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Das jüdische Echo · 1921-01-21 · 3 (21.1.1921) · p. Seite 40

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
3 (21.1.1921)
Date
1921-01-21
Page
Seite 40 (sequence 12)
Language
German
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40 Das Jüdische Echo Nr. 3 Verkleidung flammt im Licht der Sonne und vieler Kerzen; hoch über der Straße, unter dem zarten Blau der günstigen Stunde, funkelt es und leuchtet um das legendäre Schwarzbraun des jungfräulichen Antlitzes und der gekreuzten Hände. Die Messe geht vor sich, eine kleine Orgel singt ihre kirchliche altitalienische Weise nicht anders, als der Glanz von Kerze und Gold über die Häupter der Beter hinabbricht. Vor all dem Funkeln kniet in einem Kleide von kostbarem Violett der Prister; weiß wehende Knaben schreiten dienend am Fenster vorüber. Die Augen dieser Bäuerinnen stehen in ihren Antlitzen weit auf und trinken alle das Strahlende und Unerhörte in ihre dumpfen Seelen. Durch die Stille des Fahrwegs und den Sang der Orgel klirrt und eilt ein Schlitten — niemand vielleicht hört ihn außer mir. Hier ist ein langsames und erschütterndes Wunder. Die Straße selbst, von Gängern durchschritten, wird zur Kitrehe. In die arbeitsvolle und erdgewandte Mühsal einer ganzen Woche oder noch länger hin nimmt das Volk ein Andenken des unsäglichen Gottesglanzes mit, dessen Abglanz Ostra-Brama ist, und dessen es eines endlichen und erlösenden Tages ganz teilhaftig werden wird, wenn der Gott in der Hostie durch die Tür einer elenden Panje-Hütte getragen ward, und der Tod die Pforte des Paradieses weit öffnet. Die Hoffnung. Wie viele Perlen liegen noch vor mir, wieviel Vollkommenes schwebt noch ungesagt in mix; die mattgelbe turmhohe Chor wand der Johanniskirche, in der zwei gotische Fenster wie zwei umgekehrte Schilde, geschwisterlich einen Christ aus schwarzem Eisen hüten, und die, in zinnenhafter Höhe, ein barocker Giebel krönt, musizierend und jubelnd wie eine mozartische Passage in der siebenten Geigenlage. Aber all das verdämmert vor dem Biilde der ganzen wilden und großartigen Stadt. Sie erwächst aus engen und gewundenen Gassen, aus niederen Häusern oder modernen Steinkästen, aus geschnitzten und blaugefärbten Türen, bemalten Kirchen, von deren Fassaden die bunten Heiligen im Schneegestöber vibrieren, aus langen li^fei Mauern ockergelb und aus weiten, manchmal leeren, manchmal schön geschlossenen Plätzen; häufig stehen Säulenreihen als Formgespenster Roms, und alle diese Häusergrüfte sind durchlöchert von menschlichen Wohnungen und den armseligen oder glänzenden Läden, von denen Wilna heute lebt, eine Stadt, die nicht strahlt, aber sich nie ganz verdunkelt, eine Stadt teurer Waren, in der der Luxus billig ist wie meine schöne Kette und in der das Weißbrot unerschwinglich bleibt — eine große Stadt in der Verfassung von hundert anderen heute, die aber aufgereiht auf Wilja und Wileika, ihre beiden Flüsse, zwischen ihren Hügeln liegt wie eine Kette, wie das Kleinod der Ebene. Stadt der beherrschenden Kirchen und der Bethäuser, die allenthalben in den düsteren Häusern verborgen sind wie die pulsenden und unermüdlichen Herzen der Gotteslehre und des Gottesdienstes, ist sie voller Frömmigkeit, voller leidenschaftlicher Hoffnung auf bessere Tage, und ganz voll unmittelbarer Erwartungen auf Erfüllung: die Zeit ist reif von entscheidenden Dingen, Juden, Litauer und Polen sehen die Wende vor sich, und ich gehe umher, nun schon Jahre entfremdet allem, was mir teuer ist, ich ftnde die zähe und ewig wache Hoffnung, die mich in diese Stunde brachte, wieder in den Worten der dürftig lebenden Menschen und Brüder, und eine Ehrfurcht tief und still erfüllt mich vor unserem wieder den Gott suchenden, wild an diese Erde geklammerten Tiergeschlecht. Gemeindenu. Vereins-Ith© Das Sekretariat der Zionistischen Ortsgruppe und des Jüdisch. National- Fonds befindet sich nunmehr Wagmüllerstraße 19, Ecke Galeriestraße. Geöffnet von 9—12 Uhr vorm, und 3—6 Uhr nachm. Telephon 21499. Spenden für den Jüdischen National-Fonds bitten wir nur noch dort einzubezahien, oder auf Postscheckkonto Elisabeth Mahler 10121. Im Sekretariat sind auch N.F.-Wertzeichen und N.F.- Telegramme zu haben, die in künstlerischer Ausführung neu erschienen sind und zur eifrigen Benützung empfohlen werden können. Bar-Kochba Nürnberg. Neuregelung. Es turnen sämtliche Abteilungen in der Turnhalle des Männerturnvereins, Landgrabenstraße 140, und zwar jeweils Mittwoch von 5—5.45 Uhr Knabenabteilung (Leiter: Herr Lehrer Bernheim), 5.45 bis 6.30 Uhr Mädchenabteilung (Leiter: Turnlehrerin Frl. Meikler), 6.30—8 Uhr Damenabteilung (Leiter: Turnlehrerin Frl. Meikler), 8—9.30 Uhr Männerabteilung (Leiter: Herr Kolb). Die Abteilungen haben pünktlich an- und abzutreten. Die Knaben- und Männerabteilung benützt den Ankleideraum I, die Mädchenu. Damenabt den Ankleideraum II. Kinderabteilungen. In der Knaben-und Mädchenabteilung werden Kinder im Alter von 6—14 Jahren aufgenommen und werden in ihrem Alter entsprechende Riegen eingeteilt. Die Eltern der Knaben und Mädchen zahlen an die Kasse des Vereins ein Jahreshonorar von 36 Mk., ohne Rücksicht auf die Anzahl der Kinder, die sie in eine oder beide Abteilungen geben. Anmeldungen werden entgegengenommen: in der Turnhalle jeweils eine Viertelstunde vor Beginn des Turnens, von A. Körösi, Marientorgraben 5, Tel. 972, und von Irma Neu, Tel. 9226. Wir bitten Eltern von Kindern im vorgenannten Alter auf das am Mittwoch, den 20. er., beginnende Kinderturnen aufmerksam zu machen. Jugendabteilungen : Knaben- und Mädchen im Alter von 15 und 16 Jahren turnen als besondere Jugendriege in der Männer- und Damenabteilung. Die Vorstandschaft. Bar Kochba Nürnberg. Die diesjährige Generalversammlung findet Montag, den 31. Januar, abends V28 Uhr im Saale des Männerturnvereins, Landgrabenstraße 140, statt. Tagesordnung: 1. Jahres¬ und Kassenbericht der Vorstandschaft, 2. Entlastung der Vorstandschaft, 3. Wahl der Vorstandschaft, 4. Anträge, 5. Festsetzung der Beiträge, 6. Verschiedenes. Am Sonntag, den 30. Januar, abends V28 Uhr findet im Gesellschaftsheim, Hefnerplatz 7, ein „Geselliger Abend“ statt, zu dem wir unsere Mitglieder nebst Angehörigen einladen. Eintritt frei. Die Vorstandschaft. Blau-Weiß München. Sonntag, 23. Januar 1921, sämtliche Züge Treffpunkt 9 Uhr Endhaltestelle Linie 6 Thalkirchen. Treffpunkt für sämtliche Gruppen 8V2 Uhr Giesinger Bahnhof. — Alle Skiläufer, Jungens und Mädchen, bei entsprechendem Wetter 6 Uhr Hauptbahnhof ohne Fahrkarte. Siehe Anschläge im Heim. — 2. Zug: Samstag ab 4V* Uhr Heimabende. Turnen Mittwoch 6 Uhr. Bibliothekstunde Donnerstag halb 6 bis halb 7 Uhr. 4. Zug: Heimabende Samstag 3 Uhr bei Deutsch, Glückstraße 3. — 1. Gruppe: Heim-

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