßbevollmächtigte!“ „Ach so!“ sagte Bandmann mit unverminderter Höflichkeit. „Dann war das wieder ein Mißverständnis; ich bitte sehr um Entschuldigung. — Also, Herr Referendar, bitte, ein neues Protokoll: mit dem Kläger dessen Prozeßbevollmächtigter *) Aus „Tohu Wabohu“, dem glänzenden satirischen Roman von Sammy Gronemann, Welt- Verlag, Berlin. Vorrätig in der Ewer-Buchhandlung, München, Wagmiillerstraße 19. Rechtsanwalt Hank, — welcher mitteilt, daß das Mandat des früheren Prozeßbevollmächtigten Rechtsanwalt Kahn erloschen sei.“ „Aber das ist doch —!“ Hank war nahe daran, die Akten auf den Boden zu werfen und hinauszulaufen. „Ich bin ja identisch — Kahn und Hank, das ist ja dasselbe. — Ich bin von Anfang an der alleinige Prozeßbevollmächtigte!“ „Ach?“ sagte Bandmann sehr liebenswürdig. „Das verstehe ich noch nicht; da müssen Sie schon die Güte haben, mir das näher zu erklären.“ Hank nahm sich zusammen und sagte mit möglichster Ruhe: „Mit allerhöchster Genehmigung habe ich meinen Namen geändert; ich heiße jetzt Hank!“ „Ach soo! — Ja, warum sagen Sie denn das nicht gleich! — Herr Referendar, also bitte, ein neues Protokoll: mit dem Kläger dessen Prozeßbevollmächtigter Rechtsanwalt Kahn —“ „Hank!“ schrie der Anwalt verzweifelt. „Nur ruhig, — einen Augenblick! — Eins nach dem andern!“ sagte Bandmann sanft. „Haben Sie, Herr Referendar? Mit dem Kläger dessen Prozeßbevollmächtigter Rechtsanwalt Kahn. — Rechtsanwalt Kahn erklärt, daß er neuerdings mit landesherrlicher Genehmigung nicht mehr den Namen Kahn führe, sondern sich jetzt Hank nenne; Rechtsanwalt Hank stellt nunmehr den Antrag aus der Berufungsschrift — Sie haben wohl verstanden, Herr Referendar?“ „Jawohl!“ sagte Heinz Lehnsen, ohne aufzusehen, eifrig schreibend; er teilte die allgemeine Heiterkeit nicht. „Und mit der anderen Partei,“ fuhr Bandmann fort, „Justizrat Wenzel. — Der Name stimmt ja wohl?“ „Stimmt!“ lachte der Justizrat gemütlich. „Immer noch August Wenzel, — von meiner Taufe an bis heute!“ (Fortsetzung folgt.) E.J.GOTTSCHALUCO./S MÜNCHEN KAUFINGERSTRASSE 26 EING. FRAUENPLATZ Erstklassiger Herrenschneider fl. E I M W fl (5 annehmbare Preise MÜNCHEN Residenzstraße 13/1 (Majc Joseph-Platz)

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