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Das jüdische Echo · 1920-07-16 · 28/29 (16.7.1920) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
28/29 (16.7.1920)
Date
1920-07-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 28/29 16. Juli 1920 7. Jahrgang Zum 9. Äv Von Jacob Frankel. „Sollte ich dein vergessen, Jeruscholajim, so versage meine Rechte! Meine Zunge kleb’ am Gaumen, so ich nicht erhebe Jeruscholajim auf den Gipfel meiner Freude.“ (Psalm 137.) Wiederum jährt sich der Tag. an dem vor vielen Jahrhunderten der Tempel Israels, die Hauptstadt seines Heimatlandes zerstört und damit die Selbständigkeit Judas vernichtet wurde. Trauerhymnen und Trauerpsalmen, welche im Laufe der Jahrhunderte verfaßt wurden, gemahnen an diesem Tag in den Stätten des Gebets die Söhne unseres Volkes an die schwere Zeit, welche bei der Zerstörung des Heiligsten, unseres Landes und bei anderen traurigen Ereignissen unser Volk zu erdulden hatte. Wie in den düstersten Tagen die Kinder Judas nicht verzagten, das symbolisiert sich auch am 9. Av in den Gebeten und Betrachtungen, weiche diesem Tag gewidmet sind; nach all den Schilderungen der schmerzlichen Episoden entringt sich uns immer wieder der Ruf. welcher in der Hoffnung ausklingt, daß auch für unser Volk wieder bessere Tage kommen und neues Leben aus den Ruinen erstehen wird. „Und die Befreiten des Ewigen kehren zurück und kommen nach Zion mit Jubel, und ewige Freude ist auf ihrem Haupte. Wonne und Lust treffen sie an und es entflieht Kummer und Trauer.“ Jeschajohn 35. 10. Solch neues Leben winkt uns jetzt aus weiter Ferne zu; die Hoffnungen von Jahrhunderten erscheinen in greifbare Nähe gerückt. Die Beschlüsse von San Remo weisen uns den Weg, wie wir wieder auf heimatlichem Baden unserer Kultur, unserer Eigenart gerecht werden können. Der Boden, welcher in Palästina neu bearbeitet werden muß, ist ein steiniger; es wird dem neuen Geschlechte nicht Leidhit sein, die Früchte des Landes einzuheimsen. Schwere Arbeit, zähe Ausdauer werden von Nöten sein, um das Land in ein solches. welches wieder Milch und Honig bietet, umzugestalten. Aber es wird gelingen; ein Volk, welches in Erinnerung an seine Vergangenheit Jahrtausende im Galuth seine Zukunftsträume nicht verlor, welches in Not und Bedrängnis die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft im heiligen Lande höchhielt, wird das Ziel seines Strebens erreichen. Vor wenigen Tagen betrat der neue Generalgouverneur Herbert Samuel, der erste Jude, welcher seit zwei Jahrtausenden wieder an die Spitze Palästinas gesetzt ist, das Land unserer Zukunft. Ihn begrüßt das jüdische Volk mit den innigsten Wünschen für ein gedeihliches Wirken. Aber er kann nur erfolgreich tätig sein, wenn die Gesamtjudenheit der ganzen Welt ihm ihre Unterstützung leiht. Wir haben gesehen, wie mächtig die Idee des Zionismus sich entwickelte, wie die Seele des jüdischen Volkes wächst. Die letzten Monate haben gezeigt, welch rege Tätigkeit sich in allen Ländern dies- und jenseits des Ozeans im Interesse unserer heiligen Sache entfaltet. Wir müssen alle Kräfte, welche uns zur Verfügung stehen, benützen, um die Mittel, welche unsere Ziele erheischen, aufzubringen. In diesen Tagen werden wir auch in München an die gesamte Judenheit herantreten und sie bitten, den Palästina-Aufbau zu unterstützen. Die Erinnerung an die einstige Größe und Herrlichkeit Palästinas, an die uns die Tage des Monats Av besonders gemahnen, ist dazu angetan, uns auch a*uf die Pflicht hinzuweisen, welche uns hier obliegt. Möge jeder Jude dessen eingedenk sein und seinen Teil — Echod hamarbe, Echod hamamid — je nach seinen Verhältnissen beitragen; das wäre die schönste Erinnerungsfeier am 9. Av. Paul Nathan zum Palästina-Ruf bau Herr Paul Nathan richtete an unseren Mitarbeiter J. G 1 o g a u e r auf dessen in Nr. 24 unseres Blattes abgedruckten „offenen Brief“ folgendes Schreiben; „Ihren Artikel im „Jüdischen Echo“ vom 11. ds. habe ich gelesen, und ich bin gern bereit, Ihnen eine Antwort 2uf die an mich gerichtete Frage zu geben. Für die Weiterentwicklung des jüdischen Problems in Palästina können meiner Ansicht nach in erster Reihe nur die Juden des Vereinigten Königreichs in Betracht kommen. Vielleicht noch die Juden der Vereinigten Staaten von Amerika. Ein unmittelbares Eingreifen der französischen Juden würde voraussichtlich schon bei der englischen Regierung Bedenken erregen, und wenn die deutschen Juden direkten Anteil an der Entwicklung der jüdischen Politik in Palästina nehmen wollten, so würde das gewiß in erheblichem Umfange auf die Antipathie christlicher Kreise in England stoßen. Es wäre damit Anlaß zu dem Verdacht gegeben, daß die Anteilnahme deutscher Juden zugleich eine Anteilnahme und eine Einmischung deutscher Politik bedeuten kann. Die einflußreichen politischen Kreise, die in England hinter der „Times“ und ihrem Konzern stehen, würden sich gewiß nicht die Gelegenheit entgehen lassen. um alsdann Judenlhetze und Deutschenhetze in engster Verbindung zu betreiben. Deswegen betrachte ich das Palästinaproblem zurzeit als eine Angelegenheit, die zwischen englischen Juden und englischer Regierung zur Entscheidung gebracht werden muß. Die deutschen Juden insbesondere sollten sich darauf beschränken, in den deutlichen Grenzen humanitärer Betätigung in Palästina mitzuarbeiten. Das ist der beste Dienst, den sie im Augenblick leisten können!“ Ist das alles?! Man kann sich eines Gefühls der Bitterkeit nicht erwehren, wenn man sieht, wie ein Mann, der zu den Führern der deutschen Juden zählt, kühl bis ans Herz bleibt, gegenüber dem größten Ereignis in der jüdischen Geschichte seit der Zerstörung des Reichs, gegenüber der internationalen Anerkennung des jüdischen Anspruchs auf Palä-

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