Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 32/33 (13.8.1920)
- Date
- 1920-08-13
- Page
- Seite 350 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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350 Das Jüdische Echo Nr. 32/33 Das heimlich sie im tiefsten Schachte bergen, Ruft auf die Seelen und umfängt die Seelen, Daß sie erschaudernd sich dem Sang vermählen. Und hier ein Trödler zwischen grauem Plunder Und dort ein Schüler hinter Folianten Ein Bettler hier und dort ein reicher Kaufherr Und hier ein Traumverlorner, eine junge Mutter Im Kindbett dort und eine blasse Dirne, Gefallen in den Großstadtgassen und doch rein, Ein Jüngling und ein Greis, ein Mäkler und ein Spieler, Ein Tanzpaar dort im glanzerfüllten Saale: Sie alle halten plötzlich still und horchen Und sind berührt vom Odem des Propheten Hinausgehoben aus dem Netz des Alltags. Versunken ist ist die Welt, in der sie lebten Das Ghetthokleid, geflickt aus Schacherfreude, Aus unfruchtbarer Güte, kleinen Lüsten, Aus Selbsterniedrigung und öder Klage Ist abgefallen, von den Schultern fließt Der Purpurmantel königlicher Größe Und ihnen ist, als hätte Gottes Hand Sie hingeleitet ins gelobte Land. * * * Alljährlich, wenn die Mandelknospen springen Und Liliendüfte um die Zedern wehen, Ertönt der Sehnsuchtsquell am Berge Nebo Und sucht und findet die geweihten Seelen. Doch wenn der Sang verhallt, tauchen sie fröstelnd nieder In ihres Daseins dumpfe, feuchte Enge. Sie blicken um sich wie erschreckte Kinder Fremd, stumm, die große Frage in den Augen Und haben keinen Anteil an dem Wirrsal. Sie sehen fern und doch zum Greifen nahe Das Land im goldnen Frühlingslicht gebadet, Sie jauchzen auf, vergießen heiße Tränen, An ihnen zehrt mit Urgewalt das Sehnen, Daß sie, in höchster Lust, in höchstem Leid In Einsamkeit vergehn vor ihrer Zeit. Feuilleton Jerusalemer Nachtstück Von Eugen Höflich. (Fortsetzung.) Laut hallen meine Schritte, um erschreckt wieder zu mir zurückzukommen. Die Häuser sind erstarrt in ihrer Ruhe und die engen Gassen des Basars scheinen noch enger zu werden, als wollten sie sich mir schließlich versperren. Ich gehe über die Stiegen hinunter, die vom Migdäl dawid hinabführen zum Suk es jehudi. Links bleibt die übelriechende Gasse, die zur Grabeskirche leitet, zu jener größten Enttäuschung Jerusalems, da sich die Priester um ihren Gott balgen, an der aber schön ist ein wunderbarer Erker und ein großartiges Tor. Bogen springen links und rechts aus den Häusern und wölben sich über die Gasse. Plötzlich steht Finsternis um mich, dicht und greifbar, ich aber kenne genau die Windungen des Basars und weiß, wo die Steine stehen, vor denen man sich hüten muß, und weiß, wo der Abfall liegt. Ich weiß, daß man linker Hand einbiegt zum Gewürzbasar. Scharfer, aber angenehmer und phantastischer Duft von Gewürzen, Atr und getrockneten Kräutern umzieht mich und von rechts zögert der muffige Geruch von Stoffen und Teppichen auf mich zu. Ich stehe im Mittelpunkt des Basars, in seiner tiefsten, wunderbarsten Stille. Nur dann und wann ein schriller Pfiff der Wächter, der sich eilends fortpflanzt, als wollte er, schnell durch den Suk laufend, so rasch als möglich die Störung beenden. Rechts die Gasse, der jüdische Basar, mündet irgendwo beim arabischen Konvent, wo man zu einem seltsamen stillen Stadttor kommt und später auf den Berg Zion. Links geht man, den scharfen Gerüchen nach, durch den Gewürzbasar, zu der Kreuzung, wo an manchen Tagen schöne Bucharerfrauen mit Teppichen handeln und weiterhin zum Damaskustor. Ich gehe geradeaus. Tappe durch die Finsternis dei: wohlbekannten Weg durch den Gemüsebasar, plötzlich fällt breite Lichtflut mir vor die Füße Gedenk) des lidWeii Nalionalionds Sammelstelle München Sammelstelle Nürnberg Sammelstella Stuttgart Elisabeth Mahler S. Heinemann S. Friedrich Postscheckkonto 10121_Karolinenstr. 42_Hirschstr. 24 \mert PORZELLAN-NIEDEBL1GE MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 23 gegenüber der Feldhermhalle GRÖSSTE AUSWAHL IN GEBRAUCHSPOBZELLAI TÄGLICHE LAGEREBGÄHZUHG