Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 3 (21.1.1921)
- Date
- 1921-01-21
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 3 21. Januar 1921 8. Jahrgang Sonderausgabe: Zu den Gemeindewahlen Programm der Jüdischen Volkspartei in Bayern. 1. Die Jüdische Volkspartei bezweckt den Zusammenschluß aller vom jüdischen Bewußtsein durchdrungenen Kräfte der bayerischen Judenheit für die Arbeit in der jüdischen Gemeinde und im Gemeindeverband. 2. Die Jüdische Volkspartei fordert die Einführung rein demokratischer Verfassungen für die Gemeinde und den Verband; insbesondere fordert sie für die Wahlen zu den Vertretungskörpern gleiches, geheimes und unmittelbares Verhältniswahlrecht aller Volljährigen (auch der Gemeindebeamten), in den Großgemeinden Verhältniswahlrecht für Gemeindevertretung und Vorstand. 3. Die Jüdische Volkspartei bekämpft die Entziehung oder Minderung des Wahlrechtes der ausländischen Juden in den Verfassungen einzelner Gemeinden und des Verbandes. Sie verlangt innerhalb der jüdischen Gemeinden die Gleichberechtigung der Gemeindemitglieder ohne Rücksicht auf die Staatsangehörigkeit. 4. Die Jüdische Volkspartei erblickt in den jüdischen Landgemeinden eine der stärksten Stützen eines lebenskräftigen Judentums. Sie verlangt von den Großgemeinden und von dem Verband die Förderung aller auf die Erhaltung der Landgemeinden gerichteten Bestrebungen. 5. Die Jüdische Volkspartei tritt ein für die Erhaltung der altüberlieferten Einrichtungen des Judentums durch die Gemeinden und den Verband. Es muß insbesondere auch für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der Minderheiten durch die Gemeinde gesorgt werden. 6. Die Jüdische Volkspartei verlangt von den Gemeinden und dem Verband die tatkräftige Förderung aller auf die körperliche, geistige und sittliche Vervollkommnung der jüdischen Jugend gerichteten Bestrebungen. Sie fordert daher eine wirksame Ausgestaltung des jüdischen E r - ziehungs- und Bildungswesens. (Kindergärten, Schulen, Lehrkurse, Lesehallen.) 7. Die Jüdische Volksparter erklärt es als ein Gebot der Selbstachtung der jüdischen Gemeinden, daß sie für eine ausreichende Besoldung der Rabbiner, Lehrer und Beamten sorgen, und diesen eine unabhängige Stellung eingeräumt wird, wie sie der Wichtigkeit ihres Amtes entspricht. 8. Die Jüdische Volkspartei verlangt, daß die jüdischen Gemeinden und der Gemeindeverband alle jüdischen Angelegenheiten in ihren Wirkungskreis einbeziehen und an der Lösung der Aufgaben der Gesamtjudenheit (Ostjudenfrage. Palästinafrage usw,) tätigen Anteil nehmen. Die soziale Arbeit (Armenpflege, Fürsorgetätigkeit, Berufsberatung und -Umschichtung, Arbeitsnachweis und anderes mehr), sowie die Verteidigung der jüdischen Ehre gegen Angriffe von außen ist Sache der Gemeinde und des Verbandes. 9. Die Jüdische Volkspartei fordert, daß d i e Vertretung jüdischer Angelegenheiten, insbesondere alle Ehrenämter in den jüdischen Gemeinden nur solchen Personen übertragen werden, die dem Judentum und seinem Fortbestehen ein lebendiges Interesse entgegenbringen. Titel und Reichtum geben keine genügende Eignung für jüdische Ehrenstellen. JÜDISCHE VOLKSPARTEI IN BAYERN für das vorbereitende Komitee: Sigmund Fraenkel-Miinchen / Dr. Elias Straus-München / Jakob Reich-München / Dr. David Grünbaum- Nürnberg / Dr. J. Bamberger-Nürnberg / H. Messinger-Nürnberg / Dr. Nürnberg-Würzburg / Leop. Birnbaum-Fürth / Matt. Löwenthal-Aschaffenburg / Rudolf Oppenheim-Schweinfurt / Kantor M. Engel- Bayreuth / Dr. Bamberger-Kronach / Dr. med. J. Bamberger-Kissingen / Dr. Rothschild-Gunzenhausen Dr. Weiner-Regensburg (Das obige Programm wird demnächst mit zahlreichen weiteren Unterschriften aus dem ganzen Lande als Flugblatt erscheinen.) Warum müssen Orthodoxe und Zionisten bei den bevorstehenden jüdischen Gemeindewahlen Zusammengehen? Die drei großen religiös-politischen Programmpunkte, deren restlose Durchführung die bayerische und insbesondere die Münchener Orthodoxie seit den gemeindlichen Kämpfen der Jahre 1907/08 durch die Revision des veralteten Edikts von 1813 erstrebte, Austrittsmöglichkeit, Zentralkasse und Einführung der Verhältniswahl, haben durch die in den jüngsten Monaten neu geschaffene Verfassung des Verbandes der israelitischen Gemeinden Bayerns und jene der israelitischen Kultusgemeinde München im Wesentlichen ihre theoretische Anerkennung und Verwirklichung gefunden. Das Gerüst für einen neuen demokratischen, von religiöser Duldung und wirklich liberaler Gesinnung durchdrungenen Neuaufbau unseres Geineindelebens ist dank der aufopfernden Tätigkeit unseres hochverdienten unermüdlichen Berichterstatters, des Herrn O.L.R. Dr. Neumeyer im Rohbau gezimmert. Nun gilt es, in den bevorstehenden Wahlen das Gebäude selbst aufzurichten und auszubauen und durch die Tat zu erweisen, daß die von uns seit mehr als einem Jahrzehnt angestrebte Verhältniswahl am Besten geeignet ist, jeden Gewissenszwang für die Folge auszuschließen, den Minderheitsparteien den ihnen auf Grund ihrer eigenen Stärke zukommenden