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Das jüdische Echo · 1920-11-26 · 48 (26.11.1920) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
48 (26.11.1920)
Date
1920-11-26
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 48 26. November 1920 7. Jahrgang Sehen, was ist. Aus dem Munde eines guten deutschen Juden, der jedoch den Palästinabestrebungen bisher recht fern stand, fiel kürzlich folgendes Wort: „Wenn das Palästinaexperiment mißlingt, so wird das gesamte Judentum unter den Folgen der Verachtung zu leiden haben. Deshalb müssen auch die Nichtzionisten jetzt mitarbeiten, um das Experiment zum Gelingen zu bringen, da die politische Entwicklung das jüdische Volk nun einmal vor diese große Aufgabe gestellt hat.“ So einleuchtend diese Argumentation ist, so erfreulich ist es, daß sie in immer weiteren Kreisen des deutschen Judentums Boden zu fassen beginnt.: Es gibt kaum noch einen ernsthaft zu nehmenden Kreis, der sich dieser Wahrheit verschließt So bezeichnet Dr. Felix Goldmann in der Zeitschrift „Im Deutschen Reich“ des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens den Aufbau Palästinas auch für die nichtzionistische Judenheit als einen wichtigen Teil der Lösung des jüdischen Wanderungsproblems und rechnet ihn zu den großen und schönen Aufgaben unserer Tage. Wenn aber das deutsche Judentum sich mehr als bisher für Palästina interessieren will, so ist es unbedingt nötig, daß in größerem Maße Palästinakenntnisse verbreitet werden^ Die Begriffe, welche die meisten deutschen Juden mit Palästina verbinden, sind sehr vage. Von einer gründlichen Vorbereitung der Kenntnis des Heiltgen Landes kann nicht im entferntesten die Rede sein. Aufgabe der jüdischen Fresse ist es jetzt mehr als jemals, diese Kenntnis auszubreiten und der deutschen Judenheit fortlaufend die Entwicklung vor Augen zu führen, die in Palästina eingesetzt hat, und die, wenn sie uns nicht schon als Juden ganz besonders leidenschaftlich fesseln müßte, vom kulturgeschichtlichen Gesichtspunkt aus jeden Menschen interessieren muß. Wird doch hier unter dem Schutze der organsierten Völkergemeinschaft ein Experiment unternommen, welches in der Geschichte ganz einzigartig ist: Den Wiederaufbau eines Volkstums auf einem Bodien, von dem es seit Jahrhunderten verdrängt und in alle Teile der bewohnten Erde zerstreut worden ist; die Rückkehr eines Volkes in seine Stammesheimat, dessen Kinder in der unerhörtesten Weise verfolgt und gepeinigt werden, das in seiner osteuropäischen Hölle von Martern verfolgt wird, wie sie die Geschichte nur in ihrem dunkelsten Augenblicke kannte und dem alle anderen Pforten der Rettung sich verschließen. Man darf sagen, daß alle Völker dieses Experiment mit höchstem Interesse beobachten, teils mit sympathischer Zustimmung, teils aber auch mit hämischer Kritik. Palästina ist zum Schicksal der gesamten Judenheit geworden, und wir alle sind daran gekettet, ob Zionisten oder nicht Wir müssen sehen und wissen, was in Palästina vorgeht, in welcher Richtung die Dinge treiben, ob wahrhafte Grundlagen eines Aufbaus gelegt werden, ob der Versuch zu glücken oder zu mißglücken scheint. Die Zeit ist gekommen, wo jeder Jude über Palästina informiert sein muß, wo die Sache Palästinas die jedes Juden ist. weil sie ihm zugunsten oder zulasten geschrieben wird. „Alle vermeintlichen Sünden“, äußerte sich kürzlich der große Philosoph Achad Haam, „kann uns die Welt verzeihen, nur nicht das Scheitern des Palästinäwerkes durch Mangel an Interesse und an Mitteln. Dies würde uns die Welt niemals vergeben.“ E. M. Anerkennung des Jüdischen Nationalkomitees in Palästina. Der Oberkommissar für Palästina, Sir Herbert Samuel, hat die jüdische Abgeordnetenversammlung und das jüdische Nationalkomitee in Palästina, deren Zweck die Durchführung der jüdischnationalen Autonomie innerhalb des palästinensischen Gemeinwesens ist, anerkannt unter der Voraussetzung, daß dadurch die Mandatsbestimmungen des türkischen Friedensvertrages nicht verletzt werden und daß nur eigene Angelegenheiten der jüdischen Bevölkerung Palästinas behandelt werden sollen. Das Nationalkomitee beschloß, eine Besteuerung der Juden Palästinas vorzunehmen. (Z. K.) Die palästinensische Nationalanleihe. Wre der New Yorker Korrespondent des Londoner „Daily Telegraph“ telegraphiert, seien bereits alle Arrangements wegen Auflegung der palästinensischen Regierungsanleihe, im Betrage von 10 Millionen Dollar getroffen. Die Anleihe wiTd je zur Hälfte in England und Amerika im Januar nächsten Jahres begeben werden. In Amerika glaubt man, daß dort die Verbreitung der Anleihe keinen Schwierigkeiten begegnen wird, obwohl sie bloß mit 7 Prozent verzinst werden wird, während andere ausländische Anleihen 8 bis 9 Prozent bedingen. Die Anleihe ist binnen 30 oder 35 Jahren rückzahlbar. Der Ertrag wird für Bahn- und Wegebauten, wie auch für Regierungsbauten und Entwicklung von Telegraph und Telephon Verwendung finden. Deutsch-Völkische Presse. In den letzten Monaten standen so viele Klagen gegen den „Völkischen Beobachter“ auf der Tagesordnung, daß wir zuviel Platz benötigt hätten, wenn wir denselben in unserer Wochenschrift Raum gegeben hätten. Nur einer Beleidigungsklage möchten wir heute Erwähnung tun, weil siie die Kampfesweise dieses antisemitischen Organs so trefflich illustriert. Unter dem Titel „Antisemitischer Tropenkoller“ berichtet hierüber die „Münchner Post“ folgendes: „Der antisemitische Koller des Münchener deutschvölkischen Organs wächst ins Groteske. Solange die geistige Größe eines Karl B r aß 1 e r das Blättchen befruchten durfte, wurde die Judenhetze in einer Weise betrieben, daß man Männer, die das politische Glaubensbekenntnis der Met* nungsfabrikanten des „Völkischen Beobachter“ nicht teilten, in Bausch und Bogen zu Juden stempelte, wenn auch ihre arische Abstammung zehnmal sicherer feststand als bei manchem antisemi-

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