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Das jüdische Echo · 1920-08-13 · 32/33 (13.8.1920) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
32/33 (13.8.1920)
Date
1920-08-13
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 32/35 13. Hugust 1920 7. Jahrgang Der deutsche Antisemitenblock Von Fritz Schiff. In der .Preußischen Landesversammlung“ und dem „Hauptausschuß des Reichstages“, sowie im Plenum des Reichstages hat man einmal wieder (Me bösen Ostjuden für den Niedergang der gesamten deutschen Kultur, den Schleichhandel, den Wucher und die Wohnungsnot, kurz für alles, was es jetzt an schlechten und häßlichen Dingen in der Welt gibt, verantwortlich gemacht. Das ist ungefährlich, erweckt in gewissen echt „republikanischen“ Kreisen Sympathie und — das Wesentliche — es strengt das Gehirn nicht übermäßig an. Wenn dabei die Wahrheit zu Schaden kommt, unglückliche Menschen noch unglücklicher gemacht werden — du lieber Himmel, um derlei Kleinigkeiten kümmert man sich doch längst nicht mehr! Im übrigen, sollte wirklich einmal ein Sittenstrenger auf diese moralischen Schönheitsfehler aufmerksam machen, so könnte man ja immer noch sagen, das habe man von den Juden gelernt. Daß der antisemitische Antrag im Reichstag und im Hauptausschuß angenommen wurde, ist selbstverständlich, es wird aber einige unentwegte Optimisten unter uns Juden doch interessieren, daß gegen den Antrag nur die Vertreter der beiden sozialdemokratischen Parteien gestimmt haben. Das bedeutet, daß die Demokraten, schweren Herzens oder nicht, dafür gestimmt haben. Mehr noch. In der Preußischen Landesversammlung ist es niemand anders gewesen, als ein Demokrat, der Schöneberger Bürgermeister D o m in i c u s , der bei der Besprechung der Wohnungsnot unter Beifall seiner Partei die Forderung erhoben hat, „das Loch im Osten zuzustopfen.“ Man wäre nun geneigt zu sagen: Gut, endlich haben sich die Demokraten demaskiert. Mit nichten! Diese Partei, die den Begriff der Demokratie noch nie erfaßt hat, kann sich einfach nicht demaskieren. Sie gleicht einer Zwiebel, von der man Blatt um Blatt fortnehmen kann, ohne daß sie ihren Charakter als Zwiebel verändert. Diese Partei wird für die Juden eintreten, wenn es den herrschenden Schichten in den Kram paßt, nicht antisemitisch zu sein — es ist nicht lange her, daß die Konstellation so war — und sie würde morgen in einem Horthy- Deutschland mit verachtungsvoller Gebärde und einem beteuernden Blick auf die eigene weiße Weste alle Juden als Verbrecher brandmarken. In Bayern besonders sollten alle die, die das vorher noch nicht begriffen hatten, doch schon durch den Aufruf der demokratischen Partei am letzten Tage vor den Wahlen gelernt haben, in dem man ängstlich versicherte, daß die anderen Parteien viel verjudeter seien. Man kann auch überzeugt sein — und der Abgeordnete Korell hat ja im Reichstag behauptet, daß gut jüdische Kreise mit Zwangsmaßnahmen gegen die Ostjuden einverstanden seien —, daß der gesamte alte norddeutsche Kommunalfreisinn, der jüdische Kern der Partei, mit der Haltung der Parteigenossen Dominicus, Minister Koch, Pachnike und Goll durchaus einverstanden ist, wenigstens hat von diesen Herren, deren politische Beschränktheit trotz aller braven Gesinnung bisweilen geradezu idyllisch ist, niemand gegen die Ausführungen ihrer Parteigenossen protestiert (— selbstverständlich. die Ostjuden gehören ja auch einem fremden Volke an). Diese Leute können nicht begreifen, daß ihre Zeit vorüber ist. Sie sind die Vertreter einer Gott sei Dank überwundenen Epoche, aber es ist viel wieder gut zu machen, was diese Zeit an der Menschheit gesündigt hat, nur wenig freilich ist von dieser Wiedergutmachung sogar bei denen zu merken, die für sie eintreten. Dem Minister des Innern Sever i n g war vor allem daran gelegen, nachzuweisen, daß sowohl der Versailler Vertrag als auch sonstige juristische Bestimmungen an einer schärferen Grenzüberwachung hinderten, daß er aber alles tun werde, um . . . usw., nun man kennt diese Töne zur Genüge. Sie sind eingegeben und bestimmt durch die Rücksicht auf die regierende Koalition von Großkapital und Militär. Daß Herr Severing die Juden als Menschen bezeichnet und die Zeitungsmeldungen über die Ostjuden mit ihren phantastischen Ziffern und Behauptungen als übertrieben, erheischt keinen Dank. Als Sozialdemokrat hätte er anders reden müssen, so etwa, wie sein Fraktionskollege Heinemann, der ausführte, daß gegenüber den 60 Millionen Deutschen die 40 000 Ostjuden hinsichtlich Ernährungs- und Wohnungsverhältnissen kaum ins Gewicht fielen. Die Einwanderndan seien zum allergrößten Teil die ärmsten der Armen, sie wohnten zu zehnt und fünfzehnt in einem Zimmer zusammen. Eine wirklich kräftige Abfuhr holte sich der Antisemitenblock von den Deutschnationalen bis zu den Demokraten im Plenum und im Hauptausschuß des Reichstags durch die Mitglieder der U.S.P., Frau Z i e t z, die stets mutig ist, wo es sich um Verteidigung von Menschenrechten handelt, Dr. R o s e n f e 1 d und Dr. Breitscheid. Sie bezeichneten die antisemitische Resolution als Folgen des üblen Radauantisemitismus und als Kampfmittel gegen politisch mißliebige Personen und erinnerten daran, daß nicht wenige ostjüdische Proletarier jetzt deshalb in Deutschland seien, weil sie durch die kulturschänderischen Arbeiterdeportationen während des Krieges hierher gekommen seien. Dr. Rosenfeld erzählte, daß er bei der Freilassung der kürzlich während der Judenverfolgungen durch General Seeckt in Berlin Verhafteten keinen einzigen Schieber und Wucherer gefunden habe und hob die Tätigkeit des Jüdischen Arbeiterfürsorge- Amtes in Berlin hervor. Was nützen uns die schönen Verteidigungsreden? Niemand im Ausschuß wird Dr. Rosenfeld geglaubt haben, daß unter den verhafteten Juden aus der Grenadierstraße keine Schieber gewesen seien, weil es niemand glauben wollte. Weder die Regierung noch die Parteien werden sich so bequemer Argumente

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