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Das jüdische Echo · 1920-06-25 · 26 (25.6.1920) · p. Seite 299

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
26 (25.6.1920)
Date
1920-06-25
Page
Seite 299 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 299 geringste ethische Berechtigung“. Also eine Bestätigung der Greuel von der Parlamentstribüne. Antisemitischer Theaterskandal. Zu dem Skandal bei der Uraufführung des Schauspiels „Die Nachtwandler“ von Kla'bund. im Opern- und Schauspielhause zu Hannover, nimmt der Dichter in einer Zuschrift Stellung, in der es heißt: „Von welcher Seite diese Opposition unter anderem ausging, beweist ein Artikel in der „Deutschen Zeitung“ vom Montag, den 10. Mai, in welchem behauptet wird, daß in dem Stück der Haß des Judentums gegen das ehrliche aufrechte Deutschland ganz unverhülilt zutage tritt und daß ich unter anderem als „jüdischer Brünstling“ apostrophiert werde. Das Stück ist deutscher, als es die „Deutsche Zeitung“ je sein wird, und ich möchte festgestellt wissen, daß der antisemitische Radau gegen mich, wie er in Hannover auch mit dem Rufe „Nieder mit dem Juden“, zum Ausdruck kam. völlig unangebracht ist. Mein bürgerlicher Name ist Alfred Henschke und in meinen Adern fließt nicht ein Tropfen jüdisches Blut. Die Opposition gegen mich wird sich eine andere Flagge suchen müssen.“ literarisches Echo Hans Goslar: Jüdische Weltherrschait. Gabriel Rieser-Verlag, Berlin. In der antisemitischen Presse und in den zahlreichen judenfeindlichen Flugblättern und Broschüren dieser Tage spielt im Zusammenhang mit der angeblichen jüdischen Kriegsschuld vor allem die Behauptung eine Rolle, daß das Judentum finanziell und politisch mit allen Mitteln die Weltherrschaft anstrebe. Eine soeben im Gabriel Rieser-Verlag erscheinende Broschüre von Hans Goslar rückt unter dem Titel „Jüdische Weltherrschaft“ diesem Phantom energisch zu Leibe. Überall dort, wo man gewillt ist, die Auseinandersetzung über die Judenfrage ehrlich, aufrichtig und mit anständigen Beweisgründen vorzunehmen, wird diese Schrift im Interesse einer Klärung mancher hochaktueller strittiger Fragen begrüßt werden. Mit Interesse wird man insbesondere auch die Teile der Schrift lesen, die eine psychologische Erklärung für das Vorhandensein verhältnismäßig zahlreicher jüdischer Elemente in den linksradikalen Parteien zu geben suchen. Adolf Donath, Judenlieder. R. Löwit- Verlag, Wien. Die Gedichte haben eher einen historischen als einen poetischen Wert. Sie sind gereimte „jüdische Renaissance“, gereimte Judennot, gereimter Zionismus. Immerhin gehören sie mit zu den besten, was jungjüdischer Tendenzdichtung sein Leben verdankt. Alles ist sehr gut gemeint manches tief empfunden, einiges wenige wirklich schön. Das kleine Lied von Mirjam, das traurige Gedicht von dem Straßensänger im Ghetto bleiben in der Erinnerung . . . Feuilleton Jerusalem Von Alfred Kerr.*) Am Donnerstag dem 16. April 1903 früh um sieben ein Viertel Uhr Palästinas Küste gesehn. Ich stehe ganz still auf einem fremden Schiff, das Port Said gestern verließ. Die Tränen steigen mir auf. Es ist eine bergige Küste; schön im Morgenduft. Dort hebt sich das Land der Juden. (Nein, die Berge liegen dahinter, die Küste selbst ist eben. Weit hinter der Küste das Hochland von Judäa, — das sind diese Berge.) * Ein Jude, blond, vierzigjährig, schlank, mit zwei Kindern all der Hand, wies mir in Jaffa den Weg. Ohne Bakschisch. Im Gesicht edleres, ernstes Menschentum. Sie waren hergezogen, um in der Nähe des Tales Josaphat zu sterben, — um gleich da zu sein, wenn die Posaune zum Jüngsten Gericht ruft. Eine schöne a'lte Frau, von der ich dann Auskunft erbitte, fragt am Schluß, wohin ich von Jaffa wolle. Nach Jerusalem. Sie sagt mit einer wissenden Menscheninnigkeit, wie Juden sie manchmal wunderbar haben: „Nach Jerusalem? Geihn Se zu gesiind!“ Ein inniger Akzent auf jeder Silbe. Sie gibt sorglich noch eine Auskunft und spricht, wie für sich: „Wozii ä krümmer Weg we’mme kann geihn ä gleichen Weg?“ Mit gefaßter, friedsam gewordener Weisheit; wie bei so vielen ihres Urvolks. * Gelobtes Land. Selige Gelände zwischen Jaffa und Jerusalem, wenn man das Meer verlassen hat. Palmen. Ein süßester, stärkster Duft von Orangeblüten; alles, alles blüht weiß in frischem Grün. Frische der Orangengärten; fruchtbar, hold. 0 Palmen und Orangeblüten im April. Kanaan ist lieblicher als Ägypten, das gelbliche Lehmreich. Ich sah die Ebene Saron. Dahinter Bergketten, blauende, des alten Schicksalslandes. Ja, es ist hold; ich wußte nicht, daß es Saron war, und fand es hold. Dickstämmig-alter Olivenwald! Eine Meile lang, eine Meile breit. Räumige Kakteen; Berberfeigen. Ein Ölwald — und steht wie auf Ackererde. Weiße, gelbe Blumen. Feigenbäume, von saftstrahlender Frühlingsfrische, leuchtend. Ein reiches Land; ein Weideland. Frühland, Frühlingsland! Ernstes Land und Schönheitsland! Mit mancher weißgebauten Ortschaft. Mit Kuppeln, Brunnen. Gräbern, zerfallenen Toren. Nah das blaue Mittelmeer — und die Berge Judas. Düfte, Reichtum — und steinige Wucht. Ernstes Land und Schönheitsland. Frühland! Frühlingsland! Judenland! * Ich sah bei Bethar die Bergfeste, wo Barkochba, *) „Die Neue Rundschau“ vom Dez. v. J. brachte unter obigem Titel einen interessanten Beitrag des bekannten Berliner Kritikers Alfred Kerr. Einige besonders hübsche Stellen daraus glauben wir unseren Lesern nicht vorenthalten zu dürfen. Erstklassiger Herrenschneider fl. E I M W fl <3 annehmbare Preise MÖNCHEN Residenzstraße 13/1 (Ma/c Joseph-Platz)

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