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Das jüdische Echo · 1920-12-10 · 50 (10.12.1920) · p. Seite 472

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
50 (10.12.1920)
Date
1920-12-10
Page
Seite 472 (sequence 4)
Language
German
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472 Das Jüdische Echo Nr. 50 den Pflanzen außer den chemischen Stoffen, noch Sonnenenergie oder sogenannte Vitamine, die in der Fleischnahrung in äußerst geringem Maße anzutreffen sind. (Siehe: „Obstzucht und Getreidebau in Palästina“. Jüd. Echo Nr. 23, 1920.) 12. Für die Juden würde die Abschaffung des Fleischgenusses in Palästina noch einen weiteren erheblichen Vorteil haben, es würden nämlich die beträchtlichen Ausgaben für die Schächter, die besonders die kleinen Gemeinden in Palästina schwer belasten, ganz in Wegfall kommen. Die Schächtfrage ist bei den Danieliten restlos gelöst. Ihre Rabbiner haben sich weniger mit der Entscheidung der Fragen von „Koscher“ und „trefa“ sondern mit der wirklichen Leitung und Erbauung der Gemeinden zu beschäftigen. 13. Die äußerste Einschränkung des Fleischgenusses in Palästina ist für die Akklimatisierung der Europäer und Nordamerikaner im Lande unbedingt geboten. Vi(ele nach Palästina Eingewanderten mußten aus dem einzigen Grunde, weil sie sich vom Fleischgenuß nicht lossagen konnten, das Land wieder verlassen. (Siehe Dr. F. A. Theil - haber: „Vegetarismus und Zionismus“ im „Volk und Land“, Heft 24, 1919.) (Fortsetzung folgt.) Aus der jüdischen Welt Palästina. Arbeitertagung. Anfang Dezember soll eine Tagung der gesamten jüdischen Arbeiterparteien in Haifa zusammentreten, um die Richtlinien und die Qrganisationsform für eine allgemeine jüdische Arbeiterorganisation zu beraten. Je 50 Arbeiter senden einen Delegierten zu dieser Konferenz. Kleine Nachrichten: Für die großen Projekte des Ingenieurs Ruthenberg, für deren Verwirklichung Baron Edmond Rothschild 100 000 Pfund zugesagt hat, werden die ersten Schritte bereits gemacht. Vor einigen Tagen wurden im Galiläa Messungen für die Ausgrabungen eines Kanals vorgenommen, durch den Wasser aus dem Jordan abgezogen werden soll. Die Länge des Kanals wird 30 Kilometer betragen, an seinem Ende wird ein 100 Meter hoher Wasserfall gebildet werden, welcher elektrische Kraft von 30 000 bis 35 000 Pferdekräften liefern soll. Durch diese Kraftmenge, wird elektrische Beleuchtung für ganz Palästina und Antriebskraft für die bis jetzt vorhandenen Fabriken geliefert werden können. — Edwin Samuel, der älteste Sohn Herbert Samuels, wurde zum Beamten der Kreisverwaltung ernannt. — Herbert Samuel beabsichtigt, Scheidemünzen für Palästina prägen zu lassen. Er wandte sich diesbezüglich an die Zionistische Organisation in London, damit sie ihm einen Entwurf vorlege. Diese übermittelte diesen Wunsch an den Waad Hazirim, der R a f f a e 1 i mit der Ausarbeitung des Entwurfes beauftragte. — Am 5. Nov. sind in Jaffa 220 Emigranten aus Triest eingetroffen. Indien. Kalkutta. (J. C. B.) Eine große Anzahl russischer Juden aus Buchara flüchtete vor den Bolschewisten nach Indien. Sie verlangen, daß man ihnen Pässe nach Jerusalem, ihrer ursprünglichen Heimat, ausstellen soll. England. Die kommende Industrieausstellung und die Juden. Laut dem in London erscheinenden „Jewish Journal of Commerce“ werden Vorbereitungen für eine britische Industrieausstellung gemacht, die zwischen 21. Februar und 4. März 1921 in London stattfinden soll. Es sollen besondere Reiseerleichterungen für die Zeit der Ausstellung gewährt werden. Das „Jewish Journal of Commerce“ (280, High Holborn, London W. C. 1.) fordert die jüdischen Kaufleute auf, sich bei ihr bezüglich weiterer Auskunft und Ausstellung von Reiseerleichterungen zu melden. Literarisches Echo Das ostjüdische Antlitz. Von Arnold Zweig mit Steinzeichnungen von Hermann Struck.*) I. Dieses Buch wurde aus Liebe geschrieben, einer Liebe, die mit Zärtlichkeit den Stoff durchdringt, einer Liebe, die nicht vorgeschaffene Urteile mit sich führt, die nicht hastig und laut lobpreist, sondern ifn dem alle Schichten durchdringenden Bekenntnis zur Wahrheit ihr Glück findet. Weil Zweig die Ostjuden liebt, weil sie ihm ein kostbares Erlebnis bedeuten, wählt er nicht, ängstlich bedacht, wohlgefällige Einzelheiten an ihnen aus, sondern sucht sie uns so zu geben, wie sie sind. Es ist an diesem Buch das Wesentliche, daß es nicht leicht ist. zu einem Urteil über seinen Inhalt zu gelangen, denn die Form, i!n der uns Zweig den Stoff entgegenbringt, dringt so stark auf unser künstlerisches Empfinden ein, daß wir uns erlauben, uns zunächst nur ihr genießerisch zu überlassen. Es ist kein Wort in diesem Buche, das nicht mit zwingender Notwendigkeit an seiner Stelle steht, kein Satz, der nur als Durchgang od!er dünner gefühlte Überleitung uns von Höhepunkt zu Höhepunkt führt. Dem Dichter Zweig, wurde hier das Erlebnis der deutschen Sprache wie nur irgend einem der besten Deutschen, und man würde geneigt sein, ihn bedenkenlos den Dichtern der Deutschen zuzuzählen, wenn nicht ein Element durch das Ganze vibrierte, nicht faßbar, nicht wägbar, nicht an bestimmten greifbaren Symptomen abzutasten und doch für jeden Juden mit offener Seele und offenem Heizen vernehmbar, was nur und nur von einem jüdischen Dichter in die deutsche Sprache eingefühlt sein kann. Dieses Erlebnis der künstlerischen Form des Buches ist so dominierend, daß man gezwungen ist, daneben sofort auch die andere künstlerische Äußerung, die das Buch enthält, zu werten. II. Es ist schwer, über die Steinzeichnungen von Hermann Struck, der gewiß seine Jidelach nicht weniger liebt als Zweig, nicht das gleiche aussagen zu können. Gewiß, sie sind gut gezeichnet. Auch in ihnen hat jede Linie, jede Schattierung und jeder Lichtfleck seinen Sinn. Sie sind mit gutem Blick für die malerischen Qualitäten der Erscheinung bis zum Porträtähnlichen gesteigert. Eine Anzahl, eine beliebige Reihe, naturgetreuer Bildnisse ostjüdischer Menschen, in denen das Zufällige, das je und je Wahrnehmbare ausgedrückt ist, von denen man, wenn man will, Typen ablesen kann. Strucks Kunst entstammt dem Stil- *) Berlin. Welt-Verlag, 1920. Preis Mk. 50.^--

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