Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 22 (28.5.1920)
- Date
- 1920-05-28
- Page
- Seite 248 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Das Jüdische Echo Nr. 22 Die grage ber (Sonbergefehgebung, bie in ber Ufr ten Sei* fo häufig biöfuttert wirb, gehört zu ben Mitteln ber ©ewalt, bte ftd) noch nie in ber ©e* fcbidjte bewährt ^aben unb immer für ben, ber fte anwenbet, bie fcbiimntflen geigen zeitigen. Menn bie Deutfcben bie Heine jübifebe Minorität bureb eine folcbe £0^a#regel oergewaltigen wollten, bann würben fte nic^t nur fämtlicbe ©runbfähe ber ©e* reebtigfeit oerleben unb ftct> babureb i^re ohnehin febon fdjwierige @tellung unter ben Golfern oölltg oerberben, fte würben ftcb auch wertvolle unb wich* tige 2(rbeitsfräfte entziehen. 2(ber es ifl unnötig barüber noch ein Mort zu verlieren, benn bie @on* bergefebgebung wirb nicht fomnten, weil bie ©e* febiebte ficb nicht jurüeffebrauben labt, unb weil bie Kämpfe ber MenfcblKit in ber fommenben 3^t ft<b nicht mehr auf nationalem fonbern auf fokalem ©ebief abfpielcn werben, (Es ha* ben 2lnfcbein, als ob bie gorm beS äußeren Kampfes ber nationalen ©egenfäbe in bem Meftfrieg ihren Jpöbepunft er* reicht hnt unb zugleich bureb ihn überwunben ifl. Die nationalen ©egenfäbe werben nicht febwinben, aber ihre Reibungen unb (Spannungen werben in geizigen unb fulturellen Kampfformen zum 2luS* brud fontmen. Das Nolf ber 3uben iff feit ber 3erflörung beS Tempels, feit es feine tatfäcblicbe Macht mehr be* fibt, auf biefe gornt beS nationalen Kampfes ange* wiefen. (Es ha* unenblicb oiel (Erfahrungen fner* bei gefammelt unb barf baher ben beutfeben 3uben* feinben, beren Jpah ibeafiftifcbmationalen Urfacben entfpringt, ben Natfdjlag erteilen, bah man ben nationalen ©eift eines Golfes nicht babureb pflegt, bah man feine Machtmittel mehrt unb mit biefen Machtmitteln anberen feine 2lrt gewaltfam auf* zwingt, fonbern bah nur bie pflege feiner befonberen geifttgen (Eigen* febaften, feiner tppifeben K u 11 u r * formen, biefen o ö l f i f <b e n © e i fl flärft unb belebt. 3ebeS £3olf glaubt an feine befonbere Miffion. 7Cud> bas beutfebe ^olf glaubt baran. Unb man muh fagen, bah bie MifTion ber Eeibnib, Kant, £5acb, $$eethooen, ©oethe unb Niebfche wahrlich eine innere Kraft befeffen ha*/ wie fte nicht oiel anberen Söffern in (Europa zu eigen war. Das, unb nicht Mafcbinengewelwe unb Swangsntahnahmen, weber gegen granjofen unb (Englänber braunen, noch gegen bie 3uben brinnen, jtnb bie Mege, bie ein wirflicber Nationalismus gehen muh. 3tt biefem Nationalismus aber gehört auch ©etbfterfenntnis unb (Selbflbefinnung. (Es iff fehr billig, bie (Scbulb an einem erlittenen Um glücf einer ©ruppe oon Menfcben, bie einem nicht fpmpathifcb ftub, ben 3uben, jujufebieben. 3(ber es ift moralifcb tiefftehenb unb hilft ber eigenen (Sache nicht im geringen. 3eber nationale 3ube hat gewih bas oollfte NerftänbniS für bie wirflicb na* tionalen geizigen Q3eflrebungen ber Deutfcben, er weih auch, bah jwifchen beiben manche ©egenfäbe begehen. Mir aber forbern biefe Nationalbeutfcben im Namen ber ©erechtigfeit unb ber Klugheit auf, bie Differenzen auf gefittetem fulturellem Mege unb nicht mit brutaler ©ewaltanwenbung auSzu* fämpfen. 2lber mit bem ^ubenhah, ber nicht ibealifHfd)* nationalen Motioen, fonbern einfacher @pefula* tion auf bie menfcblicben ^nflinfte entfpringt, ber ficb beS TlntifemitiSmus als Kampfmittel zur (Er* reichung nicht fojialer 3*He bebient, wie es ein grober £eit ber ^ageSprejfe tut, fyabin wir uns nicht auSeinanberzufehen. @ein ©eleif läht uns oöllig fall. Eeute, benen ber 3>md bas Mittel h^^tgt, ftnb moralifcb minberwertig unb werben oon uns nur mit Jpilfe ber gefehlten fiaat* liehen Mittel befämpft werben. Mir werben ihnen nicht ben ©efallen tun, ihre fonfufen unb albernen 2lnflagen zu wiberlegen unb b^en ihnen gegenüber bas (Siegergefühl beS moralifcb Überlegenen. 3ofeph Michael. ©eneral 3. (L Smuts (premierminifler ber (Süb*2lfrifanif<ben Union über 3ubenunb 3ubenfrage ms einer 3lnfpracbe. Daü fübifche 53olf hnt im £auf ber ©efehiebte febwerfies Unrecht erbulbet, nicht allein oor Mem fcbenaltern, fonbern gefiern erfi; unb felbft heute noch gefebieht bieS in oerfebiebenen teilen (Europas. 3cb bezweifle es faum, meine Damen unb Jperren, bah in ber neuen 2ltmofphäre, bie nun in (Europa gefebaffen wirb, bei bem neuen ©eiji, ber in ber Melt geboren würbe, unb ber allmählich bie Zioüifiertc ©efellfcbaft umformen wirb, fehr halb ber ^ag fommen wirb, an bem bie Eeiben ber fübi^ f^en Naffe, wie wir fte aus ber ©efehiebte lernten, Zit (Enbe fein werben. 3d) fHmme überein mit ben Sielen unb ^bealen ber Skiffen unb h^Ue bafür, bah bie einzige wahre Eöfung beS jübifeben Problems bas Ungefcbehen-, bas Miebergutmacben beS groben Unrechts fei, bas ben 3uben oor 2000 fahren ya* gefügt würbe. 3ch brauche firnen nicht z« f(^gen, benn <Sic wiffen es beffer als ich, bah bie 3uben eines ber na> tionalflett Ueinen Böller finb, bie es jemals gab, national felbfl bis zum blinben ganatismuS, unb fic haben bezahlen müffen bafür, fanatifch gewefen, na* tional unb Hein gewefen zu fein. (Sie finb zermab* len worben z^ifeben ben Mühlfleinen ber Meltge* febiebte. Die groben Neidje, bie über 2(fien hin unb her gewanbert finb, famen auch mit bem jübifeben £3olf wieberholt in Konflift, mit bem Nefultat, bao @ie fennen: bah es oor 2000 3^en, naebbem man es erfl aus feinem Eanbe oertrieben h^tte, enb=* gültig oerfloben nnb über bas 2lntlib ber (Erbe oerflreut würbe. Unb feitbem war feine ©efcbid>te bie