Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 50 (10.12.1920)
- Date
- 1920-12-10
- Page
- Seite 474 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9102977-9141733--03769-9076594- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
474 Das Jüdische Echo Nr. 50 „auf daß du lange lebest im Lande, welches der Herr dein Gott dir gibt“: ist die Sehnsucht eines landlosen Volkes jemals tiefer in menschliche Beziehungen verflochten worden als hier?“ V. Es muß noch gesagt werden: Das Buch ist zu teuer. Es sollte ohne die Struckschen Zeichnungen in einer billigen Volksausgabe gedruckt werden. Meinetwegen auf schlechtem Papier, denn es ist ein Buch, das unter die Menschen muß, unter die, unter denen wir wohnen, unter die Deutschen, die sich unter dem Ostjuden nichts als einen boshaften, schmierigen, ekligen Kerl vorstellen, und — unter uns Juden von denen ein. ach noch so großer Teil nicht unähnliche Vorstellungen von ihm hat. Das Zweigsche Buch hat eihe zweifache Aufgabe, als Kunstwerk und als Erziehungswerk. Weil es ein so großes Kunstwerk ist, münden beide Aufgaben in Einem. Fritz Schiff. Feuilleton Rassenpsychologie. 1. Der Engländer. „Der Engländer sagt ,Christus4 und meint .Kattun“4 — so etwa lautet in deutsch-völkischen Kreisen das landläufige Urteil über „den“ Engländer. Aber — „es ist längst nicht jeder Engländer von Geburt auch ein Engländer im Sinne einer Rasse“ — lehrt Oswald Spengler. Shakespeare z. B. kann unmöglich ein Engländer gewesen sein. Offenbar war Ernst Lissauer, der Dichter des „Haßgesangs an England“, ein viel besserer Engländer als Shakespeare und ein viel schlechterer Jude als Christus. 2. Der Pharisäer. In Westfrankfort im Staate Illionois fielen kürzlich Zeitungsberichten zufolge die Alteingesessenen der Stadt über die Fremdgeborenen her und mißhandelten sie zum Teil blutig. Mehrere Tage lang dauerte der Exzeß gegen die „Bindestrichler“, dem nicht nur Schwarze und Deutschamerikaner, sondern auch Angehörige der „Kleinen Nationen“ zum Opfer fielen, zu deren Befreiung Amerika mit seinen „boys“ und seinen „14 points“ in den Weltkrieg eingegriffen hat. „Echt amerikanisch“ — urteilen unsere Hacken-Kreuzler. 3. Der Golusjjude. Der Schutzjude schämt sich, der Trutzjude brüstet sich gegenüber Nichtjuden. Eines ist so lächerlich wie das andere. Die Sucht, etwas anderes scheinen zu wollen, als man ist, und die übertriebene Vorliebe für Seinesgleichen — beides ist spezifisch äffisch. Der Mensch leitet seinen Wert weder von der Schätzung anderer noch von den Verdiensten seiner Vorfahren ab. Gemeindenu. Vereins-Echo Das Sekretariat der Zionistischen Ortsgruppe und des Jüdisch. National- Fonds befindet sich nunmehr Wagmüllerstraße 19, Ecke Galeriestraße. Geöffnet von 9—12 Uhr vorm, und 3—6 Uhr nachm. Spenden für den Jüdischen National-Fonds bitten wir nur noch dort einzubezahlen, oder auf Postscheckkonto Elisabeth Mahler 10121. Im Sekretariat sind auch N.F.-Wertzeichen und N.F.- Telegramme zu haben, die in künstlerischer Ausführung neu erschienen sind und zur eifrigen Benützung empfohlen werden können. Buchhandlung Ewer München. Am Sonntag, den 12. Dezember wird in München als erster Stadt in Deutschland nach Berlin eine Buchhandlung der Ewer-Gesellschaft für Buch- und Kunsthandel, der Vertriebsgesellschaft des Jüdischen Verlags, eröffnet. Die Bedeutung dieses Unternehmens für München geht weit über das hinaus, was im allgemeinen eine beliebige Buchhandlung in einer Großstadt zu bedeuten hat. Nur wer einmal lange in einer ganz kleinen, dem Weltverkehr entlegenen Stadt gelebt hat, weiß so recht, was eine gute Buchhandlung bedeutet. In einer ähnlichen Lage befinden sich die Juden in den meisten deutschen Städten. Es gibt eine außerordentlich umfangreiche moderne jüdische Literatur in deutscher Sprache und einen immer größer werdenden Kreis von Interessenten der hebräischen Literatur, aber die Schwierigkeit für alle diese, sich Bücher ihres Interessenkreises zu beschaffen, sind so groß, daß die Anschaffung oft unterbleiben muß. Zu den schlimmsten Dingen, unter denen wir Juden in Deutschand leiden, zählt der Mangel an Kenntnis vom Judentum, dem abzuhelfen nichts geeigneter ist. als eine starke Verbreitung der jüdischen Literatur. Wenn man wie wir auf dem Standpunkt steht, daß man dem Antisemitismus wirklich sinnvoll nur begegnet ilndem man sich im Judentum stärkt, in dem man das Objekt der antisemitischen Feindschaft, das Judentum, wirklich kennen lernt, nicht aber, wie es leider allzu häufig geschieht, innerlich den Judenhassern soviel Konzessionen macht daß eigentlich ein Recht auf das Dasein für das Judentum nicht mehr übrig bleibt dann wird man es als ein Glück für unsere jüdische Gemeinde bezeichnen, daß diese Buchhandlung Ewer hier entstanden ist. Endlich hat jeder die Möglichkeit, jedes jüdische Buch von Belang, das im Buchhandel ist, sich rasch und mühelos zu verschaffen, endlich ist die Ausrede nicht mehr nötig, daß man dieses oder jenes jüdische Buch gerne lesen würde, wenn es nur nicht so schwer wäre, es zu bekommen. Es gibt keinen fBttündjner Jlcueffe Jladjridjten £>ie große potififcfje fübbeuffd?e 3e(fung Xägfid? ycoti Sfu&jaben E 3t n e r f a n n f f e f) r erfolgreiche^ 3n|erfiongorgan. •> ■>