Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 51 (17.12.1920)
- Date
- 1920-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 51 17. Dezember 1920 7. Jahrgang Die englische Regierung für den Keren Hajessod. London. 13. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Im Unterhaus richtete Sir F. Hall an den Ministerpräsidenten die Anfrage, ob ihm das Programm des Keren Hajessod, in dessen Interesse in Manchester unter Vorsitz des Ministers für öffentliche Arbeiten Sir Alfred Mond eine Konferenz stattfindet, bekannt sei. Diese Organisation bezwecke die Aufbringung großer Summen, zu denen Deutschland VU Millionen beigetragen habe, und verfolge das Ziel, die Siedlungen in Palästina so zu fördern, daß sie dann die Macht gewinne, den High Commissioner für Palästina selbst zu ernennen. Es müsse gefragt werden, ob die Tatsache, daß ein Mitglied der Regierung den Keren Hajessod unterstützt, den Schluß zulasse, daß diese Aktion den Intentionen des Kabinetts entspricht und ob die Regierung sich auf eine Politik in Palästina festgelegt hat, durch welche die Interessen der vorherrschenden arabischen Bevölkerung gewahrt werden. Mr. Bonar Law antwortete: Der Zweck des Keren Hajessod ist, von den Juden in allen Weltteilen Mittel für einen Fonds zu erlangen, welcher zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung im Zusammenhang mit der Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina' dienen soll. Dieser Zweck steht im Einklang mit der Politik der Regierung Seiner Majestät, wie sie in der Deklaration vom 2. November 1917 niedergelegt ist. Nach meinen Informationen verfolgt die Organisation kein solches Ziel, das zu der im zweiten Teil der Anfrage aufgestellten Behauptung berechtigen würde. Hinsichtlich der vierten Frage kann die Beruhigung hingenommen werden, daß die Interessen aller Bevölkerungsschichten durch die in der erwähnten Deklaration festgesetzten Bestimmungen völlig geschützt erscheinen, wie auch durch die Politik der Regierung, durch welche die Bestimmungen der Deklaration verkörpert werden. Im übrigen muß es jedermann klar sein, daß die Einführung von Kapital für die Entwicklung des Landes allen Teilen der Landesbevölkerung zum Vorteil gereiche. Die Konferenz in Manchester wird nicht unter den Auspizien der Regierung abgehalten, an ihr nimmt jedoch mein ehrenwerter Freund (Sir Alfred Mond) teil, der naturgemäß das Interesse hat, daß die Organisation in der Erreichung ihres Zieles erfolgreich sei. Der französische Oberkommandier ende in Syrien für Förderung des Zionismus? Wie dem „Doar Hajom“ vom 24. Nov. aus Paris telegraphiert wird, hat der französische Ober- Kommandierende in Syrien, General Gour aud, einen genauen Bericht über die kritische Lage in Syrien überreicht, worin erklärt wird, daß zur Aufrechthaltung des jetzigen Zustandes in Syrien große Summen erforderlich sind. Die letzten Ereignisse in Griechenland werden sicherlich die Stellung Mustapha K e m a 1 s stärken und es steht zu erwarten, daß er sich den Bolschewisten und Anhängern Feysuls anschließen werde, um Syrien und Palästina zu überfallen. Die Regierungen Frankreichs und Englands müßten also die jüdische Einwanderung nach Palästina unterstützen und die jüdischen Selbstschutzabteilungen organisieren, die künftighin di« erwähnten Länder gegen die bolschewistisch-panislamitische Gefahr zu schützen haben werden. Gouraud fordert die Zionisten Frankreichs auf, aus ihrem lethargischen Schlafe zu erwachen und die regste Agitation für den Zionismus aufzunehmen. Max Nordaii schwer krank. Wie das Jüdische Korrespondenz-Bureau aus Paris meldet, ist Max Nord au an einer Lungenentzündung erkrankt. Sein Zustand ist besorgniserregend. Der Patient ist bei Bewußtsein. Am Krankenlager befinden sich nebst der Familie des Patienten die Ärzte Dr. Marmorek und Jacobson. Aus Belgien ist Jean Fischer eingetroffen. Er hat seine Reise nach Amerika verschoben, um am Krankenbett seines alten Freundes zu wachen. Das „Volksbegehren“ in München. Der Gegenstand, der an dieser Stelle behandelt werden soll, greift auf ein politisches Gebiet hinüber. Wir pflegen Themata der allgemeinen Politik gewöhnlich den Spalten unseres Blattes fern zu halten. Wenn wir von diesem Standpunkt heute abweichen, so geben uns die Begleiterscheinungen bei der Agitation für das sogenannte Volksbegehren hiezu Veranlassung. Die sozialdemokratische Mehrheit im Münchner Stadtrat paßte der bürgerlichen Minderheit im Rathaus schon lange nicht mehr und veranlaßte den sogenannten Münchner Bürgerblock im Namen der verschiedenen politischen Bürgerparteien eine Bewegung zur Auflösung des Stadtrats ins Leben zu rufen. Der Erfolg war, daß am 12. Dezember eine Volksabstimmung stattfand, welche über das Sein oder Nichtsein des Stadtrats entscheiden sollte. Das Resultat war eine Niederlage des Bürgerblockes. Diese Tatsachen wären der Beachtung an dieser Stelle nicht gewürdigt worden, wenn im Laufe der Agitation für und gegen das Volksbegehren die antisemitische Kampfesart auf Seiten der Befürworter eines solchen Vorgehens nicht zu deutlich hervorgetreten wäre. Las man an den Plakatsäulen den Aufruf aller Bürgerparteien, Demokraten eingeschlossen, die Bemerkung von „landfremden Elementen“, so konnte man diese Phrase, ohne welche heutzutage eine Wahlagitation der Rechtsparteien kaum denkbar ist, noch hinnehmen. Wenn aber in Versammlungen schon etwas mehr in Hetze gemacht wird, so muß da doch näher darauf eingegangen werden. In der „Münchner Post“ vom 8. Dezember las man: „Helf, was helfen mag! Aus bürgerlichen Kreisen wird uns geschrieben: Die Agitation für das Volksbegehren treibt auf seiten des bürgerlichen Misch-Masches sonderbare Blüten. Den