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Das jüdische Echo · 1920-12-24 · 52/52 (24.12.1920) · p. Seite 500

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
52/52 (24.12.1920)
Date
1920-12-24
Page
Seite 500 (sequence 8)
Language
German
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500 Das Jüdische Echo Nr. 52 erste Rate seiner Zeichnung 30 000 ägyptische Pfund der Zionistischen Organisation überwiesen. — Die Jerusalemer Kaufleute wurden von den Behörden vorgeladen und über die Ursache befragt, weshalb die Warenpreise trotz niedrigerer Erstehungskosten nicht nur nicht billiger, sondern zuweilen, wie z. B. beim Zucker, auch noch teuerer würden. Die Kaufleute beriefen sich auf ihre großen Vorräte, die sie noch teuer hätten bezahlen müssen. Die Regierung schrieb den Kaufleuten Durchschnittspreise vor mit der Betonung, daß sie das Gebahren der Kaufleute scharf kontrollieren und daß jede Preistreiberei dem schärfsten Widerstande der Regierung begegnen werde. Außerdem hat die Regierung angeordnet, daß alle Waren, in erster Reihe die des täglichen Gebrauches Preisaufschrift tragen. Jede Übertretung wird mit einer Geldstrafe von 100 Pfund oder 3 Monaten Gefängnis, beide Strafen event. auch verbunden, geahndet werden. — Am 6. Dezember fand in Jerusalem im Regierungspalaste unter großem Zeremoniell die Trauung des jungen Edwin Samuel mit Fräulein Grosowsky statt. Unter den 900 Gästen waren Repräsentanten aller Nationalitäten und Religionen vertreten. Der älteste arabische Scheich bekleidete nach der Trauung den Bräutigam mit arabischer Tracht und rief ihn zum Scheich von Berseba aus. — Das nach Jerusalem verlegte Misrachi-Zentralbüro wurde unter Leitung von Prof. Pick eröffnet. (Jerusalem P.O.B. 470.) In London bleibt ein offizielles Zweigbüro bestehen. — Die Ausgrabungen von Dr. N. Slousch in der Nähe von Tiberias hatten bereits Erfolge aufzuweisen. Er ist dort auf einen Teil der Mauer des Bethauses von Rabbi Meir-Baal- Haness gestoßen. Außerdem fand er eine Marmortafel, verschiedene Chanukah-Lampen, einen Schofar und gegen 300 verschiedene Geräte, die ein Licht auf das historische Tiberias der Talmudzeit werfen. Die bereits jetzt gefundenen Geräte genügen, um ein Museumszimmer zu füllen. Chaluzim unter 20 Jahren. Der Waad Hazirim teilt mit, daß Chaluzim unter 19—20 Jahren ohne Verwandte nicht nach Palästina befördert werden dürfen, außer sie wären physisch besonders geeignet und entwickelt. Jüngere Chaluzim können nur in ganz besonderen Ausnahmsfällen nach Palästina geschickt werden. Vereinigung jüdischer Arbeiter in Palästina. Aus Jaffa wird der Hazvira telegraphiert: Die Konferenz der jüdischen Arbeiter in Palästina ist beendet. Alle jüdischen Arbeitergruppen wie Zeire Zion, Achduth Haawodah haben sich vereinigt. Armenien. Pogrome. Laut einem in London aus Bombay eingetroffenen Telegramme haben jetzt auch die Armenier, die ja selbst zu den meist pogromierten Völkern gehören, Judenpogrome veranstaltet Nach erwähntem Telegramm sind in Bombay 197 jüdische Flüchtlinge — 112 armenische und 85 persische Juden — eingetroffen, die einem Vertreter der indischen „Times“ Näheres über die von den Armeniern verübten Pogrome betrichteten. Danach hätten die Armenier, unmittelbar nachdem ihnen die Bolschewisten als Verbündeten die Macht in Armenien übergeben hatten, Hunderte von Juden hingemordet. Ganze Familien wurden auf die grausamste Weise umgebracht. So hat einer der Flüchtlinge seine ganze Familie, bestehend aus Frau und 8 Kindern bei diesem Pogrom verloren. Alle in Indien eingetroffenen Flüchtlinge wurden beraubt; viele haben noch jetzt am Körper Zeichen von Schuß- und Hiebwunden. Personalia Frau Ida Ehrentreu. Gattin des Herrn Rabbiner Dr. Ehrentreu-München, ist letzten Freitag nach längerem schwerem Leiden sanft entschlafen. Die Verlebte, eine Esches Chajil im wahren Sinne des Wortes, entstammte einer angesehenen altjüdischen Familie in Fürth; all das Gute und Edle, das sie im Elternhause vor sich gesehen hatte, brachte sie auch im eigenen Heim in 27jähriger glücklicher Ehe zur Geltung. An der Seite ihres Mannes verstand sie es in vortrefflicher Weise ihren Kindern ein verständnisvoller Leiter zu sein und hatte sie noch das Glück einen Teil der Früchte ihrer Erziehung zu genießen. m&Jn Als Syndikus der Jüdischen Gemeinde München und des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden wurde Herr Rechtsanwalt Dr. Flaschner in Nürnberg bestellt. Dr. Flaschner ist in letzter Zeit als Vorsitzender des neutralen Jugendvereins Nürnberg hervorgetreten und hat sich hier für die Interessen der jüdischen Jugend lebhaft eingesetzt. Wir sind überzeugt, daß er auch im neuen Wirkungskreis in der Lage sein wird, sein Verständnis für die Forderungen eines lebendigen Judentums zu beweisen. Herr Dr. Flaschner wird, wie wir hören, sein Amt noch vor Jahresschluß antreten. Feuilleton Vom Geist der Zeit. 1. Polizeibericht. Klassenhaß und Rassenhaß wirken gleich aufreizend auf das Volk, aber ungleich auf die Regierung. Der Polizei erwächst daraus die Pflicht, den Klassenhaß mit Vorsicht, den Rassenhaß mit Nachsicht zu behandeln. Wer Hetzreden hält, um die Arbeiter zu einigen, ist ein internationaler Schädling. Wer Hetzreden hält, um die Arbeiter zu veruneinigen, ist ein nationaler Wohltäter. Der Eine ist in Haft, ■^der Andere in Schutz zu nehmen. Gelbe Plakate der Roten sind durch Verbot unwirksam, rote Plakate der Gelben sind durch Zensurlücken wirksamer zu machen. — Es ist besser, die Leute schimpfen über die Juden, als sie schimpfen über die Regierung, und es ist verwerflicher, von Klassenjustiz zu reden, als Lynchjustiz zu üben. 2. Die Überzähligen. „Es gibt 20 Millionen Deutsche zu viel.“ „Es gibt 10 Millionen Juden zu viel.“ „Es gibt zu viele Ire n.“ „Es gibt zu viele A r m e n i e r.“ „Es gibt zu viele N e g e r.“ „Es gibt zu viele —.“ Genug: alle Pogromisten sind darüber einig, daß es immer noch einige Millionen Menschen zu viel gibt. Sie selbst aber beweisen durch ihr bloßes Dasein das Gegenteil. Denn daß überhaupt Pogromisten möglich sind, kann man sich nur daraus erklären, daß es zu wenig Menschen in der Welt gibt. 3. Moderner Stil. Im Staate Dänemarks redete Hamlet Dolche. Im Staate Pöhners reden die Antisemiten Gummiknüttel, eine Waffe, die nicht rostet und sich durch Ungeschliffenheit auszeichnet.

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