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Das jüdische Echo · 1920-12-17 · 51 (17.12.1920) · p. Seite 488

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
51 (17.12.1920)
Date
1920-12-17
Page
Seite 488 (sequence 8)
Language
German
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488 Das Jüdische Echo Nr. 51 jüdischen Blättern und jeder kleine Erfolg bedeutete eine hohe Freude für Chasanowicz. Nach jahrelangen Bemühungen war er endlich so weit, daß die Bibliothek nach Jerusalem übersiedeln und in dem zur Verfügung stehenden Notbau Unterkunft finden konnte. Aus kleinen Anfängen und ohne die großzügige Unterstützung, die nötig gewesen wäre, ist das Werk entstanden, dem dieser reine Idealist seine Kräfte lieh, und wenngleich die Bibliothek auch heute noch lange kein vollendetes Institut darstellt, so bedeutet Chasanowilczs Wirken doch eine nationale Tat und ist sein Name für alle Zeiten mit dem künftigen Kulturzentrum des jüdischen Altneuland verknüpft. Feuilleton Jüdische Charaktere. 1. Der jüdische Rechtsanwalt. Wenn Hiob in der Tiefe seines Elends der Tage seiner Herrlichkeit gedenkt, so spricht er am ergreifendsten, wo er sich seiner Tätigkeit als Fürsprecher erinnert: „Gerechtigkeit war mein Schmuck, sie schmückte mich. Wie Mantel und Kopfputz war mir das Recht. Auge war ich dem Blinden Und Fuß dem Lahmen ich. Die Zähne zerschlug ich dem Ungerechten Und seinem Rachen entriß ich den Raub.“ Dem deutsch-völkischen Schutz- und Trutzbund zufolge sind 43% der deutschen Rechtsanwälte Juden. Nich jeder von diesen ist ein Hiob (was schließlich auch nicht nötig ist), aber die Redlichkeit seiner Gesinnung besitzen wenigstens die meisten von ihnen. 2. Dr. Hindenburg und Dr. Herz. Ein antisemitischer Verlag verbreitet gegenwärtig eine Schrift, die Äußerungen über die Judenfrage aus Dostojewskis Tagebuch wiedergibt. Darin wird sozusagen als Musterbeispiel eines unjüdischen Charakters unter Mitteilung rührender Züge aus seinem Leben ein deutscher Arzt, namens Dr. Hindenburg, geschildert, der in einer kleinen russischen Kreisstadt mit überwiegend jüdischer Bevölkerung lebte und wirkte und der von der Liebe seiner jüdischen Mitbürger begleitet zu Grabe getragen wurde. Jedem Worte dieser Schilderung ließen sich an Hand der schönen Grabrede, die der Münchner Rechtslehrer Eduard Brinz vor 50 Jahren seinem Erlanger Freunde Jacob Herz gehalten hat, nicht weniger ergreifende menschliche Züge aus dem Leben und Wirken eines jüdischen Arztes an die Seite stellen. Aber was würde damit bewiesen? — Doch nur, daß die Welt weder am deutschen noch am jüdischen Wesen genesen kann, sondern nur durch Ärzte von der Art eines Dr. Hindenburg und eines Dr. Herz. 3. Ich und das Seligmännle. In der freien und Reichsstadt Ulm lebte gegen das Ende des 15. Jahrhunderts ein Jude namens Seligmann mit seiner Frau Gütel. Die war von einem sehr bestimmten Wesen und sprach von ihrem Gatten nie anders als von „dem Seligmännle“. Nicht aus reiner Zärtlichkeit nannte sie ihn so. Es war auch ein gut Teil Geringschätzung dabei% „Es“ verstand sich nämlich nicht so recht aufs Geldverdienen, während sie aus der berühmten Familie des Reb Baruch stammte, die mehrere Meister jener Kunst hervorgebracht hatte. Gütel besaß diie Gewohnheit, ihre Sätze mit der Wendung zu beginnen: „Ich und das Seligmännle“, wobei sie das „I c h “ gedehnt und nicht wenig anspruchsvoll, das „Seligmännle“ dagegen mit einem Unterton zärtlicher Verachtung herausbrachte. Hörte sie von einem Unglück, das eine andere Familie betroffen hatte, so pflegte sie zwar wie alle frommen Frauen mitleidig ihr „Gott soll hüten!“ zu sprechen, jedoch nur, um schnell getröstet beizufügen: „Wenns nur mir und dem Seligmännle gut geht.“ Eines unschönen Tages teilte der Gütel ihre Nachbarin mit allen Zeichen des Entsetzens als brühwarme Neuigkeit mit, daß der hohe Magistrat beschlossen habe, sämtliche Juden von Ulm ohne Ansehung des Geschlechtes und des Alters binnen 24 Stunden auszutreiben. „Gott soll hüten!“ entfuhr es da der Gütel, die sich vor Schrecken verblaßte. Kaum hatte sie sich aber ein wenig gefaßt, als sie gewohnheitsmäßig hinzufügte: „Wenns nur mir und dem Seligmännle gut geht.“ — Gemeindenu.Verelns-icho Das Sekretariat der Zionistischen Ortsgruppe und des Jüdisch. National- Fonds befindet sich nunmehr Wagmüllerstraße 19, Ecke Galeriestraße. Geöffnet von 9—12 Uhr vorm, und 3—6 Uhr nachm. Spenden für den Jüdischen National-Fonds bitten wir nur noch dort einzubezahlen, oder auf Postscheckkonto Elisabeth Mahler 10121. Im Sekretariat sind auch N.F.-Wertzeichen und N.F.- Telegramme zu haben, die in künstlerischer Ausführung neu erschienen sind und zur eifrigen Benützung empfohlen werden können. Jüdischer Wanderbund Blau-Weiß München. 2. Zug Samstag 4 Uhr Heimnachmittag, 5 Uhr Geschichtskurs (im Stadtheim), 8 Uhr Heimabend für Ältere bei Heß, Rosental 10/11. Sonntag Treffpunkt 9 Uhr Thalkirchen (Lilnie 6). Bibliothekstunde: Dienstag 1126—V27 Uhr im Stadtheim. Modelliernachmittag: Mittwoch 4 Uhr im Stadtheim. 3. Zug Sonntag, 19. XII., Fahrt, Treffpunkt 9 Uhr Moosach, Endhaltestelle der Linie 4. Samstag 2 Uhr Heimabend für Kleinere, Dienstag 6 Uhr desgl. für die Übrigen Ecke Wagmüller- und Galeriestraße Jüdischer Kulturverein. Zu Ehren des verstorbenen Dichters Sch. An-ski Samstag, 18. Dez., 8 Uhr abends Referat mi(t anschließender Vorlesung seiner Werke in den Räumen der Talmud Thora, Klenzestr. 34/11 Rckgeb. Bar-Kochba Nürnberg: Eine stimmungsvolle Chanukkah-Feiier veranstaltete der Bar- Kochba Nürnberg am 9. Dezember d. J. im Deutschen Hof. Sie zeigte wieder einmal, daß der Verein es versteht. Feste zu feiern. Denn ein Fest war es im wahrsten Sinne, Herrn Arn. Marie zu lauschen, in welch meisterhafter Weise er Werke von Perez, Scholem, Alechem, Zuckermann usw. den Zuhörern nahe brachte, so nahe, daß man schier vermeinte, mitzuleben und selbst mit dabei zu sein. Tosender nicht endenwollender Beifall lohnte ihm seine vortreffliche Kunst. Nicht minder hoch stand das übrige Programm des Abends. Der ganze schwierige musikalische Teil lag in den bewährten Händen der bekannten Pianistin Frl. Toni Rosenstein, die auch mit großem Geschick die von Herrn Dr. Mayer mit schöner Stimme vorgetragenen jüdischen Lieder mit eigenen Begleitungen versah. Eingeleitet wurde

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