Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 42/43 (22.10.1920)
- Date
- 1920-10-22
- Page
- Seite 415 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42/43 Das Jüdische Echo 415 Die Vereinsleitung war sich dessen wohl bewußt, allein die angeführten Themen mußten, als im Vordergrund des Interesses stehend, besprochen werden und bei der knappen zur Verfügung stehenden Zeit ließ sich die Behandlung eines weiteren Referats nicht mehr ermöglichen. Dazu glaubt die Verwaltung auch in Konsequenz der Worte unserer Weisen: Jm en kemach, en Thora, berechtigt zu sein. Zu Ehren des 40jährigen Bestehens des Vereins fand am Abend des ersten Verhandlungstages eine Festversammlung im Sitzungssaal (Hotel Goldschmidt) statt, zu der auch die Mitglieder der Würzburger jüdischen Gemeinde geladen und zahlreich erschienen waren. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch einen von Vereinsmitgliedern wirkungsvoll vorgetragenen Psalm, für Männerchor vertont. Daran schloß sich der Festvortrag des 1. Vorsitzenden Dingfelder-München: „40 Jahre israelitischer Lehrerverein, Rückblick und Ausschau“ an. In nahezu zweistündigen fesselnden Ausführungen zeichnete der Vortragende ein plastisches Gemälde vom Werdegang des Vereins, der vor 40 Jahren von 6 Lehrern gegründet wurde und heute die stattliche Zahl von rund 200 Mitgliedern aufweist. In warmen Worten gab Dingfelder, der selbst seit 30 Jahren am Vereinsleben tätigsten Anteil genommen, eine gedrängte Übersicht über das Schaffen und Ringen des Vereins und seiner Mitglieder. Die Ausführungen erreichten ihren Höhepunkt, als der Redner in von innerer Teilnahme bewegten Worten der zahlreichen Opfer gedachte, welche der Krieg aus den Reihen der Vereinsmitglieder und ihrer Angehörigen gefordert und deren Heldentod deutlich die verleumderische Haltlosigkeit der in den letzten Monaten so oft gehörten Behauptungen von jüdischen Drückebergern bekunde. Mit der Mahnung an die Mitglieder, ihm auch weiterhin in seiner Arbeit für die Ziele des Vereins treu zur Seite zu stehen, schloß der Vortragende seine mit begeistertem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Es soll bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt bleiben, daß das Referat Dingfelders demnächst im Druck erscheinen wird mit einem Anhang, der eine kurze Biographie aller auf dem Felde der Ehre gefallenen Vereinsangehörigen enthalten soll. Typen. 1. Der Kompromittierte. „Dieser Karl Marx wird mich mit seinem Materialismus noch um meinen ganzen Kredit bringen“ — jammerte ein jüdischer Wucherer. 2. Der Assimilant. „Wie kommt es, daß Ihr deutscher Bruder sich Abraham schreibt?“ fragte jemand Mr. Braham aus Philadelphia. — „Well, ich ließ mich beschneiden, als ich nach drüben ging“ lautete die paradoxe Antwort, „weil Abraham für Amerika zu deutsch war.“ 3. Die Ausnahme. „Warum antworten alle Juden auf Fragen, die man an sie richtet, mit Gegenfragen?“ wurde ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gefragt. „Weiß ichs?“ erwiderte der Gefragte. „Haben Sie je eine solche Gewohnheit an mir wahrgenommen?“ 4. Der Konkurrent. „Haben Sie gehört, einer der Chefs von Gebrüder Rothschild ist gestorben“, sagte jemand zu einem Konkurrenten der Firma. „Wissen Sie welcher?“ — „Mir ist jeder recht“, erwiderte der Gefragte. 5. Der Schamlosere. „Schämst du dich nicht, Hakenkreuze bei einem Juden zu kaufen?“ wurde ein Mitglied des deutsch-völkischen Schutz- und Trutzbunds zur Rede gestellt. „Schämt doch e r sich nicht, sie zu verkaufen!“ verteidigte sich der Angegriffene. 6. Der Gerechtigkeitsfanatiker. „Die Juden sollen in allen Fällen keinen größeren Anteil haben, als ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht“, erklärte ein antisemitischer Redner, — „Krankheits- und Todesfälle ausgenommen.“ 7. Ein Pogromopfer. Ein völkischer Kritiker riß u. a. auch einen urdeutschen Maler fürchterlich herunter, den er seinem Namen nach für einen Juden gehalten hatte. „Sehen Sie“, sagte ein boshafter Kollege zu dem unschuldig Mißhandelten, „man kann den rassereinsten Schinken malen und doch für einen Juden gehalten werden!“ 8. Der Kritiker. „Ich kann mir nicht helfen, aber wenn Mahler gespielt wird, muß ich gehen“, sagte ein völkischer Komponist zu einem Kritiker, indem er den Konzertsaal verließ. „Danken Sie Gott, daß Mozart tot ist“, erwiderte dieser. „D e r ginge, wenn Sie gespielt werden und <^as würde ganz anderes Aufsehen machen, als wenn S i e das Lokal verlassen“. 9. Der Ehrliche. „Ohne Juden könnten wir es zur Not ja machen“, sagte ein reaktionärer Parteimann — „ohne Judenfrage niemals“. 10. Der Bekehrte. „Ich habe Euch bitter unrecht getan“, s-gte ein Antisemit zu einem Juden, der eben in den Himmel kam; „hier oben wimmelts von Juden. Es ist nicht zum Aushalten!“ 11. Der Kranke. „Morgen fahr’ ich heim“, erzählte mir eines Tages ein schwindsüchtiger Ostjude in Meran. „Nach Kowno?“ fragte ich ihn. „Nein, nach Jeruscholajim“. Gedenkt des" ' Nallonalfonds Sammelstelle München Gllsabeth Mahler Postscheckkonto 10121 Sammelstelle Nürnberg S. Heinemann Karolinenstr. 42 Sammelstelle Stuttgart S. Friedrich Hirschstr.24 ^106