Der jüdische Arbeitsmarkt
- Journal
- Der jüdische Arbeitsmarkt
- Volume
- 1 (1920)
- Issue
- Nr. 5/6 = November/Dezember 1920
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 20 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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20 Der Jüdische Arbeitsmarkt Nr. 5/6 Förderung der Landwirtschaft und des Handwerks unter den Luden Rußlands. Der Vizepräsident der russischen volkssozialistischen Arbeiterpartei und ehemalige Abgeordnete der ersten Duma, Herr Leo Bramson aus Petersburg, der die seit 40 Jahren bestehende Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landarbeit unter den russischen Juden (Ort) im Auslande vertritt, machte dem Herausgeber der „Jüd. Preßzentrale in Zürich" gegenüber u. a. folgende Mitteilungen über die wirtschaftliche Lage der Juden in Rußland. Die Juden Rußlands sind infolge des Regimes der Bolschewisten aus den meisten, von ihnen bisher eingenommenen wirtschaftlichen Positionen verdrängt worden, hauptsächlich aus dem Kleinhandel, der Geschäftsvermittlung, wie auch aus allen anderen mit dem Verkehr zusammenhängenden Handelszweigen. Diejenigen Elemente, die ihre Handelspositionen noch erhalten konnten, betreiben nur ungesunden Handel, wie Spekulation und Schmuggel, der abgesehen von der moralischen Seite, auch kaum Stabilität verspricht. Es besteht deshalb ein großer, starker Zug nach neuen Beschäftigungsgebieten, und zwar hauptsächlich nach Landarbeit, wozu auch noch die sehr schwierigen Ernährungsverhältnisse in den Städten drängen. Außerdem ist es auch weit vorteilhafter geworden Boden zu bebauen und Gartenprodukte zu erzeugen, die gegenwärtig so hoch im Wert stehen. Städte und Ortschaften, die früher jüdische Fabrikzentren waren, wie z. B. die Provinz Grodno, besitzen jetzt zahlreiche neue, von Juden bepflanzte Gartenanlagen. In der Provinz Wilna beispielsweise ist die Zahl der sich gegenwärtig in der Landwirtschaft betätigenden Juden auf das sechsfache gestiegen. In Weißrußland sind mehr als 30 jüdische landwirtschaftliche Genossenschaften an den Peripherien der Städte gebildet worden. Nach weiteren ausführlichen Schilderungen der erfolgreichen Tätigkeit der obenerwähnten Gesellschaft auf dem Gebiete der Förderung der Bodenkultur und des Handwerks unter den Juden, drückte Bramson die Hoffnung aus, daß es der ruinierten russischen Judenheit mit der Zeit gelingen wird, sich ökonomisch wieder zu stärken. Ankündigungen. handfertigkettskurse für jüdische Schüler in München. Mit Beginn des kommenden Jahres werden folgende Kurse eröffnet: Tischlerkurs, Rosentalschule, Beteiligung zirka 15 Schüler. Metallkurs daselbst, nur für einige Schüler. Pappkurs, im Israel. Gemeindehaus, Herzog Maxstr. 5 Rg. Die Holz- und Metallkurse finden jeweils Montag und Dienstag, der Pappkurs nur Donnerstag nachmittags zwischen 4 und 6 Uhr statt. Weitere Anmeldungen sind an Herrn Hauptlehrer Heinrich Frei, Herzog Maxstr. 5, zu richten. Die Hauswirtschaftskurse für Mädchen können aus verschiedenen Gründen, besonders wegen Mangel an geeigneten Lokalen, vorerst nicht stattfinden, dagegen ist die Errichtung von Handfertigkeitskursen für Mädchen vom Jüdischen Frauenbund in Aussicht gestellt worden. Die Vorstandschaft des Daniel-Bundes. Jüdische Gewerbetreibende und Industrielle, die nach Palästina übersiedeln wollen, die aber infolge der ungünstigen Valuta-Verhältnisse nicht genügend Mittel besitzen, um ihre Geschäfte nach Palästina zu verlegen, wurden am 4. Dezember zu einer gemeinsamen Beratung in München einberufen. Die Versammelten waren einig, daß in Palästina, wenn es in kurzer Zeit größere jüdische Massen aufnehmen sollte, eine Anzahl von Industrien eingeführt werden müßten, wo die meisten Juden ohne vorangegangene langjährige Ausbildung Beschäftigung finden könnten. Es wurde ein Ausschuß gewählt, der mit jüdischen Gewerbetreibenden anderer mitteleuropäischer Städte, die ebenfalls nach Palästina übersiedeln wollen, in Verbindung treten soll, um gemeinsam eine Aktion zur Schaffung einer Kreditinstitution, hauptsächlich in den Ländern mit günstiger Valuta zu übernehmen. Diesbezügliche Anmeldungen oder sonstige Anregungen sind an Herrn Engelhardt, München, Klenzestraße 34 Rg., zu richten. Gründung eines Vereins selbständiger jüdischer Handwerker in München. Die handwerkstätige jüdische Bevölkerung Deutschlands, die sich z. T. bisher aus kulturellen Gründen in einigen Städten zu geschlossenen Körperschaften vereinigte, ist jetzt gezwungen, wegen der weitgehenden aus antisemitischen Gründen geschehenden Boykottierung der jüdischen Handwerker seitens der nichtjüdischen Bevölkerung, schon aus rein wirtschaftlichen Gründen sich kräftig zusammenzuschließen. Zum Zwecke der Gründung eines Vereins selbständiger jüdischer Handwerker in München wird eine Versammlung für Samstag, den 8. Januar, 7 Uhr abends im Lokal der Talmud Tora, Klenzestr. 34, einberufen, zu der auch Freunde unserer Bestrebungen eingeladen werden. Wir werden in den nächsten Nummern des Arbeitsmarktes eine Liste der gewerblichen Betriebe Münchens veröffentlichen und richten schon jetzt an die jüdische Bevölkerung die Bitte, bei etwaigen Aufträgen die jüdischen Handwerker berücksichtigen zu wollen. Die Einberufer: I. Engelhardt, Lederwarenfabrikant. N. Chavkin, Chemigraph. Oanielbund-Korrespondenz. Wir bitten unsere Gesinnungsfreunde, uns ihre Ansichten und Erfahrungen auf dein Gebiete der Berufsumschichtung der Juden u. dgl. mitteilen zu wollen. Wir werden solche Fragen nach verfügbaren Raum in dieser Rubrik regelmäßig erörtern. Offenbach a. Main. Der hier arbeitende Ausschuß für Gartenbau und Handfertigkeit ist von Rechtsanwalt und Notar vr. Guggenheim als paritätische Einrichtung geschaffen worden. Demgemäß werden zur Zeit 30 Zöglinge (20 jüdische, 10 nichtjüdische), darunter Schüler und Schülerinnen der Volks- und Mittelschulen und höheren Lehranstalten, in wöchentlich drei Abteilungen im Gartenbau unterrichtet. Der Unterricht untersteht der Leitung des Herrn Lehrers Jakob Strauß, der auf dem Lehrgut in Peine seine Ausbildung erhalten hat. Die gröbere Bodenbearbeitung wurde durch einen Arbeiter ausgeführt, da eine Beschädigung des teuren Schuhwerks und der Kleider vermieden werden soll. Im übrigen bestellten die Kinder ihre Beete selbst und hielten sie instand. Der theoretische Unterricht (Düngung, Sortenwahl, Pflanzenweite usw.) schloß sich unmittelbar an den praktischen Unterricht an; später wird für die fortgeschrittenen Schüler ein besonders systematischer Gartenbauunterricht eingerichtet werden. Es wird mit Freude festgestellt, daß auch in diesem Jahre die Kinder die einschlägigen Arbeiten mit großem Eifer und Interesse ausführten. Ein ziemlich guter Ertrag lohnte ihre Mühe. An Ausgaben erwuchsen im Laufe des Jahres einschließlich des Honorars für den Unterricht etwa Mk. 700.—, die durch freiwillige Beiträge aufgebracht worden sind. Xür8ekner frisve8 llunLurio 8uä3pe8l VIII Oerömoöl^-utca 10 n 1—11, koIekta8 11u8tritujn poätkurtojn de liebreaj 8inuLOLOj de Liuj lundoj.?oZtmarkojn bildttunke. ^dre8ttunke bonvolu noti: 1. Lu ul ortodok8u uu retormema. irruelidu Kolonie a.pertena.8 1u 8in3LOLO. 2. Kium Li e8tu8 kon8truita. 3. Vinn udre8on. /U Liuj 68t08 re8pondotu. Lu ordi- Lttu kolektujo 68to8 trun8cionota. ul Li tieu kebrea rnureo.