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Das jüdische Echo · 1921-01-21 · 3 (21.1.1921) · p. Seite 39

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
3 (21.1.1921)
Date
1921-01-21
Page
Seite 39 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 39 Aus der jüdischen Welt Palästina Kleine Nachrichten. Laut „Haaretz“ vom 23. Dez. wird der Bau der Eisenbahn Petach-Tikwah nach Ras-ei-Ain in einigen Wochen in Angriff genommen werden. Mit der Ausarbeitung der Pläne wurden zwei Ingenieure in Jerusalem betraut. — Zusammen mit der Anglo Palestine und den Herren Pewsner und Kahn hat eine ägyptische Gesellschaft die Konzession zur Errichtung eines Warenhauses in Haifa erworben. — Die demobilisierten jüdischen Legionäre haben sich vor allem zwecks Verbesserung ihrer materiellen Lage organisiert. Die Regierung hat ihnen bevorzugte Berücksichtigung bei Stellenbesetzung und Ansiedlung zugesagt. — Am 23. Dez. fanden die mündlichen Prüfungen für Rechtsanwälte ihr Ende. Unter den Examinatoren waren zwei Engländer, zwei Araber und zwei Juden. Zur Prüfung meldeten sich 10 Araber und 11 Juden. Acht Juden wurden hebräisch, einer englisch und zwei arabisch geprüft. Die Kandidaten feierten dann im Hause Ussischkins im Verein mit den jüdischen Richtern und Advokaten das Ereignis, daß staatliche Prüfungen zum erstenmal in hebräischer Sprache abgehalten wurden. — Am 20. Dez. fand eine Beratung von Rabbinern und Notabein in Frage der Schaffung einer großen Zentralsynagoge in Jerusalem statt. Der bezügliche Vorschlag der Rabbiner wurde von Samuel mit großer Genugtuung entgegengenommen. Es wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, daß die in Jerusalem zu erbauende Synagoge, als Zentralsynagoge für die gesamte Judenheit, ohne Unterschied der Gemeinde, gemeinsam sein soll. Über den eventuellen Ritus der Gebete soll eine aus Rabbinern zusammengesetzte Kommission beschließen. Die Regierung, Wa«d Leumi, Waad Hazirim und Waad Hair werden eingeladen, je einen und die Rabbiner, drei Vertreter in eine Kommission zu wählen, die sich mit dieser Frage befassen soll. Samuel wird um Approbierung dieser Kommission und Übernahme des Ehrenvorsitzes angegangen. Die Vergrößerung von Petach-Tikwah. Die Regierung übergab der Kolonie Petach-Tikwah 3000 Dunam sumpfigen Bodens für die Dauer von fünfzig Jahren. Die Entwässerung wird mittels elektrischer Kraft vorgenommen werden, die die Wässer des Audjaflusses liefern werden. Deutschland Erschwerungen für Ausländer im linksrheinischen Gebiet. In der letzten Zeit sind Flüchtlinge aus dem Osten häufig in das linksrheinische Gebiet gefahren, ohne sich vorher zu vergewissern, ob sie dort mit ihren Personalausweisen usw. sich aufhalten dürfen. Die Verhältnisse im linksrheinischen Gebiet liegen ähnlich wie in Oberschlesien. Flüchtlinge, die nicht im Besitz von Heimatspässen sind, werden auf Grund des § 5 der Rheinlandordonnanz der Alliierten Kommission aus diesem Gebiet wieder ausgewiesen, sodaß in jedem Falle vor dem Zuzug dorthin zu warnen ist. Der im übrigen preussischen Gebiet geltende Personalausweis wird linksrheinisch nicht als genügendes Legitimationspapier anerkannt. England Montagu englischer Kolonialminister. Der bisherige Staatssekretär für Indien, Montagu, wurde an Stelle von Lord Milner zum englischen Kolonialminister ernannt. Milner dürfte deshalb zurückgetreten sein, weil er sich den von Montagu für Indien ausgearbeiteten Reformen widersetzt hat. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß gegenwärtig außer Montagu auch noch andere Juden auf die verantwortungsvollsten und schwierigsten Posten des britischen Kolonialreiches gestellt sind, so Lord R e a d i n g, Vizekönig von Indien, William Meyer, High Commissioner von Indien, Sir Mathew Nathan, Gouverneur von Australien und last not least Sir Herbert Samuel, High Commissioner von Palästina. Feuilleton Die Schmuckstücke von Wilna. Von Arnold Zweig. (Schluß.) Eine grünliche Perle. In dem schmalen grünen Hofe, der voll ist vom Volk der Judengasse, öffnet sich die . alte eiserne Flügeltür. Tief überrascht fühle ich mich eingeschlungen vom hellen, hohen und weiten Gewölbe der großen „Schul“. Um ihre vier starken Pfeiler drängt sich die Menge, die sie ganz erfüllt, dicht füllt, sodaß ich mich mühsam nach vorn zwänge. Heut ist der Sabbat des Monatanfangs; der große Kantor Herschman und sein Chor singen. In fanatisch reinen Terzen und Sexten steigen die Knabenstimmen empor, hoch hinauf, immer höher, leicht, strahlend und süß entfalten sich oben ihre Kantilenen über dem tragenden Gewicht der Bässe. Auf ihnen aber ruht, ausgebreitet, von Können gesättigt und mild in ihrer Reife die Stimme dieses Mannes wie eine Kuppel gewichtlos und abschließend. Aber dann wendet er sein Gesicht dieser Menge zu, die in ihrer ganzen Lebendigkeit erstarrt und lautlos steht, und mit der Gewalt eines doch noch beherrschten Feuerausbruchs ruft er ihnen das „Höre Jsrael“ entgegen. In diesem Augenblick ist die süße und kunstlose Harmonik des Chores, ist seine eigene Technik der Inbrunst und die Kunst seines Singens völlig vernichtet: diese Stimme ist selbst der Glauben, der unwandelbare, herrliche und heldische Glaube der Juden an ihren einen und unteilbaren Gott. Jeder dieser Menschen, die alle wissen, daß sie ohne Mittler mit ihrem Gott umgehen müssen, der ihnen in jeder Stunde ihres aus Gebet und Geschäft gescheckten Lebens nahe ist, und die darum schwer in den einen allgemeinen Rythmus des Gebets zu zwingen sind, weil ja jeder allein ist mit Ihm — jeder dieser Juden erkennt in dieser Stimme seine frömmste Erschütterung, seine höchste Entflammung, die beste Stunde seines Jahres wieder: diese Stimme spricht in sich selbst ganz gesammelt und ganz lauter aus, und darum schweigen diese skeptischem schnell unaufmerksamen Menschen, und sind ganz Hörende, solange dieser singende Beter für sie spricht. Morgen aber gibt Herschman ein Konzert, und ich werde nicht hin gehen. Eine ganz goldfarbene Perle. Die Ostrabrama-Straße liegt im schnellen Glanze des Sonntagmorgens, den eine kurz scheinende Sonne flüchtig erhellt. In flachen Nischen, notdürftig durch Frost gereinigt, knieen an der linken Straßenwand die betenden Frauen, Das Tor wölbt sich hochwandig zwischen den Häusern; das große Fenster vor dem wunderwärkenden Bilde der Mutter Gottes steht weit offen, und seine goldene

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