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Das jüdische Echo · 1920-08-27 · 34/35 (27.8.1920) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
34/35 (27.8.1920)
Date
1920-08-27
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 34/35 27. Hugust 1920 7. Jahrgang Deutsche Juden! Wir stehen an der Schwelle eines neuen jüdischen Jahres. Das vergangene Jahr hat zahllosen unserer östlichen Stammesbruder furchtbare Prüfungen gebracht. Nach den Leiden der fünfjährigen Kriegszeit begann für sie eine immer noch nicht beendete Kette von Verfolgungen, die Hunderten das Leben, vielen Tausenden Hab und Gut kostete. Aber in diese verzweifelte Situation fällt auch der bedeutendste Augenblick der jüdischen Geschichte seit Beginn unserer Zerstreuung: Durch die feierliche Erklärung von San Remo ist Palästina den Juden als Heimstätte zuerkannt worden, und die Ernennung des Juden Herbert Samuel zum Oberkommissar von Erez Israel hat viele Tausende mit neuer Hoffnung für die Zukunft des jüdischen Volkes erfüllt. Große Massen, zum Teil völlig besitzlose, warten auf den Augenblick, da sich ihnen in Palästina neue bessere Lebensmöglichkeiten bieten. Um ihnen aber die Ansiedlung zu gewährleisten, dazu sind gewaltige Mittel erforderlich, an deren Aufbringung sich die Judenheit der ganzen Welt, jeder Einzelne nach seinem Vermögen, beteiligen muß. Die zu Roschhaschanah allgemein eingeführten Glückwunsch-Ablösungen geben nun jedem Juden eine schöne Gelegenheit zu tatkräftiger Hilfe. Wem die Befreiung seiner in Not und Elend lebenden Brüder am Herzen liegt, der wird diese Ablösungen zum Anlaß nehmen, um durch eine großzügige Spende den Jüdischen Nationalfonds, den Hauptfaktor der palästinensichen Kolonisation, zu unterstützen. Der Jüdische Nationalfonds, dessen segensreiche Tätigkeit die Juden aller Parteirichtungen durch ständig wachsende Beiträge anerkennen, hat den Zweck, Grund und Boden in Palästina zu erwerben und ihn jüdischen Ansiedlern in Erbpacht zu übergeben, so daß sie vom Bodenkauf entlastet werden. Bereits vor dem Kriege schuf er in Palästina eine Reihe blühender Kolonien und Farmen, im Kriege hat er durch umfassende Notstandsarbeiten und Lieferung von Lebensmitteln aus seinen eigenen Siedelungen wesentlich zur Erhaltung des jüdischen Kolonisationswerkes beigetragen. Der Nationalfonds ist kein Institut einer nur vorübergehenden Abhilfe, sondern er schafft die dauernden Grundlagen für ein freies jüdisches Gemeinwesen. Seine Arbeit für den Aufbau Palästinas, die jetzt einsetzende Phase der jüdischen Massensiedlung, steht unmittelbar bevor! Der Erwerb großer zusammenhängender Bodenflächen ist eingeleitet, die Aufforstung des Landes durch die Anpflanzung von vorerst zwei Millionen Nutzhölzern hat bereits begonnen. Jeder Jude, unabhängig von irgend welcher Parte irichtung, ist verantwortlich für das Gelingen dieses der jüdischen Gesamtheit dienenden Werkes, jeder hat die heilige Pflicht, daran nach bestem Vermögen mitzuwirken, nachdem jetzt die äußeren Möglichkeiten wie nie zuvor gegeben sind. Deutsche Juden! Gestaltet Eure diesjährige Glückwunschablösung zu einer großzügigen Unterstützung des Jüdischen Nationalfonds! Opfert nach Euren finanziellen Kräften für den Aufbau des jüdischen Palästinas, für die Zukunft Eurer Brüder! Jüdischer Nationalfonds Professor Dr. Warburg. Wolisteiner. Ostjudenhetze und NeutralitätsVerletzung! Ein geradezu unglaublicher Vorfall hat sich in der letzten Woche in Kattowitz abgespielt. Die Tagespresse wußte zu berichten, daß anläßlich der dortigen Unruhen auf Befehl des französischen Generals de Rond sämtliche Ausländer, vor allem die polnischen Militärflüchtlinge, durch die Besatzungstruppen über die Grenze geschafft worden seien. Nunmehr veröffentlicht die „Vossische Zeitung“ eine Richtigstellung dieser Meldung, die folgendermaßen lautet: „Die deutsche Behörde, die in Kattowitz angeblich die Befehle der französischen Besatzungsbehörde ausführte, hat die allgemeine Verwirrung, die infolge der Unruhen in Kattowitz bestand, benutzt, um eine großzügige Judenaustreibung in die Wege zu leiten. Bezeichnenderweise ließ man Polen unbehelligt. Jüdische Arbeiter hingegen wurden auf Denunziationen, zu denen die Polizei aufreizte, aus den Arbeitsstellen geholt und gegen den Protest ihrer Arbeitgeber auf Autos verladen und der Grenze zu transportiert. Das Unglaublichste aber ist, daß die Polizeibehörde, als der Abtransport schon in vollem Gange war, noch die Auskunft gab, es handle sich um eine bloße Feststellung der Personalien. Die Absperrung und Durchsuchung der Häuser wurde, wie uns berichtet wird, keineswegs vom französischen Militär, sondern von der deutschen Sicherheitspolizei vorgenommen. Bei der Zusammentreibung kam es zu Ausschreitungen der Sicherheitspolizei gegen die unglücklichen Opfer, die geschlagen und mißhandelt wurden. Merkwürdigerweise stellen sich auch die Zentralbehörden auf den Standpunkt, daß die Frage der polnischen Deserteure mit der Neutralität nichts zu tun hat.“ Die deutsche Sicherheitswehr hat also ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo ihr Eingreifen an anderer — gefährlicherer — Stelle am Platze gewesen wäre, den Befehl des französischen Generals und die herrschende Verwirrung dazu benutzt, um eine pogromartige Judenrazzia zu veranstalten. Sie ist, wie wir von Augenzeugen erfahren, dabei in so brutaler Weise vorgegangen, daß sie sich nicht entblödet hat, die Kinder auf der Straße aufzuhetzen, ihr die Häuser zu bezeichnen, in denen Ostjuden sich aufhielten. Sie hat zwar den „Mut“ aufgebracht, die Wehrlosen zu mißhandeln, hat aber vorsichtigerweise gleichzeitig diejenigen Instanzen, die sich ins Mittel legen wollten, in der unglaublichsten Weise angelogen. Dieser Vorfall reiht sich in seinem Wesen würdig einer Reihe anderer Vorkommnisse der letzten

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