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Das jüdische Echo · 1921-01-21 · 3 (21.1.1921) · p. Seite 37

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
3 (21.1.1921)
Date
1921-01-21
Page
Seite 37 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 37 empfunden werden. Neben ihrem starken Interesse am jüdischen Leben überhaupt ist hier vor allem das natürliche Ehrgefühl maßgebend, das es jedem Menschen und jeder Menschengruppe verbietet, sich mit halben Rechten, die ganze Entrechtung sind, und der in ihnen ausgedrückten Geringschätzung abzufinden. Ein Beispiel wird verdeutlichen, wie das gemeint ist: Es war nie eine Lebensfrage für die deutschen Juden, daß sie Offiziere im kaiserlich deutschen Heere werden konnten, und doch bemühten sie sich unausgesetzt um dieses Postulat. Sie wehrten sich mit Recht dagegen, als Bürger zweiter Klasse behandelt zu werden. Nun denn, wir Ostjuden wollen uns nicht als Qemeindebürger zweiter Klasse behandeln lassen. Deshalb wird die erste Frage jedes ostjüdischen, ja jedes gerecht empfindenden Wählers an die Kandidaten und Parteien die nach der Gleichberechtigung der Ostjuden sein müssen. Wir sind begierig, in den zu erwartenden Auseinandersetzungen der Wahlbewegung zu hören, mit welchen jüdischen (nicht antisemitelnden) Argumenten die Fortdauer unserer Entrechtung vertreten werden kann. Da aber die bisher im Gemeindeleben maßgebenden Kräfte nicht gewillt sind, freiwillig dem Gebot der Gerechtigkeit entsprechend die Gleichberechtigung deir Ostjuden durchzuführen, wird es Aufgabe aller in München lebenden Ostjuden — und da das Gesagte in gleicher Weise für den Gemeindeverband gilt, aller in Bayern lebenden Ostjuden — sein, bei den bevorstehenden Wahlen ihre ganze Kraft für die Partei eiinzusetzen, die die Beseitigung dieses Unrechts zu ihren Hauptprogrammpunkten zählt. So begreiflich die bisherige Passivität der Ostjuden in der Gemeinde und gegenüber den Vorgängen in ihr ist, so ist sie doch nicht das irechte Mittel, den gegenwärtigen unerfreulichen Zustand zu ändern. Aktivste Mitwirkung an den Gemeindeaufgaben, zuvörderst stärkste ausnahmslose Beteiligung bei den Wahlen ist notwendig. Darüber ein zweiter Artikel. Jakob Reich. Vom KiiltiirSortschrstt. 1. Die Extreme berühren sich. Mit fortschreitender Kultur werden Kapitalisten und Proletarier, Juden und Gegenjuden einander immer ähnlicher. Der Kriegsgewinnler, der für die Diktatur des Geldsackes, der Revolutionsgewinnler, der für die Diktatur der Straße schwärmt, der Vollblutarier, der Judenstämmlingen im Staat, der Abwehrjude, der Glaubensgenossen in der Gemeinde trotz Gleichheit der Pflichten die Gleichberechtigung abspricht, — sie alie sind gleiche Brüder, wiewohl sie von Gleichheit: und Brüderlichkeit nichts wissen wollen. 2. Segen des Unsegens. Gehaßt zu werden, ist nicht angenehm, aber heilsam. Wer uns schlechter macht, als wir sind, macht uns besser, als wir waren. Von der Aufgabe des Judentums wenden wir uns dem Judentum als Aufgabe zu. Was wir aber an Bequemlichkeit verlieren, das gewinnen wir an Charakter. 3. Horizontale Kombination. Benjamin Franklin hat den Blitzableiter erfunden. Dick verdient hat er aber nur mit der Buchdruckerpresse. Hugo Stinnes hat das Blitzableitergeschäft mit dem Buchdruckereibetrieb verbunden: Seine Presse benützt die Juden als Blitzableiter. 4. Neue Vaterlandsliebe. Über den Bund „Neues Vaterland“ schreibt Herr L e b i u s in der „Berliner Staatsbürgerzeitung“: „Der Liga gehören u. a. an Maximilian Harden, Professor Einstein, Professor Förster, Herr von G e r 1 a c h. Hier liegt glatter Volksverrat vor. Wir würden jeden Deutschen, der diese Schufte niederschießt, für einen Wohltäter des deutschen Volkes erkläre n.“ Der Mann verdient, zum „Klassenjustizrat“ ernannt zu werden. 5. Fort mit der Vivisektion! Überflüssig, noch länger Frösche zu quälen, um den Studenten zu zeigen, daß es Bewegungen ohne Hirn gibt Sie lesen den „Völkischen Beobachter“. Mitteilungen zur Gemeinde wähl. Gemeindewahl—Verbandswahl. Nach der in der letzten Nummer dieses Blattes veröffentlichten Wahlbekanntmachung müssen die Eintragungen in die Wählerlisten bis längstens 5. Februar erfolgt sein. Wir machen alle diejenigen, denen Wahlkarten bisher nicht zugesteilt worden sind, darauf aufmerksam, daß sie solche auf Anmeldung bei der Israelitischen Kultusgemeinde erhalten oder daß sie ihre Eintragung auf dem Büro der Kultusgemeinde persönlich veranlassen können. Wahlkarten sind in München ferner erhältlich: im Büro des Jüd. Echo, Herzog Maxstr. 4 (Teleph. 53099); im Büro der Jüd. Volkspartei, Wagmiillerstraße 19 (Tel. 21499); bei Herrn Samuel Rothschild, Rurnfordstraße 39 (Tel. 22928); im Büro des Gesamt- Ausschusses der Ostjuden, Pestalozzistraße 38 (Tel. 6226). — Die Wahlkarten müssen in allen Teilen ausgefüllt und rechtzeitig, d. h. vor dem 5. Febr. an die Gemeindekanzlei eingesandt werden. Wahlrecht der Kultusbeamten. Nach dem neuen Statut der Münchener Israelitischen Kultusgemeinde sind nunmehr im Gegensatz zu den bisherigen Bestimmungen auch die Gemeindebeamten wahlberechtigt und wählbar. Lediglich bei den Wahlen zum engeren Vorstand hat die Mehrheit der Gemeindeverwaltung geglaubt — entgegen einem von Dr. Eli Straus vertretenen Antrag — den Beamten auch für die Zukunft das passive Wahlrecht versagen zu müssen. Ihnen galt es als mit der Stellung eines Beamten nicht vereinbar, wenn dieser in der „Vorgesetzten Gemeinde“ selbst Sitz und Stimme bekäme. Wir sind der Ansicht, daß die neue Gemeindeverwaltung auch mit diesem Überbleibsel einer vorrevolutionären Auffassung wird aufräumen müssen. — Die Gemeindebeamten werden gut tun, sich zeitig in die Wählerlisten eintragen zu lassen, damit sie ihres Wahlrechtes nicht verlustig gehen. Jüdische Gemeindewahlen am 13. März 1921. Am Dienstag, den 1. Februar 1921,- abends 8 Uhr findet im Mathilden saale, Mathildenstr. 4, eine öffentliche Versammlung statt. In derselben wird Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. N e u m e y e r über die Verfassung des Verbandes und der Gemeinde sprechen. Eine Diskussion findet nicht statt.

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